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Doping im Biathlon : Verraten, verkauft, vertuscht

Gegenüber der „New York Times“ bestätigte Rodtschenkows Anwalt Jim Walden nun, dass sein Mandant auch die Ermittlungen gegen den Biathlon-Verband sowie andere Ermittlungen unterstützt habe. „Wir hegen die Hoffnung, dass jeder Doping-Betrug und alle Korruption im internationalen Sport entlarvt wird“, sagte Walden, „und wir arbeiten weiter daran, dies Wirklichkeit werden zu lassen.“ „Le Monde“ überschrieb den Artikel: „Wie Russland das Biathlon gekauft hat“.

Rodtschenkow sagte dem norwegischen TV-Sender NRK, die IBU habe verdächtige Blutprofile russischer Athleten ignoriert, statt sie zu untersuchen. Und sie habe die russische Anti-Doping-Agentur darüber informiert. „Russland hat von der IBU sensible Informationen erhalten“, wird Rodtschenkow zitiert. „Aber aus falschen Beweggründen wollte die IBU nicht in die Tiefe gehen und die russischen Athleten und deren abnormale, extrem abnormale biologische Pässe untersuchen.“ Ende 2017 waren laut „Le Monde“ elf Blutprofile atypisch, davon sechs von russischen Athleten. Passiert ist bislang nichts.

„Ich denke schon lange, dass er ersetzt werden sollte”

Der Fall erinnert an die Korruption im Welt-Leichtathletikverband (IAAF). Bis zur Razzia am Verbandssitz in Monte Carlo im November 2015 soll nach den Erkenntnissen der Ermittler in Frankreich und den Vereinigten Staaten Lamine Diack aus Senegal, seinerzeit IAAF-Präsident und Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), gemeinsam mit seinem Sohn Papa Massata Diack dopende russische Sportlerinnen und Sportler um Millionensummen erpresst haben. Auf die massenhaften Doping-Fälle in der Leichtathletik hatten das deutsche Fernsehen und die russische Läuferin Julia Stepanowa hingewiesen; der Skandal löste die Flucht Rodtschenkows nach Amerika und seine Enthüllungen aus.

Die IBU hat sich Russland gegenüber stets konziliant verhalten in der Diskussion um den Ausschluss seiner Athleten von den Olympischen Spielen und trotz der Aufforderung des IOC, keine Veranstaltungen nach Russland zu vergeben. Gegen den Willen vieler Athleten fand das Finale des Weltcup im März in der sibirischen Stadt Tjumen statt. Die Teams aus den Vereinigten Staaten, Kanada, der Tschechischen Republik und der Ukraine boykottierten die Veranstaltung komplett, der schwedische Staffel-Olympiasieger Sebastian Samuelsson als Einzelkämpfer. „Er hatte mehrere Chancen, die IBU zu einem sauberen Sport zu führen, und das hat er nicht getan“, sagte Samuelsson am Donnerstag der schwedischen Zeitung „Expressen“ über Besseberg. „Daher denke ich schon lange, dass er ersetzt werden sollte.”

Provisorische Mitgliedschaft der Russen ohne Stimmrecht

Eine Mehrheit der Biathleten unter Führung des Amerikaners Lowell Bailey und des französischen Branchenführers Martin Fourcade hatte immer wieder den nachsichtigen Umgang der IBU mit der Causa Russland kritisiert und einen schärferen Strafenkatalog für die Zukunft erarbeitet. Bei der WM 2017 war es zudem zwischen Fourcade und dem Russen Anton Schipulin zum verbalen Schlagabtausch gekommen, weil dessen Kollege Alexander Loginow, wegen Epo-Dopings für zwei Jahre gesperrt, bei seiner Rückkehr in der Mixed-Staffel eingesetzt wurde, die Bronze gewann.

Die IBU hatte im November 2017 die Mitgliedschaft des russischen Verbandes zwar auf eine provisorische ohne Stimmrecht reduziert. Den Ausschluss der Russen, hieß es, ließen die Statuten des Verbandes nicht zu. Der Status erlaubte es russischen Teams, weiterhin an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Selbst die nicht zu den Winterspielen von Pyeongchang eingeladenen, praktisch also von Olympia ausgeschlossenen Biathleten konnten weiterhin im Weltcup starten.

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