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Ärger um Fußball-WM 2022 : Täuschung mit Qatar

  • -Aktualisiert am

Symbolische WM-Übergabe: Fifa-Präsident Gianni Infantino (Mitte) mit Wladimir Putin (rechts) und Tamim bin Hamad Al Thani 2018 Bild: EPA

In Amerika wird derzeit wegen möglicher Bestechung bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft nach Qatar ermittelt. Aber an der WM 2022 in der Wüste führt kein Weg vorbei. Aus einem einfachen Grund.

          2 Min.

          Es ist beinahe zehn Jahre her, dass ein Gremium korrupter Funktionäre die Vergabe von zwei Fußball-Weltmeisterschaften beschloss. Die Entscheidung? Folgenschwer. Sie belohnte die schlechteste Bewerbung in der Geschichte des Turniers, was letztlich zum Tod zahlloser Bauarbeiter in der Wüste von Qatar führte. Obendrein sorgte sie für eine Terminverschiebung in den November, wodurch 2022 der Fußball-Kalender auf der ganzen Welt durcheinanderwirbelt wird. Es ist verständlich, dass angesichts all dessen nie der Verdacht verstummte, das Votum sei gekauft worden.

          Was der Fußball-Weltverband Fifa selbst unternahm, ist bekannt: den zahnlosen Report eines gewissen Michael Garcia, der nichts bewirkte. Wie die Schweizer Behörden mit dem Anfangsverdacht umgingen, ist kein Geheimnis: Sie taten nichts, um die kriminellen Funktionäre des in ihrem Land ansässigen internationalen Sportverbandes aus dem Verkehr zu ziehen. Was blieb, war ein frommer Wunsch, der 2015 durch die spektakuläre Aktion amerikanischer Strafverfolgungsbehörden mit ihren Festnahmen, Anklagen und einer Lawine von Geständnissen neu auflebte: Ließe sich so der qatarische Masterplan zu Fall bringen?

          Nur eine Fata Morgana

          Es war wohl nie mehr als eine Fata Morgana. Denn der Schlag der New Yorker Justizbehörde gegen das gut geölte, mafiahafte Netzwerk aus Verbandsverantwortlichen und Fernsehrechtehändlern verfolgte andere Ziele, er sollte die illegalen Aktivitäten mit konkreten amerikanischen Bezügen lahmlegen: die Transfers von Schmiergeldern über amerikanische Banken, den Steuerbetrug einer Konföderation wie der Concacaf, die illegalen Absprachen bei Meetings in amerikanischen Hotels. Auch die dritte Tranche mit Anklagen gegen drei weitere Beschuldigte wird an diesem Kernziel nun nichts ändern. Selbst wenn dabei weitere Beweise dafür auf den Tisch kämen, wer 2010 im Fifa-Exekutivkomitee wie viel und von wem kassiert hat.

          Seit der Verhängung der spektakulären Haftstrafe von neun Jahren gegen den Paraguayer Juan Ángel Napout im Dezember 2017 geht es nur noch darum, die spektakuläre Intervention auf eine sinnvolle Weise abzuschließen. Es gibt noch wenige offene Rechnungen. Wie etwa gegen den in seinem Heimatland Trinidad gegen die Auslieferung ankämpfenden ehemaligen Fifa-Vize Jack Warner. Dass er allein im Rahmen der Russland-Bewerbung fünf Millionen Dollar zugesteckt bekommen haben soll, stellt zwar abermals die Rechtmäßigkeit der WM-Abstimmung in Frage. Aber diese Information sollte man, wenn überhaupt, im Kontext der Anklage gegen Warners Nachfolger Jeffrey Webb sehen. Der Mann von den Cayman-Inseln stand ganz oben auf der ersten Anklageschrift und bemüht sich seit seinem Geständnis von 2015 darum, den Ermittlern zu helfen, um so eine möglichst milde Strafe herauszuholen.

          Mit einer Entscheidung des Gerichts sollte man in ein paar Monaten rechnen. Mit etwas anderem jedoch nicht: An Qatar führt kein Weg mehr vorbei.

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