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Anti-Doping-Gesetz : Schritte aus der Defensive

Turn-Präsident Rainer Brechtken hat sich für die Strafverfolgung von dopenden Athleten ausgesprochen Bild: Wonge Bergmann

Die Politik eilt voraus bei der Strafverfolgung dopender Sportler. Das bis dato so eiserne DOSB-Präsidium kommt daher aus der Defensive und sucht jetzt nach einem Kompromiss.

          Und er bewegt sich doch, der Sport: Im Kampf um die Meinungsführung in Anti-Doping-Fragen hat sich der Turn-Präsident Rainer Brechtken für die Strafverfolgung von dopenden Athleten ausgesprochen, ein für ihn bemerkenswerter Vorstoß: „Dopingbetrug, da bin ich voll dafür“, sagte Brechtken in einem Interview des Deutschlandfunks (DLF). Dabei bezog er sich auf den Entwurf des Justizministers von Baden-Württemberg, Rainer Stickelberger. Die Wendung Brechtkens, seit Jahren ein lautstarker Gegner der Strafverfolgung dopender Sportler, ist überraschend genug. Sein Amt und seine Position im deutschen Sport deuten aber auf mehr hin als einen Umschwung eines einzelnen Sportfunktionärs: Brechtken ist Sprecher der mächtigen Spitzenverbände im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und steht der Führung unter Interimspräsident Hans-Peter Krämer und Generaldirektor Michael Vesper nahe.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Das Präsidium des DOSB hatte für die Mitgliederversammlung am Samstag in Wiesbaden einen Antrag formuliert, in dem in der bislang veröffentlichten Version mit keinem Wort vom „Sportbetrug“ die Rede ist, geschweige denn vom Staatsanwalt auf der Jagd nach gedopten Athleten. Schließlich hat sich der organisierte deutsche Sport in den vergangenen zehn Jahren mit Händen und Füßen gegen alle Versuche erfolgreich gewehrt, nicht nur Dealer, sondern auch dopende Sportler vom Staat verfolgen zu lassen.

          Fehlt nur noch die Zusage des DOSB-Präsidiums

          Auf diesem Weg ist der DOSB, wie er inzwischen festgestellt hat, in „eine Defensive“ geraten, aus der er sich dringend befreien möchte. In der Hoffnung, die längst vorauseilenden Bundespolitiker wieder einzuholen und aus der Ecke der Verweigerer herauszukommen. Denn dem autonomen Sport hat die Regierung in spe im Koalitionsvertrag den Weg quasi vorgegeben. Berlin will sogar die Strafwürdigkeit allein beim Besitz von Dopingmitteln prüfen. Dagegen sprach sich Brechtken im DLF zwar energisch aus und wiederholte die umstrittene Auffassung des DOSB-Präsidiums, das Sportrecht werde dann durch das Strafrecht ausgehebelt. Aber dem Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), Clemens Prokop, eine Art Rädelsführer der kleinen Straftat-Fraktion im Sport, kam er sogar namentlich entgegen: „Da bin ich mit Prokop völlig einig“, sagte Brechtken. „(...) Dopingbetrug als Straftatbestand, dies halte ich für richtig.“

          Plötzlich taucht ein veritabler (größter) gemeinsamer Nenner der Parteien auf. Selbst bei den Schwächen des Vorschlages ist man sich einig: nacharbeiten. Fehlt nur noch die Zusage des bis dato so eisernen DOSB-Präsidiums. Aber selbst in diesem Zirkel sind schon Vorschläge gemacht worden, eine Öffnungsklausel zugunsten des „Sportbetruges“ zu formulieren. Mit weiteren, weniger wichtigen Modifikationen könnte der mit dem DLV inzwischen abgestimmte Antrag des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB), getragen auch vom Handball, Grundlage für einen vielleicht mehrheitsfähigen Kompromiss sein: „Dann würde sich keiner einen Zacken aus der Krone brechen“, sagte ein DOSB-Präsidiumsmitglied. Herzblut ist dabei nicht im Spiel. Aber die Überzeugung, sich bewegen müssen.

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