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Affären : Gabriela Szabos Auto positiv getestet

  • -Aktualisiert am

Unter Rechtfertigungsdruck: Gabriela Szabo Bild: dpa

"Ich hasse Gauner", beteuert Gabriela Szabo in einem kleinen Buch, das Cristina Vladu über die winzige Dauerläuferin aus Rumänien geschrieben hat. Ist die nimmermüde Leichtathletin am Ende selbst eine?

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          "Ich hasse Gauner", beteuert Gabriela Szabo in einem kleinen Buch, das Cristina Vladu über die winzige Dauerläuferin aus Rumänien geschrieben hat. Die nimmermüde Leichtathletin behauptet darin auch: "Ich bin andauernd getestet worden - und zwar so streng, wie man es nur mit denen macht, die aus dem Osten kommen. Den Ärmsten also." Die Kontrollen seien inzwischen so konsequent, "daß es ein Wunder wäre, ihnen zu entkommen". Aber wen wundert's wirklich, wenn es jetzt nicht Gabriela Szabo erwischt hat, sondern nur ihr Auto positiv getestet wurde? Sind die französischen Zollbeamten, die den von einem Freund der zweimaligen Weltmeisterin und einmaligen Olympiasiegerin über 5000 Meter gesteuerten Wagen in Menton an der italienischen Grenze umkrempelten und dabei das Blutdopingmittel Actovegin entdeckten, etwa tüchtiger als die Dopingfahnder des internationalen Sports?

          Nicht unbedingt, aber sie haben es leichter, eine verbotene Handlung nachzuweisen, die der Dopinglogistik dient: Besitz und Einfuhr von Arzneimitteln durch Unbefugte. Anders darf das Delikt zunächst nicht genannt werden, denn Gabriela Szabo wird wohl kein Geständnis ablegen. Das wäre ein Wunder. Sie wird, falls man sie zu einer Stellungnahme erreichen kann, vermutlich sagen: Sie habe das Fahrzeug einem Bekannten geliehen, der ihr nicht etwa einen Freundschaftsdienst, sondern einen Bärendienst erwiesen habe, indem er die Dopingmittel nach Font Romeu, dem Trainingscamp der Rumänen für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 23. bis 31 August in Paris, schaffen wollte.

          Ihr Name ist Hase, sie weiß von nichts. Diese Versicherung erwarten selbstverständlich die Funktionäre des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), deren Generalsekretär Istvan Gyulai dann auch gegenüber dieser Zeitung feststellt: "Tatsache ist, daß ihr das Auto gehört. Aber das bedeutet noch gar nichts." Es sei zu früh, um mit Verantwortungsgefühl gegenüber der Athletin irgendetwas zu sagen. Nur so viel, ergänzt der Jurist Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes und Mitglied der IAAF-Anti-Doping-Kommission: "Es gibt keine positive Dopingprobe, und damit ist ihr schwerlich etwas nachzuweisen."

          Hinweise zählen nicht, jedenfalls nicht sportrechtlich. So dumm oder dreist, Dopingmittel im eigenen Gepäck zu führen, war bislang nur die chinesische Schwimmerin Yuan Yuan, die 1998 zu den Schwimmweltmeisterschaften in Perth mit 13 Ampullen Wachstumshormonen, versteckt in einer Thermoskanne, nach Australien einreisen wollte. Der Internationale Schwimmverband sperrte sie für vier Jahre und ihren Trainer, der die Schuld auf sich nehmen wollte, für 15 Jahre. Ungeschoren kam indessen der usbekische Leichtathletiktrainer Sergej Woinow davon, der kurz vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney am dortigen Flughafen mit einer Ampullensammlung von Wachstumshormonen aufflog - und sich der Ausrede bediente, er sei ein kranker Mann, der lediglich seine Medikamente mitgebracht habe. Eine Ausflucht, die 1998 beim Auftakt zum großen Tour-Skandal nur noch lächerlich gewirkt hätte. Ein Kleinbus des französischen Rennstalls Festina war an der belgisch-französischen Grenze von einer mobilen Zöllner-Einheit kontrolliert und aus dem Verkehr gezogen worden; einschließlich der ambulanten Apotheke: mehr als 400 Ampullen, 150 mit anabolen Steroiden, 250 mit dem hergestellten Hormon Erythropoietin, kurz Epo. Der Fahrer hatte zwar nichts zu sagen, sagte Kennern aber einiges: Willy Voet, einst Helfer von Sean Kelly, dann Masseur bei Festina, wo er sich besonders um den Team-Kapitän Richard Virenque kümmern sollte. Der Radprofi, in Frankreich ein Idol wie Gabriela Szabo in Rumänien, leugnete lange und gestand das Doping erst vor einem staatlichen Gericht. Ein Sportgericht sperrte ihn für neun Monate.

          Positive Probe oder eigenes Geständnis - nur Beweise zählen, selbst wo Belege eine deutliche Sprache sprechen. Als Edita Rumsas am Schlußtag der Tour de France 2002 in der Nähe des Mont-Blanc-Tunnels festgenommen wurde, weil sie ein ansehnliches Sortiment von drei Dutzend Dopingpräparaten im Auto hatte, spielte ihr Mann den Unschuldsengel: Anabolika, Wachstumshormone, Kortikoide und Epo sowie eine Zentrifuge zur Bestimmung des Hämatokritwertes. Alles für die kranke Schwiegermutter des Litauers Raimondas Rumsas, der bei dieser und auf diese Tour Dritter wird, jede Aussage zum Dopingvorwurf verweigert und anschließend in seinem Heimatland die höchste sportliche Auszeichnung erhält: den "Olympischen Stern".

          Auch der Star am internationalen Radsporthimmel glänzt nicht, ohne zu flackern: Lance Armstrong, der bald bei der Jahrhundert-Rundfahrt zum fünften Tour-Sieg ansetzen will, ist schon unlauterer Wettbewerb nachgesagt worden - bezeichnenderweise mit Actovegin, dessen Verpackung während der Tour 2000 in der Nähe seines US Postal Service Teams gefunden wurde. Die Substanz dient unter anderem zur Verdünnung des Blutes, das durch die Einnahme von Epo und durch die Anreicherung mit (den Sauerstoff transportierenden) roten Blutkörperchen verdickt wird. Überflüssig zu sagen, daß Armstrong alles leugnete. Und daß Actovegin noch nicht nachweisbar ist.

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