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Anti-Doping-Politik : Senat ignoriert Wada

Der Kronzeuge: Grigorij Rodtschenkow, in Zeugenschutz lebender früherer Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors Bild: AP

Republikaner und Demokraten sind sich in Amerika selten einig, wohl aber beim Kampf gegen russische Doping-Vergehen. Für den „Rodchenkov Act“ stellen sie sich gegen die internationalen Verbände.

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          Nach dem Repräsentantenhaus hat auch der Senat in Washington den sogenannten Rodchenkov Act verabschiedet. Das Gesetz, das in Rechtskraft erwächst, sobald es vom Präsidenten der Vereinigten Staaten unterzeichnet wird, soll amerikanischen Staatsanwälten erlauben, „Doping-Verschwörungen“ zu verfolgen. Voraussetzung für Ermittlungen gegen ausländische Trainer oder Funktionäre ist, dass amerikanische Sportler bei von diesen manipulierten Wettkämpfen antreten oder dass diese von amerikanischen Sponsoren finanziert oder von amerikanischen Sendern übertragen werden. Gegen dopende Sportler soll nicht ermittelt werden.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Auslöser für die Gesetzesinitiative war das Auffliegen des russischen Doping-Systems. Das Gesetz ist nach dem im amerikanischen Zeugenschutz lebenden früheren Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors Grigorij Rodtschenkow benannt, der als Kronzeuge gegenüber amerikanischen Behörden ausgesagt hat. Die internationalen Sportverbände, angefangen beim Internationalen Olympischen Komitee unter seinem Präsidenten Thomas Bach, und die Welt-Anti-Doping-Agentur warnen seit Jahren vor dem Gesetz und dem extraterritorialen Zugriff amerikanischer Ermittler.

          Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP hat die Wada einen sechsstelligen Betrag für Lobby-Arbeit im Kongress budgetiert. Abgeordnete erhielten einen Brief von der Wada, in dem es heißt, das Gesetz zerstöre „unbeabsichtigterweise das internationale Anti-Doping-System“. Zudem kritisieren internationale Funktionäre, dass das Gesetz zwar internationale Doping-Vergehen adressiere, die Wada aber zugleich keinen Zugriff auf die amerikanischen Profiligen und den College-Sport habe und dieser, anders als ursprünglich vorgesehen, vom Gesetz unberührt bleibe.

          Amerikanische Behörden wiesen die Vorwürfe zurück. Der Leiter der Rechtsabteil der obersten Behörde für Drogen-Kontrolle in den Vereinigten Staaten, Anthony Jones, sagte: „Republikaner und Demokraten stimmen heutzutage nicht bei vielen Dingen überein, aber alle sind sich einig, dass der russische Doping-Skandal und der Umgang der Wada mit der Angelegenheit das Vertrauen in das internationale Anti-Doping-System untergraben haben.“

          In der vergangenen Woche hatte Jones die Wada-Verantwortlichen davor gewarnt, das Gesetz zum Anlass für Strafmaßnahmen gegen amerikanische Sportorganisationen zu nehmen. Dies würde als „persönlicher Angriff auf die Vereinigten Staaten“ aufgefasst, so Jones. Travis Tygart, der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada, sagte nach der Verabschiedung des Gesetzes durch den Senat, es sei ein „monumentaler Tag für den Kampf für sauberen Sport auf der ganzen Welt“.

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