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Protest gegen Rassismus : Hohles Geschwätz der hohen Herren

  • -Aktualisiert am

Berühmter Protest: Colin Kaepernick (Mitte) kniete nieder – und fand danach keinen Job mehr. Bild: dpa

Die Dimension von Colin Kaepernicks friedlichem Protest wird erst jetzt offenbar. Er opferte Beruf, Karriere und sein bisheriges Leben. Die Manager der amerikanischen Football-Liga haben aber immer noch nichts verstanden.

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          Auf der Suche nach dem ikonischen Bild für das zweite Sportjahrzehnt dieses Jahrhunderts wird man schnell fündig: Natürlich das Foto dieses Amerikaners mit der riesigen Afro-Frisur, der in seinem Football-Dress auf dem Boden kniet: Colin Kaepernick, der auf friedliche Weise gegen Rassen-Diskriminierung und Polizeigewalt gegenüber Schwarzen und Farbigen rebellierte, während die amerikanische Hymne gespielt wurde.

          Die wahre Dimension seiner Aktionen wird erst jetzt offenbar. Und er lässt nicht locker. Inzwischen sammelt er Geld, um Benachteiligten in juristischer Not einen guten Rechtsbeistand zu finanzieren, vor allem, wenn sie sich gegen Polizeiwillkür verteidigen müssen. Viele andere knien in diesen Tagen nieder.

          Als Kaepernick damals in der National Football League immer mehr Nachahmer fand, sanken die Einschaltquoten so dramatisch, dass die Liga ihn kalt stellte. Sein Vertrag als Spielgestalter der San Francisco 49ers wurde nicht mehr verlängert, er war draußen. Er hatte seiner Überzeugung Beruf, Karriere, sein bisheriges Leben geopfert. Er konnte nicht anders: „Dies ist größer als Football“, sagte er. Aus aktuellem Anlass hier noch einmal: größten Respekt.

          Angesichts der Gewalt in Amerikas Städten konnte auch die National Football League nicht anders: Sie veröffentlichte ein Statement zur aktuellen Lage, das zu der Vermutung Anlass gab, die Herren Manager hätten die Sportart gewechselt. Die neue Disziplin: hohles Geschwätz. Dass sie vor lauter „Schmerz“, „Wut“, „Frustration“ und weiterem Wischiwaschi vergaßen, darin das Wort „Rassismus“ zu erwähnen, sagt alles.

          Auch der Name Colin Kaepernicks fehlte, des Mannes, der von ihnen ausgegrenzt wurde, aber Recht behalten hat. Vor einem halben Jahr demonstrierte „Kaep“ vor den Augen von Vertretern mehrerer Klubs bei einem privaten Training in Atlanta, dass er sich als Arbeitsloser drei Jahre lang fit gehalten hatte. Ein Video davon stellte er ins Internet.

          Kaepernick appellierte an die Klubs und an den Liga-Commissioner, ihm wieder einen Job zu geben. Er hat genug Geld verdient – aber er will wieder Football spielen. Die Resonanz war gleich null. Keiner wollte ihn und die mitgelieferten Probleme, obwohl ein Experte seinen Wurfarm als „Elite“ einstufte. Nun hat Commissioner Godell immerhin Fehler eingestanden und weckt Hoffnung auf Besserung. Es wäre zu schön, um wahr zu sein.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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