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Anti-Doping-Gesetz-Kommentar : Versuchte Kernschmelze

Haben noch einiges zu klären: Innenminister de Maizière (l.) und DOSB-Präsident Hörmann Bild: dpa

Die Spitze des Deutschen Olympischen Sportbundes begrüßt die Pläne für ein Anti-Doping-Gesetz, will aber, dass sich so wenig wie möglich ändert. Dabei argumentiert der DOSB an den Bedürfnissen der Athleten vorbei.

          Mit freundlichen Grüßen vom DOSB kommt das Schreiben, das Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), und dessen Generaldirektor Michael Vesper unterschrieben haben. Beide versichern den Bundesministern für Justiz, Inneres und Gesundheit, wie angetan sie von deren Idee eines Anti-Doping-Gesetzes sind. Noch besser allerdings würde der Führung des deutschen Sports gefallen, wenn sich beim „Anti-Doping-Kampf im Dreiklang von Prävention, Kontrolle und Sanktion“ nicht ganz so viel ändern würde, wie von der Berliner Regierungskoalition ins Auge gefasst. Am besten so wenig wie möglich.

          Die geltenden Anti-Doping-Vorschriften des Arzneimittelgesetzes könnte man künftig als Anti-Doping-Gesetz verkaufen, aber das wäre es dann bitte auch schon, falls es nach dem DOSB geht. Schließlich geht so ein neues Gesetz auch für die Steuerzahler ins Geld, wenn Polizei und Justiz künftig noch mehr arbeiten müssen, schreibt die DOSB-Führung. Ende 2013 hatte sich der Verband für die Sportfinanzierung noch 38 Millionen Euro mehr vom Steuerzahler gewünscht. Ansonsten vermittelt der Brief aus Frankfurt einen Wunsch nach einem Dreiklang von „weiter“ „wie“ und „bisher“. Denn: Positive Doping-Tests sind selten hierzulande. Das System funktioniert. Tatsächlich?

          Gute Gründe der Athleten

          Es ist erst ein paar Wochen her, da hat Robert Harting, Diskuswerfer, Olympiasieger, Sportler des Jahres, in dieser Zeitung geschrieben, warum er den Anti-Doping-Kampf, wie er von der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada und dem Internationalen Olympischen Komitee propagiert und in Deutschland umgesetzt wird, für gescheitert hält. Sportlern wie Harting, die sich das Schreiben des DOSB an die Bundesminister durchlesen, müssen die Worte von Hörmann und Vesper wie Hohn vorkommen. Da argumentiert der DOSB nun mit den Grundrechten der Sportler, die durch die Anwendung des Strafrechtes künftig auch bei Dopern gefährdet seien. Dabei sind es Athleten, Individualsportler wie Harting, Mannschaftssportler wie Basketballnationalspieler Per Günther, die sich seit Jahren und mit guten Gründen über die Unverhältnismäßigkeit des Doping-Kontrollsystems der Verbände beklagen.

          Gewiss ist das Strafrecht ultima ratio, das letzte Mittel. Aber nicht zuletzt die bislang ergangenen Urteile im Fall Pechstein und Stellungnahmen wie die von Harting und Günther zeigen, dass die Zeit für ein Anti-Doping-Gesetz gekommen ist. Sie haben erkannt, dass sie im Zweifel lieber die ultima ratio des Strafrechts und der staatlichen Gerichte in Anspruch nehmen, als weiter einzig und allein einem System ausgeliefert zu sein, in dem, wie es jüngst das Münchner Oberlandesgericht im Fall Pechstein formuliert hat, die Sportverbände ihre Marktmacht missbrauchen, weil sie bestimmenden Einfluss auf die Ernennung der Schiedsrichter am Internationalen Sportgerichtshof Cas haben.

          Der Versuch der Politik aber, eben diese Schiedsgerichtsbarkeit zu stärken wird von Hörmann und Vesper nun ausdrücklich gelobt – während ihn namhafte Juristen zum Teil scharf kritisieren. Und so gilt nach der Post vom DOSB, was schon zuvor galt: Wenn es in Deutschland ein Anti-Doping-Gesetz geben soll, das diesen Namen verdient, sind die Politiker gut beraten, die überwiegende Mehrzahl der DOSB-Ratschläge zur Sache freundlich zu ignorieren.

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