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Anti-Doping-Kampf : Wada wehrt sich gegen Vorwürfe

Wada-Chef Witold Banka kontert die amerikanische Kritik: Kanada zahlt mehr. Bild: dpa

Auch Wada-Chef Banks sieht sich mit der üblichen amerikanischen Strategie aus Drohung und Geldentzug konfrontiert. Doch der frühere 400-Meter-Läufer kontert die Vorwürfe Trumps mit Fakten.

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          Witold Banka führt die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada seit Jahresbeginn. Der frühere 400-Meter-Läufer ist als Politiker auf den Posten gekommen, in Polen war er zwischen 2015 und 2019 für Tourismus und Sport zuständig. Nicht einmal ein halbes Jahr im neuen Amt, sieht sich Banka der politischen Strategie gegenüber, mit der die Regierung der Vereinigten Staaten unter ihrem Präsidenten Donald Trump gegenüber internationalen Organisationen von der Unesco bis zur Weltgesundheitsorganisation auftritt; Rückzug und Ausstieg aus der Finanzierung.

          Das Büro für die Nationale Drogenkontrollpolitik unter dem von Trump eingesetzten „Drug Czar“ Jim Carroll hatte in einem Bericht an den Kongress in Washington vorgeschlagen, die Überweisung von jährlich 2,7 Millionen Dollar (2,39 Millionen Euro) an die Wada zu streichen oder jedenfalls stark zu kürzen, und eine lange Liste an Gründen aufgezählt, die im Großen und Ganzen auf den Vorwurf hinauslaufen, Washington zahle furchtbar viel Geld an eine Organisation, ohne dass deren Leistung so ausfalle, dass Washington damit zufrieden sei: Die Wada sei nicht unabhängig genug, es gelinge ihr nicht, die eigenen Regeln durchzusetzen und saubere Sportler zu schützen: „Die amerikanischen Steuerzahler sollten eine Rendite erhalten, in Form von sauberem Sport, Fairplay, einer effektiven Verwaltung des weltweiten Anti-Doping-Systems und einer angemessenen Stimme bei der Entscheidungsfindung der Wada“, hieß es aus Carrolls Behörde. Bestes Beispiel: der Umgang mit dem russischen Staats-Doping.

          Am vergangenen Freitag antwortete Banka, so empört wie süffisant. Er hoffe aufrichtig, in Zukunft mit den Amerikanern zusammenarbeiten zu können, statt die Wada gegen „unbegründete Angriffe“ verteidigen zu müssen – doch die Berichtigungen und Anmerkungen der Wada zum ursprünglich 19 Seiten umfassenden Bericht lassen diesen auf 46 Seiten anwachsen. Neben Bemerkungen zum Reformfortschritt in der eigenen Organisation und der Verwunderung über die Tatsache, dass die eigenen Stellungnahmen nicht an den Kongress weitergereicht wurden („Wie es so schön heißt: lass dir die gute Geschichte nicht von der Wahrheit kaputtmachen“, schreibt Banka), weist die Anti-Doping-Agentur nicht ohne Süffisanz darauf hin, dass Kanada für 2019 und 2020 mehr an die Wada zahle als die Vereinigten Staaten.

          Die Konfrontation dürfte so schnell nicht vorübergehen. Der nach dem früheren Moskauer Laborleiter und heute im amerikanischen Zeugenschutzprogramm lebenden Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow benannte „Rodchenkov Act“ befindet sich im Gesetzgebungsverfahren, die internationalen Sportverbände blicken mit großer Sorge auf die Absicht, das Doping internationaler Sportler bei Wettkämpfen gegen amerikanische Athleten zu kriminalisieren. Travis Tygart, Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, ist starker Befürworter der Gesetzesinitiative, der Bericht aus Carrolls Behörde sei „der letzte Weckruf an das Internationale Olympische Komitee und die Wada, diese Probleme zu lösen, bevor es zu spät ist“.

          Immer wieder verweisen Vertreter der Verbände auf die Zustände im amerikanischen Profi- und Collegesport, deren populärste Ligen sich nicht dem Wada-Regelwerk unterworfen haben. Banka schlägt Carroll vor, die Regierung möge mehr für den Schutz junger Sportler tun – und das Regelwerk anpassen. Die Wada stehe als Partner bereit.

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