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Amerikanischer Sport : Tendenziell sozialistisch

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DeMarcus Cousins (Mitte): kreativer Deal Bild: dpa

Die Umverteilung von Reich nach Arm erhöht die Attraktivität der NBA. Für einen Salary Cap finden sich mittlerweile auch im deutschen Fußball Befürworter.

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          Auf der Suche nach einem Spieler mit Potential für die Playoffs entwickelte das Management der Golden State Warriors im Frühsommer einen ungewöhnlichen Plan. Man warf die Angel nach einem veritablen Basketball-All-Star aus, für den sich zu dem Zeitpunkt jedoch keine andere Mannschaft ernsthaft interessierte. Warum? Bei DeMarcus Cousins, damals noch bei den New Orleans Pelicans, riss im Januar die linke Achillessehne, als er nach einem Sprung zum Rebound auf dem harten Parkett landete. Eine Verletzung, die zu den folgenschwersten im Sport gehört, besonders für Basketballspieler, von denen – so die Statistik – anschließend kaum jemand noch einmal so gut spielt wie zuvor.

          Eine solche Sorge schien man beim NBA-Meister der beiden vergangenen Jahre nicht zu hegen. Die langfristige Perspektive zehrt von einem hochkarätigen Spielerstamm rund um das Trio Stephen Curry, Kevin Durant und Klay Thompson. Und Cousins, 2,11 Meter groß, 28 Jahre alt, wäre in jeder anderen Phase seiner Karriere für die Warriors ohnehin zu teuer gewesen. Nicht weil es den Warriors, einem der wohlhabendsten Klubs in der besten Basketball-Liga der Welt, an Geld fehlt. Sondern weil die Gehaltsgrenze für NBA-Teams, genannt Salary Cap, reiche Teams davon abhält, den Markt leer zu kaufen.

          Was man deshalb in Oakland austüftelte, gehört zu den kreativsten Optionen in einem Geschäft, das längst nicht mehr ohne regelkundige Manager mit Taschenrechner auskommt: Man handelte mit Cousins einen Deal aus, durch den der Center noch während der Rehabilitationsphase nur einen Bruchteil des Marktwerts eines völlig gesunden Centers kassiert: 5,3 Millionen Dollar, begrenzt auf eine Saison. Als Cousins vor ein paar Tagen wieder fit genug war, ein normales Training aufzunehmen, schickten ihn die Warriors erst mal zu den Santa Cruz Warriors, dem Ableger des Teams in der sogenannten G-League, einem Spielbetrieb für Nachwuchskräfte und Pflegefälle.

          Nur so viel steht fest: Golden State überweist ihm seit ein paar Monaten nicht nur die anteiligen Tranchen des vereinbarten Gehalts. Als Nebeneffekt der Verpflichtung stieg der Mehrbetrag, den der Klub als sogenannte Luxussteuer an die Liga abführen muss, auf geschätzte 22 Millionen Dollar. Der Grund für die Strafzahlung: Sie gehört zum Konzept jener Salary Cap, wie sie die Zwei-Länder-Liga mit ihren insgesamt 30 Klubs praktiziert. Ein Regelmechanismus, der zuletzt in einem Positionspapier des 1. FC Union Berlin zur Zukunft der Fußball-Bundesliga anklang: „Die Begrenzung von Spielergehältern ist ein deutliches Zeichen, die stetige Aufwärtsspirale in längst nicht mehr vermittelbare Höhen nicht länger mitzugehen.“

          Die NBA verfügt über einen sogenannte „weichen Deckel“. Anders etwa als die National Football League, die strikt keinerlei Spielraum gestattet. Das über die Steuer erhobene Geld bleibt zur Hälfte in der Liga-Zentrale, die damit unter anderem anspruchsvolle Vermarktungsaktivitäten in anderen Teilen der Welt finanziert. Der Rest wird unter jenen Klubs aufgeteilt, die sich im Laufe der Saison brav an die Cap-Grenze gehalten haben.

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