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Doping im Biathlon : Verraten, verkauft, vertuscht

Ein ganz düsteres Kapitel: Der Winter ist vorbei, doch die Sportart Biathlon macht weiter Schlagzeilen. Bild: Picture-Alliance

Die Sportart Biathlon gerät ins Zwielicht: Offenbar hat der Weltverband 65 Doping-Fälle russischer Athleten unterschlagen. Der Fall erinnert an die Korruption bei den Leichtathleten.

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          Für einen Koffer voller Dollarbündel? Der Präsident des Welt-Biathlonverbandes (IBU), der Norweger Anders Besseberg, und die deutsche IBU-Generalsekretärin Nicole Resch haben ihre Ämter nach polizeilichen Durchsuchungen des Verbandssitzes in Salzburg und ihrer Privatwohnungen in Norwegen und Deutschland niedergelegt. Auf Hinweis der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) ermittelt die österreichische Zentrale Staatsanwaltschaft zur Verfolgung von Wirtschaftsstrafsachen und Korruption, zuständig für schwere Delikte, in 65 Fällen, in denen offenbar Doping-Fälle russischer Biathleten unterschlagen wurden. Das österreichische Bundeskriminalamt nahm die Durchsuchung in Salzburg am Mittwoch vor.

          Claus Dieterle
          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          An ihrem Sitz in Wien teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass sie gegen Funktionäre der IBU sowie gegen Betreuer und Sportler des russischen Biathlon-Teams im Zusammenhang mit der Weltmeisterschaft 2017 in Hochfilzen ermittle, bei der die russischen Männer in der Staffel siegten und das Mixed-Team auf Platz drei kam. Durch Doping „erschwindelte Preisgelder“ beliefen sich auf rund 35 000 Euro. Viel wichtiger aber: Für das Unterschlagen der Doping-Fälle seien 300.000 Dollar (rund 242.000 Euro) Bestechungsgeld geflossen. Besseberg hat die Anschuldigungen gegenüber der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“ zurückgewiesen: „Ich habe in dieser Angelegenheit nie eine Krone, einen Euro, einen Dollar oder einen Rubel erhalten. Ich habe nicht versucht, russische Proben zu vertuschen“, zitiert das Blatt den 72-jährigen.

          „Frau Resch ließ durch Ihre Anwälte mitteilen, dass die zuvor erhobenen Vorwürfe unzutreffend seien und sie keine Dopingfälle vertuscht habe, vielmehr auch russische Sportler nach genau den Standards kontrolliert worden seien, die im internationalen Kampf gegen Doping von der WADA vorgegeben werden. Auch habe sie keine Gelder angenommen, die im Zusammenhang mit den vorstehenden Vorwürfen stehen.“

          Die Summe von 300.000 Dollar war laut der französischen Tageszeitung „Le Monde“ Ergebnis einer lebhaften Diskussion über die Frage, wie viel Bargeld in einen Diplomatenkoffer passe. Das Blatt berichtet unter Berufung auf Protokolle der Wada, dass der frühere russische Vizepräsident der IBU, Alexander Tichonow, und der Chef de Mission der russischen Olympiamannschaft von Sotschi 2014, Alexander Krawtow, im Sommer 2013 berieten, wie viel Geld an Besseberg fließen solle, damit er im Biathlon die russischen Interessen vertrete. Zeuge des Gespräches wurde Gregorij Rodtschenkow, seinerzeit Leiter des betrügerischen Doping-Kontrolllabors von Moskau und zuständig auch für die Doping-Kontrollen in Sotschi 2014.

          Inzwischen in den Vereinigten Staaten im Zeugenschutzprogramm, hat Rodtschenkow die systematische Manipulation von Doping-Kontrollen von gut 10.000 Athleten über Jahre sowie das Engagement des russischen Geheimdienstes und des Sportministeriums beim Austausch russischer Doping-Proben bei den Winterspielen von 2014 enthüllt. In dem 16 Seiten langen Bericht der Ermittlungsabteilung der Wada, geleitet von dem deutschen Kriminalpolizisten Günter Younger, erinnert sich Rodtschenkow, dass er zum ersten Mal 2009 von einer besonderen Beziehung Russlands zur IBU gehört habe – ein Veteran des Geheimdienstes KGB überwachte sie.

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