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Athletenvertreter und das IOC : Macht und Möglichkeiten

Athletenvertreter Max Hartung: Sport ist Sache der Sportler Bild: dpa

Nach dem Treffen mit dem IOC-Präsidenten Bach wird deutlich, wie groß die Distanz zwischen Athletenvertretern und Funktionären noch immer ist. Bestärkt sind die Sportler wohl dennoch.

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          Bis über das Treffen mit den Athletenvertretern hinaus bewiesen die Mitarbeiter des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ihre professionelle Qualifikation. Der Kleinbus dürfte noch nicht auf die Autobahn eingebogen sein, den Athletensprecher und Fecht-Europameister Max Hartung für die Tour nach Lausanne von seinem Klub in Dormagen geliehen hatten, da war schon die Pressemitteilung in der Welt. In epischer Breite beschreibt darin das IOC, wie es Verbänden und Nationalen Olympischen Komitees angeblich neunzig Prozent der 5,7 Milliarden Dollar zukommen lässt, die es im olympischen Zyklus von vier Jahren einnimmt. Damit ermöglicht es Sport in der Vielfalt, wie wir sie kennen. Und es weckt die Gier von einigen, von diesem Strom etwas abzuzweigen.

          Die Pressemitteilung wirkt, als sei sie schon fertig gewesen, bevor sich IOC-Präsident Thomas Bach und seine Fachleute im Saal Coubertin mit Blick auf den Genfer See mit ihren Gästen aus Deutschland trafen. Im Mai hatten diese gefordert, Olympia-Teilnehmer zu einem Viertel an den immensen Einnahmen Olympias zu beteiligen. Selbst falls man dies, umgerechnet 100.000 Dollar Prämie für jeden Olympiateilnehmer, für bare Münze nimmt, ist die Forderung von Silke Kassner und Max Hartung doch vor allem die Aufforderung zum Umdenken. Sport ist Sache der Sportler, finden die Athletenvertreter, schließlich spielen sie, nicht nur bei Olympischen Spielen, die Hauptrolle.

          Bach von Sportlern entfernt

          So viel sich Thomas Bach darauf zugute hält, dass er seinen Aufstieg auf den Olymp als Fechter und Athletensprecher begann, steht er doch für die Sklerose Olympias: Prunk, Besitzstandswahrung und Machtpolitik. Sein skandalöser Umgang mit dem russischen Doping-Skandal und der Manipulation der Winterspiele von Sotschi 2014, die Einladung an die russische Olympiamannschaft, in Tokio 2020 wieder mitzumachen, hat ihn von vielen Sportlern entzweit.

          Ehemaliger Athlet, aber dennoch von den Sportlern entfernt: IOC-Präsident Thomas Bach
          Ehemaliger Athlet, aber dennoch von den Sportlern entfernt: IOC-Präsident Thomas Bach : Bild: dpa

          Diese beharrten darauf, dass die russische Doping-Aufsicht – in eine solche hatte sich die Anti-Doping-Agentur schließlich verwandelt – vor ihrer Rückkehr in die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) und damit die Rückkehr des russischen Sports die ursprünglich vereinbarten Kriterien erfüllen müssten und nicht die, auf welche die Wada sie reduzierte. Auch in dieser Causa ist Bach professionell aufgestellt. Die Wada entschied pro Russland – übrigens auf den Seychellen – formal unabhängig vom IOC.

          Auf Bachs Seite saß am Mittwoch die Vorsitzende der Athletenkommission des IOC, welche der Wada empfahl, nicht allzu hart mit den Russen zu sein: Kirsty Coventry, Schwimm-Olympiasiegerin und neue Sportministerin ihrer Heimat Zimbabwe. Die Demonstration von Macht und Möglichkeiten im Palast des IOC hat Eindruck gemacht. Die deutschen Athleten dürfen sich bestärkt darin fühlen, dass sie in die Auseinandersetzung mit Frauen wie Coventry und Männern wie Bach professionell vorbereitet gehen müssen. Dazu brauchen auch sie Büro, Beratung und Personal, kurz: ihren Teil der olympischen Erträge.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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