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Olympia 1972 in München : Sport trotz Mord

Die Spiele wurden unterbrochen: IOC-Präsident Avery Brundage Bild: picture alliance / ASSOCIATED PR

Nach dem Überfall der palästinensischen Terroristen auf das Olympische Dorf finden zunächst alle Wettbewerbe statt, als sei nichts geschehen. Zwei deutsche Athleten beschließen, Olympia zu verlassen.

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          Der Tag des Todes ist zunächst noch ein normaler Wettkampftag. Während zwei Israelis bereits ermordet sind und neun weitere in der Gewalt der arabischen Terroristen, treten Hunderte ahnungsloser Sportler zu ihren Wettbewerben an. In der Ringerhalle an der Messe gibt es von zehn Uhr an 56 Erstrundenkämpfe im griechisch-römischen Stil. In der Volleyballhalle, Luftlinie dreihundert Meter entfernt vom Apartment der Israelis im längst abgeriegelten Olympischen Dorf, finden vier Spiele statt. Das erste, um neun Uhr, mit dem Team der Bundesrepublik, das gegen den späteren Olympiasieger Japan antritt.

          Christian Eichler
          Sportkorrespondent in München.

          „Wir mussten durch eine Tiefgarage, in der ganz viele grüne Minnas standen“, erinnert sich später Volleyballspieler Toni Rimrod: „Irgendjemand sagte, Außenminister Genscher (er war Innenminister/d. Red.) sei zu Besuch. Wir sind dann über einen Zaun geklettert, um in die Halle zu gelangen. Da haben wir uns unsere 0:3-Klatsche abgeholt und alles war normal. Uns hat ja keiner informiert. Erst am nächsten Tag haben wir alles aus der Zeitung erfahren.“

          Unterbrechung der Olympischen Spiele

          Sein Mitspieler Klaus-Dieter Buschle entschließt sich danach, das letzte Turnierspiel, gegen Tunesien um Platz elf, nicht mehr zu bestreiten. Neben dem Sprinter Manfred Ommer, ohne den die Staffel am Sonntag Bronze gewinnen wird, ist der 22-jährige Student der einzige der 440 bundesdeutschen Olympiastarter, der auf die Fortsetzung der Spiele verzichtet.

          Erst um 15.38 Uhr verkündet IOC-Präsident Avery Brundage die Unterbrechung der Spiele. Das acht Minuten zuvor in der Olympiahalle begonnene Handballspiel Tschechoslowakei gegen Schweden wird trotzdem zu Ende geführt. Und jenseits von München pfeift man noch um 16.30 Uhr drei Fußballspiele an, in Passau, Augsburg und in Ingolstadt, wo die DDR gegen Mexiko 7:0 gewinnt. Drei Tore schießt ein gewisser Sparwasser.

          Auch neunhundert Kilometer entfernt in Kiel ist es zunächst ein normaler Wettkampftag. Außer für Eli Friedländer. Der Trainer der israelischen Segler wird in der Frühe mit der Mitteilung geweckt, beim Team in München habe es „einen Mord“ gegeben. Er entscheidet sich, seine Segler trotzdem starten zu lassen, sie erzielen mit Platz 19 im Flying Dutchman ihr bestes Tagesergebnis. Doch schon als er die zwei Schlauchboote der Wasserpolizei bemerkt, die den Israelis Geleitschutz geben, ahnt Friedländer, dass „etwas nicht in Ordnung ist, mehr, als man mir erzählt hat“.

          Bild: Interfoto

          Der Schotte Rodney Pattison kommt in dieser Bootsklasse als Erster ins Ziel. Nach diesem Renntag, dem fünften von sechs, liegt er uneinholbar vor dem Deutschen Uli Libor und dem restlichen Feld und kann auf die letzte Regatta drei Tage später verzichten. Offiziell endet der Wettkampf erst dann. De facto ist Rodney Pattison der einzige Sportler, der am schwärzesten Tag der olympischen Geschichte Olympiasieger geworden ist.

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