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Athleten schlagen Alarm : „Zeit, Ihre Worte mit Leben zu füllen“

Kampf mit dem Säbel, Kampf um mehr Rechte für Athleten: Max Hartung (links) ist im Sport an zwei Fronten aktiv. Bild: Picture-Alliance

Das Internationale Olympische Komitee soll sich zur Wahrung von Menschenrechten verpflichten, auch um Machtmissbrauch oder sexualisierter Gewalt entgegenzuwirken, fordern Athletenverbände. Das IOC reagiert auf F.A.Z.-Anfrage indes sehr zurückhaltend.

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          Die Athletenvereinigung Athleten Deutschland und vier weitere Sportlervertretungen aus den Vereinigten Staaten, Kanada und Neuseeland haben das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufgefordert, sich zur Achtung der Menschenrechte zu verpflichten und die in der olympischen Charta geführten „Prinzipien des Olympismus“ um ein achtes Prinzip zu erweitern.

          „Dieses soll lauten: ,Die Olympische Bewegung verpflichtet sich zur Achtung aller international anerkannten Menschenrechte und setzt sich zur Förderung des Schutzes dieser Rechte ein.‘“, heißt es in einer Pressemitteilung von Athleten Deutschland e.V. Gemeinsam fordern die Vertretungen IOC-Präsident Thomas Bach in einem offenen Brief auf, es sei „Zeit, Ihre Worte mit Leben zu füllen“. Bach hatte sich jüngst zitieren lassen, dass die Mission des IOC, Sport der Menschheit zugänglich zu machen, Hand in Hand mit den Menschenrechten gehe, die Teil der DNA des IOC seien.

          Jonathan Koch, Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland, nennt in der deutschen Pressemitteilung wiederkehrende Fälle von Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt, fahrlässigen Umgang mit der Gesundheit der Sportlerinnen und Sportler und die Einschränkung fundamentaler Rechte als Beispiele für Verstöße gegen die Werte des IOC. „Es ist an der Zeit, dass das IOC sich formal zur Wahrung der Menschenrechte verpflichtet“, lässt Koch sich zitieren. Eine entsprechende Ergänzung der olympischen Charta wäre ein „starkes Signal“ an die Athletinnen und Athleten und „alle anderen Gruppen, deren Rechte im Umfeld und bei der Organisation der Spiele eingeschränkt werden“.

          Zurückhaltende Reaktionen vom IOC

          Der in Englisch geschriebene offene Brief ist noch deutlicher formuliert. Die Vereinigungen verlangen von Bach „jetzt bedeutsamen Wandel“, heißt es da. „Es ist Zeit, dass Ihre Verpflichtung uns als Menschen gegenüber zuerst kommt. Das IOC fällt gefährlich weit zurück beim höchstwahrscheinlich bedeutendsten Aspekt der olympischen Bewegung – der Menschlichkeit.“ Der deutsche Athletensprecher Max Hartung hatte sich Ende September auf dem F.A.Z.-Kongress „enttäuscht“ über Bach geäußert. Die Ergänzung der Charta durch das vorgeschlagene Prinzip wäre „ein erster Schritt“, das Vertrauen der Sportlerinnen und Sportler zurückzugewinnen, schreibt Athleten-Deutschland-Geschäftsführer Johannes Herber.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) reagierte indes zurückhaltend auf die Forderung. „Das IOC erkennt die Menschenrechte bereits in den grundlegenden Prinzipien der Olympischen Charta und in unserem Ethikkodex an“, schrieb ein Sprecher auf F.A.Z.-Anfrage. Man arbeite derzeit mit dem jordanischen Prinzen Seid al-Hussein, dem früheren Hochkommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, und Rachel Davis, Mitgründerin der in Menschenrechtsfragen beratenden Non-Profit-Organisation Shift und Vorsitzende des den Internationalen Fußball-Verband beratenden Menschenrechtsrats an einem strategischen Gerüst, bevor ein Beratungskomitee für Menschenrechte seine Arbeit aufnehme. Zudem habe man die UN-Richtlinien zu Menschenrechten für multinational agierende Konzerne 2017 in den Ausrichtervertrag für Olympische Spiele aufgenommen.

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