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Anti-Doping-Gesetz : Sportler gegen Sportler

Sportlerin auf Seiten des Justizministers: Christina Obergföll Bild: dpa

Im Streit um das neue Anti-Doping-Gesetz beanspruchen das Justiz-Ministerium und der Deutsche Olympische Sportbund jeweils das Votum der Spitzensportler für sich.

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          Die Diskussion um das Anti-Doping-Gesetz entwickelt sich zu einem Mannschafts-Wettbewerb. Justizminister Heiko Maas, der den Gesetzentwurf am Mittwoch gemeinsam mit Innenminister Thomas de Maizière in Berlin vorstellte, wird am Freitag im Berliner Olympiastadion ein halbes Dutzend prominenter Athleten präsentieren, die sich für das Gesetz aussprechen. Es soll erstmals in der Geschichte dopende Sportler mit Geld- und Gefängnisstrafe bedrohen. Zu den Befürwortern gehören nach Informationen dieser Zeitung Speerwurf-Weltmeisterin Christina Obergföll, Kugelstoß-Weltmeister David Storl sowie drei Radprofis: der dreimalige Weltmeister im Einzelzeitfahren Tony Martin, der achtmalige Etappensieger der Tour de France Marcel Kittel sowie John Degenkolb.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) veröffentlichte, als reklamierte auch er das Votum des Spitzensports für sich, am Mittwoch eine kritische Erklärung seiner Athletenkommission. Diese begrüße die Initiative der Bundesregierung zu einem scharfen Anti-Doping-Gesetz, heißt es darin. Im selben Satz allerdings wird die Erwartung ausgedrückt, „dass der Deutsche Bundestag (...) nichts beschließt, was die Funktionsfähigkeit der Sportsgerichtsbarkeit gefährden oder schwächen könnte“. Vor was die Kommission - laut Website des DOSB bestehend aus dem Eisschnellläufer Felix Rijhnen, dem Säbelfechter Maximilian Hartung, der Bogenschützin Karina Winter, der Kanutin Silke Kassner, dem ehemaligen Ruderer Christian Schreiber und dem Eistänzer Daniel Hermann - warnt, hat DOSB-Generaldirektor Michael Vesper in der Dienstag-Ausgabe dieser Zeitung benannt: vor dem Kern des Gesetzes, der strafrechtlichen Verfolgung dopender Athleten.

          Die Parallelität zweier Rechtssysteme würde nicht Sicherheit und Konsequenz in der Doping-Bekämpfung schaffen, sondern zu Unsicherheit führen. „Wer den Anti-Doping-Kampf fördern und stärken will, sollte den Sport und die Nada bei der Verfolgung der Doping-Täter unterstützen und den Staat mit seinen Ermittlungsmethoden auf das Umfeld konzentrieren: auf die Ärzte, Händler, Betreuer, Beschaffer, ohne die Doping heute nicht möglich wäre.“ Nicht ganz so explizit weist die Athletenkommission darauf hin, dass Sportrecht schneller und effektiver sei als Strafrecht und nur einheitliches Sportrecht für weltweite Gleichbehandlung sorge.

          „Der oberste Repräsentant des Sports hat ja gesagt“

          De Maizière charakterisierte Vespers Beitrag am Mittwoch mit den Worten, da sage jemand „ja, aber“ und meine „nein“. Gleiches dürfte für die Verlautbarung der Athletenkommission gelten. Der Innenminister berief sich auf die Zustimmung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann: „Der oberste Repräsentant des Sports hat ja gesagt. Das hat mich sehr gefreut.“

          Im Interview des ZDF-Frühstücksfernsehens allerdings versah Hörmann seine grundsätzliche Zustimmung zu dem Gesetz mit der Anmerkung, dass über „einige Details“ noch zu diskutieren sei. Eines davon beschrieb er als offene Frage: „Wie schaffen wir es, dass die staatlichen Verfahren, die natürlich aus der Notwendigkeit, die Schuld zu beweisen, wesentlich länger dauern, nicht die Sportgerichtsbarkeit mit sofortiger Sperre beeinträchtigen?“

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