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Fifa-Kongress in Bahrein : „Der DFB sollte klagen“

  • -Aktualisiert am

Gianni Infantinos Politik wird vom Sponsor Adidas kritisiert. Bild: EPA

Aus dem Europarat kommt scharfe Kritik am mangelnden Reformwillen der Fifa. Auf DFB-Präsident Reinhard Grindel fällt bereits Gianni Infantinos scharfer Blick.

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          Die Vorkommnisse um geschasste Kontrolleure und umstrittene Neubesetzungen in den Aufsichtsorganen beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa) werden zum Politikum. Scharfe Kritik kommt auch aus dem Europarat. „Ich sehe nichts von den versprochen Reformen, aber davon, dass ein Maradona als Berater engagiert und im höchsten Gremium über die Abseitsregel diskutiert wird“, sagte die ehemalige Europaratspräsidentin Anne Brasseur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die Luxemburgerin gehört verschiedenen Ausschüssen des Europarates an und ist Berichterstatterin der Organisation für Good Governance im Fußball. Der Europarat hat in den vergangenen Jahren mehrmals eine größere Reformbereitschaft von den Sport- und Fußballverbänden gefordert.

          Anne Brasseur hält es für „kein gutes Zeichen“, dass wichtige Experten in den Fifa-Aufsichtsgremien wie der Ethikkommission und der Governance- sowie Prüfungskommission, die in den vergangenen Jahren eingebunden waren in die Aufgaben zur Überwachung des Weltverbandes, nun nicht mehr dabei sind. „Die Nachfolger müssen sich erst in die Fälle einarbeiten und verlieren dadurch Zeit. Es sieht nach Verzögerungstaktik aus“, sagt die liberale Politikerin.

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          Sie frage sich auch, wie der Fifa-Führungsapparat überhaupt funktioniere. Die Generalsekretärin Fatma Samoura habe doch kürzlich in einem Interview betont, dass sie hinter der Arbeit der beiden Vorsitzenden der Ethikkommission, Hans-Joachim Eckert und Cornel Borbély, stünde und zudem herausgestellt, dass sie die Nummer eins in der Organisation wäre. „Gekommen ist dann diese Woche mit der Absetzung alles anders. Ich werde Frau Samoura einige Fragen stellen“, sagte Anne Brasseur. Für 29. Mai sei ein Gespräch mit der Fifa-Generalsekretärin terminiert. Fifa-Präsident Gianni Infantino habe bisher nicht reagiert auf den Wunsch eines Treffens mit Vertretern des Europarates.

          Derweil attackierte der Fifa-Chef am Donnerstag seine Kritiker im Rahmen des Verbandskongresses in Bahrein. Er sei „überrascht“ von den Äußerungen Reinhard Grindels, des Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der eine fehlende Transparenz in den Entscheidungen innerhalb des Fifa-Councils moniert hatte. „Viele Fake-News und alternative Fakten“ würden verbreitet, um der Organisation zu schaden, behauptete der Fifa-Präsident. Dann ging Infantino noch weiter und sprach von einer gezielten Kampagne gegen die Fifa: „Gerade in gewissen Ländern ist dieses Fifa-Bashing zum Volkssport geworden.“

          Den abgesetzten Fifa-Ethikern Eckert (Deutschland) und Borbély (Schweiz), beide zu Hause anerkannte Juristen und ehemalige Staatsanwälte, warf Infantino indirekt Schlamperei vor. Eckert und Borbély hatten am Mittwoch nach ihrer Absetzung vor der Gefahr eines Stillstands der Ethikkommission gewarnt, weil ihre Nachfolger sich in mehrere hundert Ermittlungen gegen belastete Funktionäre erst langwierig einarbeiten müssten. „Ich hätte lieber gehabt, wenn sie die hunderte Fälle in ihrer Zeit erledigt hätten“, sagte der Fifa-Chef mit einem süffisantem Lächeln. Treffen müsste den Schweizer allerdings, dass die Welle der Kritik keinesfalls abebbt und inzwischen selbst Fifa-Sponsoren ihre Besorgnis deutlicher artikulieren als zuvor.

          Fifa-Präsident : Infantino geht in die Offensive

          Der Sportartikelkonzern Adidas stellte gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung fest: „Die negative Reputation der Fifa ist weder gut für den Fußball, noch für die Fifa oder für ihre Partner.“ Hinzu kommen nun offenbar unangenehme Konfrontationen mit politischen Instanzen wie dem Europarat. Zudem laufen die Ermittlungen von Staatsanwälten in der Schweiz und den Vereinigten Staaten gegen ehemalige Fifa-Funktionäre, die sich ausweiten könnten. „Ich hätte mir einen Reformprozess ganz anders vorgestellt.

          Mir fehlen die griffigen Erfolge“, sagte der ehemalige Richter Eckert. Er betont auf Anfrage, dass auch die Fifa-Sponsoren nun bewerten müssten, wie sie sich der Entwicklung stellten. „Man wird sehen, wie sie sich entscheiden, wenn zu erkennen ist, dass der Fifa-Laden nicht mehr in Ordnung gebracht wird.“

          Derweil widersprach DFB-Präsident Grindel der Darstellung der Fifa, dass über die jeweilige Besetzung in den Aufsichtsgremien im Fifa-Council am Dienstag abgestimmt worden sei. „Ich will deutlich sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass der Prozess der Neubildung der einzelnen Kommissionen – Ethik, Governance und Disziplinar – transparenter gewesen wäre“, sagte er nach dem Kongress in Manama. Die Vorschlagslisten hätten früher bekanntgegeben werden müssen. „Ich habe sie erst im Moment der Entscheidung im Rat gesehen. Das ist sicherlich nicht das, wie wir in Zukunft solche sensiblen Entscheidungen durchführen sollten.“ Am Donnerstag stimmten dann 97 Prozent der Nationalverbände auf Vorschlag des Councils für die Kolumbianerin María Claudia Rojas als neue Chefermittlerin und den Griechen Vassilios Skouris als Vorsitzender der rechtsprechenden Kammer. Der DFB enthielt sich.

          Rechtsexperten sehen derweil im Austausch der Fifa-Ethiker einen Bruch mit den Statuten des Weltverbands. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie in Paragraf 27 vorgesehen vier Monate vor der Wahl dem Fifa-Generalsekretariat vorgelegen. „Es liegt jetzt am DFB, den schönen Worten des Präsidenten Taten folgen zu lassen, also den Rechtsweg gegen die Beschlussfassung zu beschreiten“, sagte der Verbandsrechtler Rainer Cherkeh (Hannover) der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

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