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Anti-Doping-Politik : Athleten fordern umfassende Reform der Wada

Freundliches Gesicht, knallharte Forderungen: Athletenvertreter Maximilian Klein. Bild: dpa

Athletenvertreter aus Deutschland, Dänemark, den Vereinigten Staaten und Kanada fordern mehr Beteiligung für Sportler in Anti-Doping-Fragen. Sie beklagen eine „Kultur des Schweigens“ in der Wada.

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          Athleten Deutschland e.V. hat gemeinsam mit den Athletenvertretungen Dänemarks, Kanadas und der Vereinigten Staaten sowie den Athleteninteressengruppen „Global Athlete“ und „The Athletics Association“ eine dringende und grundlegende Reform der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada gefordert. „Die Athlet*innen können nicht länger akzeptieren, dass ihre Forderungen nach angemessenen Reformen der Welt-Anti-Doping-Agentur nicht umgesetzt wurden“, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Papier.

          Die unter den Schlagworten Unabhängigkeit, Transparenz, Rechenschaftspflicht und Menschenrechte formulierten Forderungen seien „Minimalforderungen, die als Startpunkt weitreichender Reformen dienen sollen“. Man habe bei Wada-Präsident Witold Banka, seit 1. Januar im Amt, am 16. Juli um ein Gespräch gebeten. Am Mittwoch habe dieser einen Runden Tisch „in größerer Runde“ im September angeboten. Angesichts der Dringlichkeit der Reformen und „ohne die Gewissheit, wann genau wir unsere Forderungen zur Sprache bringen können“, habe man sich entschlossen, die Position umgehend zu veröffentlichen. Hintergrund ist unter anderem der Umgang mit Forderungen von Athletenvertretungen in der Vergangenheit. Konkret wirft das Papier der Wada vor, die Forderungen in Bezug auf Russlands Nicht-Einhaltung des Anti-Doping-Kodex im September 2018 missachtet und nicht entschieden gegen das Bukarester Doping-Kontrolllabor und die nationale rumänische Anti–Doping-Agentur nach Korruptionsfällen und Vertuschungen vorgegangen zu sein.

          Die Athletenvertretungen fordern die Entkoppelung von Finanzierung und Entscheidungsgewalt bei der Wada. Die Governance-Struktur müsse von tatsächlichen und vermeintlichen Interessenkonflikten befreit werden. Mitglieder der Wada-Exekutive müssten vollständig unabhängig sein. Hier fordern die Athletenvertreter eine „gleichberechtigte, unabhängige und aktive Vertretung“ der Sportler. Sie müssten „unabhängige und gleichberechtigte Sitze überall dort haben, wo Entscheidungen getroffen werden“, in gleicher Zahl wie das Internationale Olympische Komitee und die Regierungen. Die Wada sollte „weder vom Sportsystem noch einzelnen Regierungen“ reguliert werden und gegenüber Athleten zur Rechenschaft verpflichtet sein.

          Zudem müssten Wada-Untersuchungen ein genau definiertes Mandat mit Veröffentlichungspflicht haben und Untersuchungen gegen Sportler mit allen Ermittlungen und deren Ergebnissen veröffentlicht werden. „Athlet*innen sollten nicht an einem anderen Maßstab gemessen werden als andere Stakeholder der Wada“. Sie seien sich „der Kultur des Schweigens“ und der Entscheidungen, die hinter verschlossener Tür getroffen werden, bewusst. „Diese untergraben ihr Recht auf ein faires und transparentes Anti-Doping-System, das alle gleich behandelt“, heißt es in dem Papier. Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte zuletzt damit gedroht, die Zahlung von 2,7 Millionen Dollar an die Wada einzustellen,weil es mit der Arbeit der Wada und der Besetzung der Gremien unzufrieden sei. Banka hatte den amerikanischen Behörden im Interview mit dieser Zeitung vorgeworfen, ihr Bericht stecke voller Fehler und irreführender Angaben.

          Maximilian Klein, der bei Athleten Deutschland für Internationale Beziehungen zuständig ist, sagt der Pressemitteilung zufolge: „Wir erhoffen uns, dass sich die deutsche Politik, der Deutsche Olympische Sportbund und die Nationale Anti-Doping Agentur weiterhin und gemeinsam an unserer Seite für weitreichende Reformen der Wada einsetzen.“

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