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„Restart“ des Sports : Bewegungsgipfel beim Bundeskanzler

Nicht perfekt, aber schön anzusehen: Breitensport ist die Basis des Spitzensports Bild: dpa

Der politische Wind dreht sich zugunsten des Breitensports. Nur einen Tag nach Freigabe von 25 Millionen Euro für den Vereins- und Freizeitsport überrascht Innenministerin Faeser mit einer Ankündigung.

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          Mit der Neuausrichtung ihrer Sportpolitik scheinen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Bundesregierung Ernst zu machen. Am Tag nach der Freigabe von 25 Millionen Euro für die Stärkung des Vereins- und Freizeitsports durch den Haushaltsausschuss („Restart“) überraschte Innenministerin Nancy Faeser am Donnerstagabend in Berlin den Sport mit der Ankündigung, der vom Verband geforderte Bewegungsgipfel werde noch in diesem Jahr stattfinden.

          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Die Bundesregierung hat sich dafür entschieden, das zu machen“, sagte sie auf dem Parlamentarischen Abend des DOSB, der nach pandemiebedingten Ausfällen zum ersten Mal seit drei Jahren wieder stattfand, im Olympiastadion. Die 25-Millionen-Euro-Hilfe diene der gesamtstaatlichen Strukturpolitik, sagte Faeser: „Eine intakte Sportwelt auf Bundes- und Landesebene ist ein entscheidender Faktor für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt.“

          Erfüllen sich die Wünsche des DOSB, wird Bundeskanzler Olaf Scholz im September oder Oktober zum Gipfel einladen und dabei mit dem Ziel einer Gesellschaftspolitik des Sports den DOSB mit einer Reihe von Ministerien verbinden. Kerstin Holze, Vizepräsidentin des Verbandes, wiederholte die Forderung nach einem Paradigmenwechsel in der Sportpolitik. Zahlreiche Zukunftsaufgaben könnten nur gelöst werden, wenn Sport und Bewegung auf politischer Ebene als Querschnittsaufgabe begriffen und ressortübergreifend begleitet würden, sagte sie. Die Kinderärztin sprach in Vertretung von Verbandspräsident Thomas Weikert, der erkrankt ist. Bundesregierung und Parlament sorgten gemeinsam mit dem DOSB für Rückenwind zugunsten Deutschlands größter zivilgesellschaftlicher Bewegung, sagte sie. „Restart“ könne lediglich ein erster Schritt sein.

          Auch das Finanzministerium argumentierte für den Einsatz des Bundes für den Vereins- und Freizeitsport mit dem Hinweis auf das gesamtstaatliche Interesse, die durch die Pandemie entstandenen Strukturschäden im Breitensport zu beseitigen. Ebenso könnte künftig darauf verwiesen werden, dass die positive Wirkung des Sports auf Gesundheit, Prävention, Integration, Bildung, politische Bildung und weitere gesellschaftliche Bereiche im nationalen Interesse liege.

          Gut ein halbes Jahr nach ihrer Wahl und ein halbes Jahr vor ihrer angestrebten Wiederwahl können Präsident Weikert und Vorstandsvorsitzender Torsten Burmester bemerkenswerte Erfolge vorweisen. „Restart“ bricht mit dem Grundsatz, dass der Bund ausschließlich für die Förderung des Spitzensports zuständig sei, den er mit rund 300 Millionen Euro pro Jahr unterstützt. Sportfördergruppen haben unter anderem die Bundeswehr, Bundespolizei und der Zoll für Top-Athleten eingerichtet.

          Dennoch scheint die Drehung des Windes zugunsten des Breitensports ebenso wie die Ankündigung im Koalitionsvertrag, dass eine unabhängige Instanz künftig über die Verteilung der Fördermittel entscheiden solle – Stichwort Spitzensport GmbH – dessen Vertreter zu verunsichern. DOSB-Vorstand Dirk Schimmelpfennig jedenfalls will auf der außerordentlichen Sportministerkonferenz, die während der European Championships im August in München stattfinden wird, ein „Positions- und Eckpunktepapier“ vorstellen. Verschiedene Arbeitsgruppen sind bereits damit beschäftigt, Fragen wie die nach der gesellschaftlichen Relevanz des Leistungssports in Deutschland zu diskutieren; auch eine Online-Umfrage dazu unter der Bevölkerung wird erwogen.

          Diskussion über Sport ohne Athletenvertreter?

          Sieben Jahre nach Beginn der Spitzensportreform scheint auch die Frage nach deren Zielen gekommen. Seinerzeit hatte Innenminister Thomas de Maizière ein Drittel mehr Medaillen gefordert. „Wollen wir Erfolg in Form von Podiumsplätzen und Medaillen?“ heißt es nun in dem Papier: „Sind unsere Medaillenziele (Top 3 im Wintersport bzw. Top 5 im Sommersport) mit der Förderung der Vielfalt des Sports zu vereinbaren?“ Faeser kündigte eine öffentliche Anhörung zur Spitzensportförderung an. Ende des Jahres solle ein Konzept zur Neuaufstellung vorliegen: „Dabei setzen wir alles daran, die Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt zu rücken.“

          Dies steht in brisantem Gegensatz zum Vorgehen des DOSB. Im Absatz über Rollen und Autoritäten der Partner im Spitzensport fehlt das Organ der Hauptpersonen: Athleten Deutschland. Der DOSB plant offenbar, über Bedeutung, Ziele und Förderung des Spitzensports ohne deren unabhängige Vertretung zu diskutieren. Das wirkt wie ein Rückfall. 2017 hatten Präsident Hörmann und Vorstandsvorsitzender Vesper die Gründung von Athleten Deutschland zu verhindern versucht.

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