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Athletenvertreter gegen Wada : Streit um Mobbing eskaliert

Beckie Scott ist die Vorsitzende der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur. Bild: AP

Die Auseinandersetzung zwischen Athletenvertretern und der Welt-Anti-Doping-Agentur ist inzwischen eine Sache für die Anwälte. Es geht um Mobbing, Tonaufnahmen, die Befragung von Zeugen – und die Untersuchung einer Kanzlei.

          Die Auseinandersetzung zwischen Athletenvertretern und Sport-Institutionen verschärft sich: Beckie Scott, die Vorsitzende der Athletenkommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), und Edwin Moses, Vorsitzender der Wada-Bildungskommission, verkehren mittlerweile über Anwälte mit der Führung der Organisation und verleihen ihrem Standpunkt mit Hilfe einer PR-Agentur Nachdruck. Kern des Konflikts sind Vorwürfe, die Beckie Scott, Olympiasiegerin im Ski-Langlauf aus Kanada, der Wada-Exekutive schon im vergangenen Jahr gemacht hat: In der Sitzung im September 2018 auf den Seychellen, bei der die Wiederanerkennung der russischen Anti-Doping-Agentur Rusada beschlossen wurde, sei sie von zwei Mitgliedern gemobbt worden.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Scott hatte sich gegen die Wiederaufnahme ausgesprochen. Gegenüber der BBC sprach sie von unangemessenen Kommentaren und Gesten. Man habe sie ausgelacht, als sie eine Liste von Athleten-Namen vorgelesen habe, die sich gegen eine Wiederanerkennung der Rusada ausgesprochen hätten. Sie habe eine „generelle Haltung der Missachtung und Herabsetzung der Stimme der Athleten“ festgestellt. Die Rusada war als Folge des erwiesenen russischen Staats-Dopings im November 2015 von der Wada suspendiert worden. Moses, zweimaliger Olympiasieger im 400-Meter-Lauf und Vorstandsvorsitzender der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, hatte sich Scott angeschlossen und erklärt, er habe ähnliche Erfahrungen gemacht.

          Am vergangenen Freitag ließen beide eine Erklärung verbreiten, in der sie bekanntgaben, dass sie sich an der von der Wada anberaumten Untersuchung der Vorwürfe nicht beteiligen wollten. Dies hätten sie der Wada in einem Brief mitgeteilt. Das Verfahren lasse Transparenz und Unabhängigkeit vermissen, es ähnele einem Scheinprozess. Schon im November 2018 hatte die Wada-Exekutive auf Grundlage eines Expertenberichts festgestellt, dass es kein solches Mobbing gegeben habe. Eine auf dieses Thema spezialisierte, kanadische Firma hatte Protokolle und Tonaufnahmen analysiert. Gleichzeitig wurde aber eine zweite Untersuchungsphase beschlossen, in der alle Beteiligten befragt werden sollten. Schon damals hatten Scott und Moses laut Wada mit einem Verfahren gedroht, sollte dieselbe Firma auch mit dem zweiten Teil der Aufarbeitung beauftragt werden. Die Wada heuerte daraufhin die internationale Kanzlei Covington and Burling an.

          Die Kritik von Moses und Scott entzündet sich unter anderem an dieser Kanzlei. Es bestehe ein Interessenkonflikt, weil die Wada schon länger Klientin dieses Unternehmens sei. Der Prozess, heißt es in der Begründung weiter, sei fehlerhaft und im Ablauf bizarr – es seien Interviews mit Zeugen geführt worden, bevor man Beckie Scott und Edwin Moses angehört habe, um deren Kritik zu verstehen. Nichts, was bei diesem Verfahren herauskomme, könne als unparteiisch, integer oder glaubwürdig angesehen werden.

          Die Wada reagierte am Wochenende ihrerseits mit einer Stellungnahme. Man nehme die Entscheidung von Scott und Moses „mit Enttäuschung“ zur Kenntnis. Es sei „unglücklich“, dass Scott und Moses sich genau dem Prozess verweigerten, den sie selbst gefordert hätten. Die Wada werde die Untersuchung aber fortsetzen, die beauftragte Kanzlei werde bei der nächsten Exekutiv-Sitzung einen Bericht vorstellen. Diese findet am 15. Mai in Montreal statt. Beckie Scott hat die einzige Athleten-Stimme in dem zwölfköpfigen Führungsgremium.

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