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Droht sogar Olympia-Absage? : Coronavirus sorgt wohl für Geisterspiele

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Von der ganzen Aufregung (noch) unbeeindruckt: Das Internationale Olympische Komitee hält an den Olympia-Plänen fest. Bild: AP

150 Tage vor den Sommerspielen in Tokio sieht das IOC noch keine Gefahr für das Großereignis. Dafür nehmen die Absagen von Sportveranstaltungen in den von Covid-19 betroffenen Ländern zu – besonders in Italien.

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          Trotz der Ausweitung des Coronavirus sieht das Internationale Olympische Komitee weiterhin keine Gefährdung für die Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio. „Die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 werden wie geplant fortgesetzt“, teilte das IOC am Montag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. „Gegenmaßnahmen gegen Infektionskrankheiten sind ein wichtiger Bestandteil der Pläne von Tokio 2020, sichere Spiele auszurichten.“

          150 Tage vor den Tokio-Spielen ist hingegen die Besorgnis in Italien, dem Schauplatz der Winterspiele 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo, besonders groß. Wegen der rasant ansteigenden Zahl der Erkrankten im Norden des Nachbarlandes steigt auch das Risiko der Einschleppung von Covid-19 durch den Reiseverkehr nach Deutschland. Unter der Leitung des Olympia-Chefarztes des Deutschen Olympischen Sportbundes, Bernd Wolfarth, werden die Mitgliedsverbände regelmäßig über die aktuelle Lage informiert, teilte der DOSB mit.

          Wegen des Ausbruchs des Coronavirus in Norditalien konnte die erste Vorstandssitzung zur Vorbereitung auf die Winterspiele in sechs Jahren 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo am Montag nur als Videokonferenz stattfinden. Dies teilte das Nationale Olympische Komitee Italiens mit. Die italienische Regierung hat außerdem alle Sportveranstaltungen in der Lombardei und Venetien abgesagt. Betroffen davon sind auch vier Serie-A-Spiele im Fußball gewesen.

          Die Sportbehörden beraten, ob am nächsten Wochenende die Partien der obersten Fußball-Profiklasse unter Ausschluss von Zuschauern ausgetragen werden sollen. Ein entsprechendes Dekret wurde am Nachmittag von der Regierung offenbar verabschiedet. Der Präsident der Serie A, Paolo Dal Pino, hatte zuvor in einem Brief an die Regierung darum gebeten, die Liga-Partien in den vom Coronavirus betroffenen Gebieten nicht auszusetzen, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Montag berichtete. Bedenken gibt es auch vor dem Europa-League-Spiel von Inter Mailand am Donnerstag gegen Ludogorez.

          Der bulgarische Klub hat bereits an den europäischen Fußball-Verband geschrieben und Informationen über die Situation angefordert. Die Uefa äußerste sich auf dpa-Anfrage zunächst nicht, ob das Coronavirus Auswirkungen auf die Europacup-Partien in dieser Woche haben. Auch die Deutsche Fußball Liga beobachtet die Lage. Nach dpa-Informationen stehen derzeit aber keine Spielabsagen zur Debatte.

          Der italienische Skiverband hat bereits alle seine Veranstaltungen im Land für eine ganze Woche ausgesetzt. Nur das Weltcup-Skirennen am kommenden Wochenende in La Thuile im Valle d'Aosta soll „vorerst“ noch stattfinden, man stünde „in ständigem Kontakt mit den Behörden“. Italien wird vom 18. bis 22. März in Cortina d'Ampezzo zudem das Ski-Weltcup-Finale ausrichten.

          Mit Sorge beobachtet auch der Veranstalter des Rad-Klassikers Mailand – Sanremo, Mauro Vegni, die Situation. „Im Moment gibt es keinen Plan B für Mailand – Sanremo“, sagte er dem Portal „cyclingnews.com“. Die 291 Kilometer lange Route des Eintagesrennens, das am 21. März stattfinden soll, führt von Mailand aus teils durch die Lombardei, in der besonders viele Coronafälle registriert wurden. Eine Streckenverlegung kommt für Vegni nicht infrage: „Es würde keinen Sinn machen, drei Viertel der Route abzuschneiden.“

          Mit Einschränkungen bei der am Mittwoch beginnenden Bahnrad-WM in Berlin rechnen die Organisatoren aktuell nicht. „Wir stehen in Verbindung mit dem Robert-Koch-Institut, dem Weltverband UCI und dem Arzt, der hier vor Ort ist. Es gibt nach wie vor keine extremen Vorgaben“, sagte Organisationschef Burckhard Bremer. Auch bei den anreisenden Teams sieht Bremer keine Probleme. „Die Chinesen waren schon drei Wochen in Grenchen (Schweiz) und haben dort trainiert, so dass dort die Zeit der Überwachung erfolgt ist.“

          Nicht nur in Italien gab es weitere Absagen von Sportveranstaltungen. In Südkorea wurde der Saisonstart im Fußball verschoben. Alle Spiele der K-League und der zweiten Liga seien von der Entscheidung betroffen, teilte ein Sprecher der K-League in Seoul mit. Zunächst werde an die Absage der ersten zwei bis vier Spieltage gedacht. „Wenn sich die Lage nicht verbessert, kann es länger sein“, sagte der Sprecher.

          Israel hat aus Sorge vor einer Verbreitung des Coronavirus ausländischen Läufern den Start an dem für Freitag geplanten Tel-Aviv-Marathon untersagt. Ursprünglich hätten rund 3000 Ausländer teilnehmen sollen, bestätigte eine Sprecherin der Stadt.

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