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Athleten schlagen Funktionäre : Was gesagt werden muss

Unter Sportsfreunden: Putin, Alijew (m.) und dessen Ehefrau Mehriban am 9. Mai in Moskau Bild: Reuters

Freiheit für die politischen Gefangenen Ilham Alijews! Die Forderung der deutschen Sportler klingt selbstverständlich – doch in der Welt der Ungeheuerlichkeiten der Sportpolitik ist das eine Ausnahme. IOC-Präsident Bach etwa schweigt zur brutalen Repression in Baku.

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          Freiheit für die politischen Gefangenen Ilham Alijews! Wer wissen will, was die selbstverständlich klingende Forderung bedeutet, die nach dem UN-Sonderberichterstatter für die ohnehin verheerende und sich dennoch stetig verschlechternde Menschenrechtslage beim Alleinherrscher in Baku nun auch Christian Schreiber, der Athletensprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes stellt, muss nur Alijews Opfer fragen: „Wow, well done, German athletes!“ Tatsächlich: Gut gemacht.

          Traurig genug, dass in einer solchen aserbaidschanischen Reaktion sehr vernehmlich auch ein Gutteil Überraschung durchklingt. So ist es leider im internationalen Sportgeschäft: Eigentlich selbstverständliche Forderungen kommen überraschend daher. Denn so klar, wie Schreiber seine Forderung im Namen der deutschen Sportler formuliert hat, kommt sie ansonsten leider niemandem über die Lippen.

          Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des DOSB und zugleich Mitglied der Exekutive des Europäischen Olympischen Komitees, das Alijew mit der Gelegenheit zur Selbstdarstellung in ganz großem Stil belohnt hat, formuliert: „Selbstverständlich sind wir solidarisch mit den Menschen, die sich in Aserbaidschan für die Menschenrechte einsetzen.“ Und: „Der UN-Berichterstatter hat dazu aufgerufen, die Europaspiele dazu zu nutzen, den olympischen Geist von Freiheit und Inklusion zu feiern. Das begrüßen wir, dazu will der Sport beitragen.“ Klingt schon deutlich zurückhaltender – aber immerhin will Vesper das Thema in Baku ansprechen.

          Das ist viel mehr, als beispielsweise dem irischen EOC-Präsidenten Patrick Hickey einfällt. Der schweigt zur Repression am Kaspischen Meer und nimmt dankbar Alijews Geld. Auch von Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees und selbsterklärten Sportreformer, ist bislang weder etwas zu einem mittlerweile sechs Wochen alten offenen Brief amerikanischer Sportjournalisten und Autoren, die seinen Einsatz gegen die Unterdrückung in Aserbaidschan fordern, noch zu den Forderungen des UN-Berichterstatters etwas zu hören. Dabei sucht Bach sonst stets öffentlichkeitswirksam den Schulterschluss mit den Vereinten Nationen. Aber das Schweigen zu dessen selbstverständlicher Forderung ist beredt: Bachs IOC darf bald wählen. China oder Kasachstan? Welche Diktatur darf es sein für Olympia 2022?

          Erst in dieser Woche bescheinigte die IOC-Evaluierungskommission, angeführt von Putins Sotschi-Organisator Alexander Schukow, beiden die Olympia-Tauglichkeit. Auch wegen solcher Ungeheuerlichkeiten schießt die Glaubwürdigkeit internationaler Sportorganisationen hierzulande gerade in rasanter Fahrt dem Nullpunkt entgegen. Und deshalb kann man Schreiber und den deutschen Sportlern zu ihrer so nahe liegenden Forderung nur gratulieren. Gut gemacht! Und: Mehr davon.

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