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Leichtathletik-Skandal : „Danke, Lamine, für die Freundschaft“

IAAF-Präsident Lamine Diack während einer Pressekonferenz in Beijing Bild: AFP

Jede Enthüllung zu Doping und Korruption in der Leichtathletik wirft Fragen auf. FAZ.NET beantwortet vor der Vorstellung des zweiten Bericht der Sonderermittler die wichtigsten Fragen.

          Wie ist der Stand der Dinge bei den Leichtathleten?

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Die russischen Leichtathleten sind wegen systematischen Dopings aus dem Weltsport ausgeschlossen. Die russische Anti-Doping-Agentur und das Doping-Kontrolllabor in Moskau haben ihre Akkreditierung verloren. Für das Comeback zu Olympia in Rio de Janeiro arbeitet das russische Olympische Komitee an der personellen Neuorganisation der Leichtathletik.

          Was ist vom zweiten Bericht der Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zu erwarten?

          Richard Pound und seine Kollegen Günter Younger und Richard McLaren haben ihre Erkenntnisse über das kriminelle Treiben an der Spitze des Weltverbandes IAAF zunächst nur Polizei und Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Das war im Sommer 2015. Seitdem ermittelt die französische Justiz gegen Lamine Diack, der 16 Jahre lang Präsident der IAAF war, wegen Korruption und Geldwäsche. Er ist gegen Kaution auf freiem Fuß, seinem Sohn Papa Massata Diack droht die Verhaftung, sollte er nach Frankreich reisen. Gabriel Dollé, Leiter der Anti-Doping-Abteilung des Verbandes, hat zugegeben, dass er sich bestechen ließ. Diack junior und ein weiterer Verdächtiger, Habib Cissé, besaßen Verträge als Berater und Vertreter der IAAF.

          Ist die IAAF Täter oder Opfer?

          Man kann sogar den russischen Verband als Opfer verstehen. In ihrem Beschluss, einige Funktionäre lebenslang aus der Leichtathletik auszusperren – Ehrenpräsident Lamine Diack ist nicht betroffen – schreibt die Ethikkommission der IAAF jedenfalls: „Seit 2011 wurde der russische Verband von der IAAF erpresst.“ Opfer dürften aber vor allem eine Vielzahl betrogener Athleten sein. Laut Ethikkommission unterschlug die IAAF bei mindestens sechs russischen Leichtathleten Ermittlungen wegen abnormer Blutprofile. Zwei von ihnen gewannen in London 2012 Medaillen: Geher Sergej Kirdjapkin wurde Olympiasieger über 50 Kilometer, Geherin Olga Kaniskina gewann Silber über 20 Kilometer. Die IAAF behauptet, nur vier (nicht sechs) Leichtathleten hätten für London gesperrt sein müssen. Zu ihnen gehört Olga Kaniskina, nicht aber Kirdjapkin. Bei diesem habe das Expertenvotum nicht für eine Sperre ausgereicht. Beide sind inzwischen nicht mehr startberechtigt, aber weiter im Besitz ihrer Medaillen.

          In London gesperrt: die russische Athletin Olga Kaniskina

          War die IAAF ahnungslos?

          Am Dienstag wurden Briefe des damaligen Generalsekretärs der IAAF, Pierre Weiss, bekannt, in denen er vor der Weltmeisterschaft 2009 in Berlin den russischen Verband wegen abnormer Blutwerte von Athleten ermahnt. 2011 informierte der Manager der russischen Marathonläuferin Lilijana Schobukowa den IAAF-Mitarbeiter Sean Wallace-Jones darüber, dass die Athletin erpresst wird. Als sie 2013 gesperrt wurde, erstatteten ihr die Erpresser einen Teil des Geldes zurück.

          Belegen diese und weitere Sperren nicht, dass die IAAF sich korrekt verhielt?

          Der Verband beruft sich darauf, dass Mitarbeiter in Monte Carlo gegen den kriminellen Einfluss ankämpften. Verbands-Rechtsanwalt Huw Roberts soll bei Diack persönlich die Sperre russischer Doper durchgesetzt und die IAAF schließlich verlassen haben, als ihm die Unregelmäßigkeiten zu groß wurden. Er informierte den Sport-Gerichtshof Cas. Andere Mitarbeiter, auch Nick Davies, informierten die unabhängige Ethikkommission von den Merkwürdigkeiten im Verband.

          Aber?

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