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Olympische Spiele : Remember 1981

  • -Aktualisiert am

Erteilte den Athleten eine Lektion eins in Machtpolitik: der ehemalige IOC-Präsident Juan Antonio Samaranch Bild: AFP

Alles neu in Baden-Baden: Vor vierzig Jahren wurde Olympia, was es heute ist – samt all seiner Probleme.

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          Es ist lustig, alte Bilder vom Olympischen Kongress 1981 in Baden-Baden anzusehen: Die Athletensprecher Thomas Bach, heute Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und Sebastian Coe, heute Präsident des Leichtathletik-Weltverbandes: faltenfrei, mit pechschwarzem Haar und wichtiger Miene. Diese Woche jährte sich dieser Kongress, der eine große sportpolitische Zäsur mit sich brachte, zum 40. Mal.

          In der Rückschau kann man sagen: Anders, als viele Interpreten glauben, war sein Vermächtnis nicht der sogenannte „mündige Athlet“. Vielmehr erteilte Juan Antonio Samaranch, der ein Jahr zuvor in Moskau gewählte IOC-Präsident, den 28 einge­ladenen Athleten, von denen fünf erstmals vor dem IOC das Wort ergreifen durften, Lektion eins in Machtpolitik: Wenn du im Spannungsfeld der Interessen Veränderungen durchsetzen willst, legitimiere sie durch die Athleten. Bach macht das heute genauso.

          Früher Ausgangspunkt

          Der junge Bach, Coe und die sowjetische Torwart-Legende Wladislaw Tretjak rannten bei dem Katalanen offene Türen ein, als sie die Abschaffung des Amateurparagraphen forderten. Schließlich herrschte Kalter Krieg, und die wohlversorgten Staatsamateure des Ostblocks brachten als Gegner von West-Athleten, die keinen Pfennig verdienen durften, die Statik des Teilnehmerfeldes in Schräglage.

          Kaum hatten die Athleten – Tretjak wurde durch Zugeständnisse eingenordet – ihren Willen, nahm die Session Tischtennis, dessen Stars da­mals schon um Preisgeld spielten, und Tennis ins olympische Programm. Bei der Premiere 1988 in Seoul wurde Weltstar Steffi Graf Olympiasiegerin. Ein Fest für das Vermarktungsgenie Samaranch.

          Olympia, wie es heute ist, nahm damals seinen Ausgangspunkt. Viele Probleme aber sind geblieben: der Hang zum Doping und dessen halbherzige Verfolgung. Und die politische Instrumentalisierung. Tretjak war es, der 1981 – begleitet von sowjetischen Funktionären – die Beibehaltung von Nationalflaggen und Hymnen forderte.

          Die Boykott-Spiele von Moskau lagen ein Jahr zurück, die Gegenboykott-Spiele von Los Angeles 1984 sollten noch kommen. Und heute? In wenigen Monaten wird China die Winterspiele in Peking ausrichten. Boykottforderungen wegen der Unterdrückung und Misshandlung von Minderheiten stehen im Raum. Doch sie werden nicht viel bewirken: Die Politik nutzt den Sport, nicht andersherum. Es gibt Dinge, die ändern sich nicht.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

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