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1. FC Kaiserslautern : Verbrennen von Steuergeld?

Erbe verpflichtet - aber wozu? Lauterer Fans im Fritz-Walter-Stadion Bild: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern aus der Zweiten Fußball-Bundesliga hat keine Angst vor teuren Risiken - und die ohnehin hochverschuldete Stadt muss auf Gedeih und Verderb mitspielen.

          In der Pfalz kochen wieder einmal die Emotionen hoch. Nicht nur wegen des unlängst so starken Auftritts der FCK-Elf, die beim Aufstiegsduell im proppevollen Fritz-Walter-Stadion den Mitkonkurrenten Köln abfertigte und sich damit ihre Chancen auf die Rückkehr in die Bundesliga erhält. Auch weil der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz die Kritiker seiner Arbeit im Umfeld des Vereins später in der ARD-Sportschau mit „kleinen Ratten“ verglichen hat, die mit dem wichtigen Sieg der Mannschaft „zurück in die Löcher“ geschickt worden seien. Damit sorgte er für einen Shitstorm in den einschlägigen Internetforen. Die Fans debattieren heftig.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Kaiserslautern ist einer der traditionsreichsten Fußballstandorte in Deutschland, der Klub ist eine Institution in der Region, manche sprechen sogar von einer Religion. Doch wieder mal stellt sich die Frage, wie gesund eine solch tiefe Verwurzelung ist. Während die Zweifel an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des zwischen erster und zweiter Liga pendelnden Klubs nicht aufhören, kämpft die Stadt Kaiserslautern mit einem dramatischen Schuldenproblem. Die Verbindlichkeiten liegen bei 750 Millionen Euro - es ist mit die höchste Pro-Kopf-Verschuldung in Deutschland. Dabei sind Kommune sowie Verein auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden. Zur Entschuldung des fast bankrotten FCK vor zehn Jahren hatte die Stadt die Fußballarena mittels einer Stadiongesellschaft übernommen und sich dafür selbst bei Banken Geld geliehen. Seither steht ein Kredit von etwa 65 Millionen Euro in den Büchern, der allerdings nicht getilgt werden kann.

          Wirtschaftsfaktor und Freizeiteinrichtung für die Stadt

          Die Mietzahlungen (3,2 Millionen pro Saison) des Vereins zur Nutzung des Stadions, die in der Vergangenheit unregelmäßig geflossen sind, reichen nur zum Bedienen der Bankzinsen. Manche sehen diese Belastung als tickende Zeitbombe. René Quante, der Geschäftsführer des Steuerzahlerbundes Rheinland-Pfalz, hat sich mit der Konstruktion befasst und sieht die Lage kritisch. „Wäre die städtische Stadion GmbH eine normale private Firma, so wäre sie längst ein Fall für den Insolvenzverwalter. Das Unternehmen ist überschuldet und fährt nur Defizite ein. Die Geschäftslage ist einfach nur grauenvoll. Dank massiver Hilfe der Steuerzahler konnte die Stadion GmbH bislang vor dem Aus bewahrt werden. Auf kurz oder lang wird Kaiserslautern gezwungen sein, die Schulden der dahinsiechenden Gesellschaft direkt zu übernehmen“, sagt er.

          Der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz hat die Kritiker seiner Arbeit im Umfeld des Vereins mit „kleinen Ratten“ verglichen

          Stadt und Verein sehen die Problematik anders. Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD), derzeit auf Reisen in den Vereinigten Staaten, lässt aus dem Rathaus mitteilen, wie wichtig der FCK als Wirtschaftsfaktor und Freizeiteinrichtung für die Stadt sei. In diesem Zusammenhang müssten auch die Stundungen und Besserungsscheine (Begleichung der Schulden in wirtschaftlich besseren Zeiten) für den Verein auf die Stadionmiete gesehen werden. Die Unterstützung sei eine „Hilfe zur Selbsthilfe“. Zudem zahle der Klub - zumindest derzeit - nach Plan. Trotzdem betont der Oberbürgermeister, er wolle das Stadion lieber heute als morgen loswerden. Der Verein verteidigt sich und spricht von einem „gesunden Fundament“, auf dem es sich seriös wirtschaften ließe. Aber ist das wirklich so?

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