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Anonymes Schreiben an DOSB : „Kultur der Angst“

Stilfragen: DOSB-Präsident Alfons Hörmann Bild: Picture-Alliance

„Wir vermissen jeden Tag Respekt und Fairplay“: Wer beklagt Führungskultur und Betriebsklima im DOSB unter Alfons Hörmann? Ein anonym gesendetes Schreiben sorgt für Unruhe.

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          In der Zentrale des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) herrscht Unruhe. Am Donnerstag ist sie erheblich gewachsen. Ein Schreiben ist eingegangen in E-Mail-Accounts des DOSB, dessen Absender einstweilen anonym ist. Oder sind? Denn in dem Schreiben, adressiert an Präsidium und Vorstand des DOSB und in Kopie an den Betriebsrat des Dachverbands, heißt es: „In den vergangenen Wochen und Monaten“ hätten sich „mehr als ein Drittel aller Mitarbeiter*innen des DOSB zusammengefunden“, um ihre „Stimme hörbar“ zu machen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Die Vorwürfe: Man habe genug vom DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann und dessen Führungsstil. Von einer „Kultur der Angst“ ist die Rede. Es ist eine ins Detail gehende Anklage gegen den Führungsstil des Mannes, der seit Dezember 2013 Präsident des DOSB ist. „In unseren Führungsgremien“, heißt es da, „vermissen wir jeden Tag Respekt und Fairplay, vor allem bei unserem Präsidenten Alfons Hörmann.“

          Der DOSB bestätigte den „Eingang einer anonymen Mail“. Die Darstellung, die Mail sei von einem Fake-Mail-Account versandt worden, präzisierte ein Sprecher gegenüber der F.A.Z. Die Mail sei von einem webbasierten E-Mail-Provider für Ende-zu-Ende verschlüsselte Kommunikation eingegangen. Die Mail habe nicht die durch die Mailadresse suggerierte Authentizität eines Schreibens von DOSB-Mitarbeitern.

          Im Dachverband heißt es einerseits, einzelne Formulierungen in dem Schreiben seien im DOSB nicht gebräuchlich, dies spreche gegen eine Autorenschaft im eigenen Haus. Man wolle nun die Hintergründe prüfen, von den im Adressatenkreis angesprochenen Mitgliedern des Vorstandes und des Präsidiums hätten nur einige das Schreiben erhalten. Andere mit den Gepflogenheiten im DOSB vertraute Personen halten das Schreiben hingegen für sehr wohl authentisch und gehen von Post von Insidern aus.

          Am Abend kündigte Hörmann eine schnelle Aufklärung an. „In den letzten Stunden haben sich zahlreiche Führungskräfte und Mitarbeiter deutlich von diesem Stil und den Inhalten distanziert. Auch seitens der DOSB-Führungsgremien wird es zeitnah entsprechende Klarstellungen dazu geben“, sagte der DOSB-Chef der in Kempten erscheinenden „Allgäuer Zeitung“ (Freitag)

          Die Liste der Vorwürfe ist lang. „Abweichende Meinungen werden (bestenfalls) abgebügelt und (schlimmstenfalls) bloßgestellt“, heißt es. „Und so haben auch wir Angst. Angst davor, bei der Nennung unserer Namen mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen zu müssen, vielleicht sogar unsere Arbeitsstelle zu verlieren.“

          Die Autoren fordern, vermutlich in Bezug auf Vorgänge am Sitz des Verbandes in Frankfurt, „daß (sic!) Mitarbeiter*innen, egal wie junior ihre Stellung auch sein mag, mit (sic!) respekt- und würdevoll behandelt werden. Daß gerade weibliche Mitarbeiterinnen nicht mental und psychisch über die Grenze des Belastbaren gebracht werden. Daß engste Mitarbeiter*innen nicht erst kurz vor Mitternact unter Tränen das Büro verlassen. Und vor allem: Daß in Richtung der Mitarbeiter*innen des Verbands keine Stifte (sic!) oder sonstige Gegenstände geworfen werden. Aufgrund solcher Verhaltensweisen haben Mitarbeiter*innen gekündigt; andere befinden sich in psychotherapeutischer Behandlung. So kann es nicht weitergehen. So darf es nicht weitergehen.“

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