https://www.faz.net/-gtl-rexs

Baseball und Doping : Amerikanische Justiz faßt nach - 103 anonymen Proben auf der Spur

  • -Aktualisiert am

Baseball-Fan und Doping-Gegner: Der amerikanische Präsident George W. Bush Bild: REUTERS

Baseballspieler und ihre Kolleginnen der weicheren Softball-Variante sind unangefochtene Spitzenreiter - als Sünder in der Statistik der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada).

          2 Min.

          Die Baseballspieler und ihre Kolleginnen der weicheren Softball-Variante sind unangefochtene Spitzenreiter - in der Statistik der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) für das Jahr 2004. Sie kommen in den Bilanzen aller 33 Wada-akkreditierten Labors für das Jahr 2004 insgesamt auf 4,83 Prozent positiver Proben. Zwischen Baseball und Softball wird auf den Dopingkontroll-Formularen zwar unverständlicherweise nicht unterschieden, aber die männlichen Manipulateure dürften in der großen Überzahl sein. Eine mehr als peinliche Tatsache, die von den amerikanischen Justizbehörden, durch den Dopingskandal um die kalifornische Bay Area Laboratory Cooperative (Balco) und seinen Chef Victor Conte hellhörig geworden, nach Jahren der Gleichgültigkeit offensichtlich immer ernster genommen wird. So haben Staatsanwälte in der vergangenen Woche - wie die Nachrichtenagentur Bloomberg am Wochenende berichtete - vor einem staatlichen Berufungsgericht in San Francisco beantragt, Zugang zu Dopingproben von 103 bislang anonym gebliebenen Spielern der Major League Baseball (MLB) aus dem Jahr 2003 zu bekommen. Diese Urin- und Blutproben aus Labors in Kalifornien und Nevada sollen nach Aussagen von Ermittlern allesamt positiv, vor allem auf anabole Steroide, ausgefallen sein.

          Der kanadische Wada-Vorsitzende Richard Pound ist während der vergangenen Jahre nicht müde geworden, das Dopingproblem in den amerikanischen Profiligen ins Licht zu rücken. Immerhin liegen die positiven Analysen aus dem Basketball-Lager (2,03 Prozent) und dem Eishockey (2,29) auch deutlich über dem Durchschnitt anderer olympischer Sportarten.

          Pound hatte sich zunächst mit seinen Angriffen nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Vereinsbossen und Spielergewerkschaften in Nordamerika unbeliebt gemacht. Inzwischen gewinnt wohl selbst dort die Einsicht an Raum, daß in den genannten Ligen Manipulationen mit verbotenen Wirkstoffen an der Tagesordnung sind. "Alles was wir wollen, ist eine Untersuchung", sagte Erica Frick, eine Anwältin des Justizministeriums, laut Bloomberg.

          MLB wehrt, besser aber auch nach

          Auf die Spur der 103 Proben sind Dopingfahnder während ihrer letztjährigen Suche nach zehn ebenfalls unbekannten Athleten im Zuge des Balco-Prozesses gekommen. Rechtsvertreter der MLB-Spielergewerkschaft wehrten sich gegen die Regierungsnachfrage nach den Dokumenten. Einer ihrer Anwälte, Elliott Peters, argumentierte: Die Erteilung einer solchen Vollmachte verletze das Grundrecht der Spieler gegenüber unbegründeten Nachforschungen und Untersuchungen. "Wir sind berechtigt, nach solchen Daten zu fahnden, und falls wir eindeutige Hinweise auf kriminelle Handlungen finden, ja, dann sind wir auch berechtige, diese Ermächtigungen zu bekommen", konterte Erica Frick.

          "Wenn der Regierung in dieser Sache von einem Gericht das Recht zugesprochen wird, dann können sie in jedes Krankenhaus gehen und sich Aufzeichnungen positiver Proben greifen", sagte Peters dazu. "Sie können es benutzen und Untersuchungen gegen jeden Bürger einleiten, der positiv auf Drogen getestet worden ist."

          Ungeachtet ihres eigenen Widerstandes gegen die Untersuchung, haben die MLB-Führung und die Spielergewerkschaft - und das auch nur unter dem Druck des amerikanischen Kongresses nach dem Balco-Skandal - jetzt strengere Strafen für Dopingvergehen beschlossen. Spieler können nun, Athleten anderer olympischer Sportarten werden staunen, zweimal im Jahr während der Saison getestet werden. Auch die Trainingskontrollen will man ausdehnen. Die Vereinschefs in der MLB haben ohne Gegenstimme die neue Anti-Doping-Politik beschlossen, die beim ersten Mißbrauch von Steroiden eine Sperre für 50 Spiele vorsieht. Nach drei positiven Tests soll sogar ein lebenslänglicher Ausschluß drohen. Nach den im Augenblick geltenden Regeln muß ein Baseballspieler nach dem ersten Verstoß lediglich mit einer Sperre von zehn Tagen rechnen. Eine Sanktion auf Lebenszeit ist erst nach fünf Dopingvergehen möglich.

          Weitere Themen

          Bayern schafft Heimsieg in Euroleague

          Basketball : Bayern schafft Heimsieg in Euroleague

          Der deutsche Meister Bayern München schlägt Zenit St. Petersburg in der Basketball-Euroleague. Nach dem fünften Sieg im 13. Spiel bleibt der Abstand zur Spitze überschaubar.

          Topmeldungen

          Nach den britischen Wahlen : Mehr Blair fürs Volk

          Boris Johnson ist mit voller Wucht gegen die „rote Mauer“ des Labour-Herzlands gefahren und hat große Teile davon zum Einsturz gebracht. Warum fühlt man sich jetzt dennoch an einen früheren Labour-Premier erinnert?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.