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Amerikas Doping-Fahnder : „Russland ganz sperren“

  • -Aktualisiert am

Amerikas Doping-Fahnder fordern von den internationalen Sportverbänden hartes Durchgreifen. Bild: dpa

Amerikas Doping-Fahnder fordern angesichts der jüngsten Vorwürfe gegen Russland klare Konsequenzen. Es geht dabei längst nicht mehr nur um Olympia.

          Amerikanische Funktionäre schießen weiterhin scharf auf Russland: Travis Tygart, der Chef der Anti-Doping-Agentur der Vereinigten Staaten (Usada), hat jetzt in einem Meinungsbeitrag in der „New York Times“ nicht nur den kompletten Ausschluss der russischen Delegation von den Olympischen Spielen in Rio gefordert, sofern sich jüngste Doping-Vorwürfe bestätigen sollten. Tygart geht sogar so weit, zu verlangen, dass Russland von allen internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen werden solle, falls sich die Behauptung des ehemaligen Moskauer Laborchefs Gregorij Rodschenkow bestätigen sollte, dass während der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi systematisch mit staatlicher Unterstützung gedopt und Doping verschleiert worden sei.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Bisher hat lediglich der Leichtathletik-Weltverband IAAF den russischen Verband suspendiert. Am 17. Juni will die IAAF über eine mögliche Fortsetzung des Banns auch für Rio entscheiden. Die Vorwürfe rund um Sotschi untersucht eine Kommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Tygart, der die Untersuchung gegen den einstigen siebenmaligen Tour-de-France-Gewinner Lance Armstrong geleitet hat, schreibt: „Die Entscheidung, zu ermitteln und Russland, wenn nötig, zu bestrafen, ist nicht leicht, aber richtig.“ Die Wada hat den Abschluss ihrer Untersuchung zum 15. Juli angekündigt.

          Die Tatsache, dass 14 der 31 positiven Nachtests von den Olympischen Spielen in Peking 2008 auf das Konto russischer Athleten gehen, hat die Stimmung gegen Russlands Sportler weiter verschlechtert. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hingegen hat keine Hinweise, zu den zwölf betroffenen Nationen zu gehören. „Wir haben bisher noch keine Post bekommen“, sagt DOSB-Sprecherin Ulrike Spitz. Das spanische Olympische Komitee hingegen bestätigte einen positiven Fall, den die Sportzeitung Marca“ genauer identifizierte: Es soll sich um die Hürdensprinterin Josephine Onyia handeln, die im Halbfinale in Peking Fünfte geworden war. Über sie wurde bereits vergangenes Jahr ein lebenslanges Startverbot verhängt – der Fall von Peking wäre, sollte die B-Probe das Ergebnis bestätigen, bereits ihr fünftes Vergehen. Die 29 Jahre alte Athletin wurde bereits erwischt mit dem in Europa verbotenen Aufputschmittel Methylhexanamin, mit dem auch in der Kälbermast missbrauchten Asthmamittel Clenbuterol, mit dem Aufputschmittel Dimethylpentylamin und mit einem anabolen Steroid. Onyia wurde in Lagos (Nigeria) geboren und nahm 2007 die spanische Nationalität an.

          Auch das Nationale Olympische Komitee der Vereinigten Staaten hat bekanntgegeben, dass es bisher über keinen positiven Test informiert wurde. Die Ergebnisse von 250 Nachtests der Olympischen Spiele in London 2012 wurden für diese Woche angekündigt.

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