https://www.faz.net/-gtl-9krre

500 Tage vor Olympia : Fackeln für Fukushima

  • -Aktualisiert am

Das Olympiastadion von Tokio wächst noch (Bild von Juli 2018). Bild: AFP

Vor acht Jahren richteten das Erdbeben und der Tsunami verheerende Schäden und einen katastrophalen Nuklear-Unfall in Fukushima an. In 500 Tagen beginnt Olympia in Japan. Was diese Ereignisse verbindet? Die Antwort gibt die Politik.

          1 Min.

          In Japan beschäftigt man sich dieser Tage mit zwei Stichdaten, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Am 11. März war es acht Jahre her, dass das Erdbeben und der Tsunami verheerende Schäden und einen katastrophalen Nuklear-Unfall in Fukushima anrichteten. Zwei Tage später, an diesem Mittwoch, sind es noch 500 Tage bis zur Eröffnung der Olympischen Spiele am 24. Juli 2020 in Tokio. Was diese beiden Ereignisse verbindet? Da muss man die Politik fragen.

          Der olympische Event wird von der japanischen Regierung als „Rekonstruktions-Spiele“ etikettiert. Dagegen kann man vieles einwenden. Etwa, dass es in Japan Klagen gibt, heimische Bauunternehmen würden ihre Kapazitäten lieber der olympischen Infrastruktur zur Verfügung stellen als dem Wiederaufbau der geschädigten Regionen. Und dass es als unverhältnismäßig empfunden werden könnte, in Tokio Milliarden in ein Sportfest fließen zu lassen, während im traumatisierten Norden in absehbarer Zeit die finanziellen Hilfsprogramme auslaufen. Das sind Fragen, die sie sich innerhalb Japans stellen müssen.

          Olympia aber wird seine ganze Symbolkraft aufbieten, um dem Wiederaufbau-Thema zu entsprechen. In gut einem Jahr wird der olympische Fackellauf in den am schlimmsten zerstörten Gebieten beginnen. Die Fackeln sollen Metall enthalten, das aus den Notunterkünften der Katastrophe gewonnen worden ist. Spiele im Fußball, Baseball und Softball werden in den betroffenen Regionen abgehalten. Dann, so ist der Plan, soll die ganze Welt sehen können, wie weit sich die Region von dem Unglück erholt hat. Wie groß genau die Bedrohungen direkt aus dem havarierten Atomkraftwerk noch sind, bleibt allerdings unklar. Ängste gibt es sowieso immer.

          Das Ufo Olympia wird nächstes Jahr seine eigene Energie nach Tokio bringen. Überall auf der Welt bereiten sich Sportler auf die Spiele vor, die Qualifikation ist ihr größtes Verlangen. Das Budget der Spiele ist zwar dramatisch überzogen, von 22 Milliarden Euro spricht der Rechnungshof, von 10,3 das Organisationskomitee, das nur die direkt mit Olympia verbundenen Ausgaben einrechnet. Vielleicht aber ist das Spektakel das ganze Geld ja wert. Vielleicht erleben die Japaner ein Sommermärchen. Vielleicht entwickeln sie ein offensiveres Lebensgefühl und finanzieren sich die tröstliche Illusion, dass nach dem beängstigenden Desaster die Welt endlich wieder in Ordnung ist.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Weitere Themen

          WTA setzt Turniere in China aus Video-Seite öffnen

          Peng Shuai : WTA setzt Turniere in China aus

          Die ehemalige Doppel-Weltranglistenerste hatte einem führenden chinesischen Funktionär sexuelle Nötigung vorgeworfen. Nachdem sie drei Wochen als verschwunden galt, taucht sie latu Videos staatlicher Medien wieder auf Veranstaltungen auf.

          Topmeldungen

          Istanbul: Menschen kaufen Brot an einem Kiosk der Istanbuler Stadtverwaltung.

          Brief aus Istanbul : Kaufen Sie bitte nur ein Stück Brot!

          Erdoğan treibt die Menschen in der Türkei in die Armut. Er sucht Schuldige, erst im Ausland, dann im Inland. Doch die Menschen wissen, wem sie die Misere zu verdanken haben.
          Schwaches Bild von sich selbst: Wer unter dem Impostor-Syndrom leidet, traut seiner eigenen Berufsbiographie nicht über den Weg.

          Impostor-Syndrom : Wenn man sich niemals gut genug fühlt

          Ein geringes Selbstwertgefühl kann im Beruf dazu führen, dass Hochqualifizierte denken, ihre Stellung gar nicht verdient zu haben. Das Phänomen hat einen Namen: Impostor-Syndrom. Doch was können Betroffene dagegen unternehmen?
          Die Freie Universität Berlin

          FU Berlin : Heftige Vorwürfe gegen Uni-Kanzlerin Bör

          Die FU-Kanzlerin hat eine Personalagentur beauftragt, einen Bewerber für das Amt des Uni-Präsidenten zu finden. Weil der derzeitige Präsident im Amt bleiben will, zog sich die Agentur zurück. Bezahlt wurde trotzdem.