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Bernie Ecclestone : Der arme Pate

Bernie Ecclestone Bild: F.A.Z.

          1 Min.

          Die Regierungsform der Diktatur gefällt ihm. Da kann man so schön „durchregieren“, ohne lästige demokratische Abstimmungsprozesse abwarten zu müssen. Bernie Ecclestone liebt den kurzen Prozess und nicht den Austausch von Argumenten. Es sei denn, sie kommen von der Notenbank.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          35 Millionen Euro hat der Formel-1-Chefmanager aus einer Provisionszahlung der Bayerischen Landesbank dem ehemaligen Risikomanager des Unternehmens, Gerhard Gribkowsky, anweisen lassen. Er sei damit bestochen worden, damit seine Bank die Formel-1-Vermarkungsrechte kaufe, behauptete der in seinem Geständnis.

          Was für ein hässliches Wort

          Der Richter glaubte Gribkowsky und schickte Ecclestones ehemaligen Berater in den Knast. Weshalb man Bernie nun kaum mehr Glauben schenkt, er habe gar nicht bestochen, sondern sei Opfer einer Erpressung geworden. Was für ein hässliches Wort. Die EU-Wettbewerbskommission sprach nie davon.

          Vor fünfzehn Jahren bezeichnete sie das Geschäftsmodell von Ecclestone und Max Mosley, dem damaligen Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia), schlicht als unzulässiges Monopol. Ist ja auch nicht nett, die Formel 1 nur dort fahren zu lassen, wo die Fia die Strecken abnahm.

          „Wir sind nicht so etwas wie die Mafia“

          Oder Formel-1-Veranstaltern und TV-Sendern nur dann Rabatt zu gewähren, wenn sie denn der (damaligen) Konkurrenz der Schumi-Klasse den Zutritt verwehrte. Dieses Kartell hat die EU zerschlagen, Ecclestone aber hat sie nicht kleingekriegt. Der 81 Jahre alte Brite treibt sein Spiel „Teile und herrsche“ fort. Red Bull und Ferrari lockte er zuletzt im Kampf um die zukünftige Einnahmenverteilung mit Sonderangeboten aus dem Kreis der Widersacher.

          Die Opposition ist aufgelöst. Die Unbotsamen wie Mercedes bekamen sofort die Rache zu spüren: ein schlechtes Angebot. So ein echter Pate vergisst eben nie. Nur den Kontostand. „Keine Ahnung“, scherzt der Milliardär gerne. Nicht jeder lacht über seinen Humor: „Wir sind nicht so etwas wie die Mafia“, hat er mal gesagt: „Wir sind die Mafia.“

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