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Auszüge aus Garcia-Bericht : Und plötzlich hat es der Kaiser ganz eilig

Des musst net so ernst nehmen – in diesem Fall ein Irrtum von Franz Beckenbauer. Bild: dpa

Trotz fehlender Beweise für eine Bestechung zur WM-Vergabe nach Russland und Qatar lässt der Garcia-Report tiefe Einblicke in die verlogene Fußball-Welt zu. Auch Franz Beckenbauer versuchte, seiner Befragung zu entgehen. Vergeblich.

          Der 430 Seiten starke Bericht des ehemaligen Fifa-Chefermittlers Michael Garcia über die Vergabe von Fußball-Weltmeisterschaften enthält zwar keine Beweise für eine gezielte Bestechung durch Russland oder Qatar. Aber die Resultate des früheren amerikanischen Staatsanwaltes ergeben ein illustres Gemälde von den Sitten in der Welt der internationalen Fußballfunktionäre und ihrer Entourage.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Franz Beckenbauers Ratgeber und Geschäftevermittler Fedor Radmann diente sich mehreren Bewerbern an und kassierte Millionen für Beraterverträge, mal offiziell, mal im Verborgenen. Noch bis hinein in die Befragung durch Garcia glauben diese Leute, unantastbar zu sein. Wie der verstorbene Fifa-Finanzchef „Don“ Julio Grondona, den der Ermittler so zitiert: „Gut, das ist wahrscheinlich einer der wenigen Fälle, in denen ein Boss von einem Angestellten verhört wird.“

          Garcia hatte ohne staatsanwaltliche Rechte keine Chance, an wichtige Dokumente heranzukommen. Dennoch bietet der Report einen tiefen Einblick in die Szene: Es wurde unverfroren gelogen. In der Zusammenfassung eines exemplarischen Report-Auszugs ist zu erkennen: Beckenbauer versucht seiner Befragung strategisch zu entgehen. Und scheiterte.

          Beckenbauer als Sonderberater tätig

          Am 6. März 2014 ist Beckenbauer laut Garcia-Bericht von der Ermittlungskammer der Fifa-Ethikkommission schriftlich und in englischer Sprache zur Kooperation in der Untersuchung zu den WM-Bewerbungen Russlands (2018) und Qatars (2022) aufgefordert worden. Dies wurde mit der Bitte verbunden, dass Beckenbauer Termine nennen solle für eine Zeugenbefragung – „nicht später als 12. März 2014“.

          „Beckenbauer gehörte zwar nicht mehr dem Fifa-Exekutivkomitee an. Die Mitgliedschaft endete nach vier Jahren am 1. Juli 2011. Aber der Deutsche bekleidet innerhalb der Fifa noch die Position eines Sonderberaters für den Fußballausschuss.“ Beckenbauer antwortet nicht auf den Brief der Ethik-Ermittler.

          Am 24. März erhält die Kammer ein in englischer Sprache verfasstes Schreiben von ihm. Danach möchte Beckenbauer die Fragen der Kammer „schriftlich“ gestellt bekommen. „Entsprechend schickte die Ermittlungskammer Herrn Beckenbauer einen Brief mit 21 Fragen.“ Die Antwort werde „nicht später als am 5. Mai“ erwartet. Beckenbauer ignoriert den Brief

          Eine zügige Antwort sei wichtig für „die Zukunft des Fußballs“

          Die Ermittler schreiben den Deutschen am 9. Mai 2014 wieder an und weisen darauf hin, dass er im Fall einer Verweigerung der Kooperation mit Sanktionen gemäß des Ethik-Kodex‘ zu rechnen habe.

          Am 13. Mai 2014 gibt es eine Antwort. Allerdings nicht von Beckenbauer, sondern seinem engen Vertrauten Radmann, selbst betroffen von der Untersuchung. Der rief im Sekretariat der Ethikkammer an und bat dort darum, die Fragen Beckenbauer in deutscher Sprache zukommen zu lassen und dass jegliche Korrespondenz jetzt über ihn laufen solle. Beckenbauer moniere außerdem den Ton der Korrespondenz und die Fristsetzungen.

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          Die Ermittler schicken am 16. Mai 2014 an Beckenbauer einen Brief mit den übersetzten Fragen und bitten ihn wiederum um Kooperation. Er könne mit seiner „Größe und Bekanntheit“ ein Beispiel abgeben für die Zusammenarbeit, was so wichtig sei für „die Zukunft des Fußballs“. Beckenbauer antwortet nicht.

          Plötzlich hat es Franz Beckenbauer eilig

          Am 3. Juni 2014 versendet die Ermittlungskammer eine „finale Warnung“. Keine Antwort. Die Fifa-Ermittler nehmen Notiz von öffentlichen Aussagen Beckenbauers am 7. Juni 2014 in Medien: Beckenbauer hat „keine Absicht“, die Fragen zu beantworten.

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