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Sportler des Jahres : Kritik am Sportsystem

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Sportlerin des Jahres Christina Schwanitz mit Jan Frodeno: Weltniveau aus Leidenschaft Bild: dpa

Die „Sportlerin des Jahres“ Christina Schwanitz setzt zur Generalkritik am deutschen Sportsystem an. Der Fußball überstrahle alles, der Restsport zähle kaum etwas.

          Als die Show längst vorbei war, schlenderte Christina Schwanitz barfuß durch den Festsaal. Die Kugelstoßerin findet festliche Schuhe „total unbequem“. Sie wusste die große Bühne im Kurhaus von Baden-Baden bestens zu nutzen. Noch in der Nacht setzte die „Sportlerin des Jahres“ 2015 zur Generalkritik am deutschen Sportsystem an. Der Fußball überstrahle alles, der Restsport zähle kaum etwas.

          Christina Schwanitz saß auf der abschließenden Pressekonferenz im Zentrum des Podiums. Links neben ihr der „Sportler des Jahres“, Triathlon-Star Jan Frodeno. Noch weiter links hatte der Bundestrainer der Nordischen Kombinierer, Hermann Weinbuch, seinen Platz. Auch Weinbuch, dessen Team zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt worden war, freute sich, dass „mal nicht der Fußball im Mittelpunkt“ stand. „Letztendlich sieht man, dass auch andere Sportarten wertvoll sind“, sagte er. Nach 28 Jahren war Anfang des Jahres mal wieder ein nordisches Ski-Team bei einer WM erfolgreich gewesen. „Das gibt Kraft und Motivation, weil wir kämpfen bei uns im Skiverband auch ums Dasein.“

          Das große Geld fließt in Deutschland an den Nordischen Kombinierern, den Triathleten und der Leichtathletik vorbei. Christina Schwanitz kann vom Kugelstoßen längst nicht leben, sie verdient ihren Lebensunterhalt als Sportsoldatin. Auch die meisten von Weinbuchs Athleten sind bei der Bundeswehr. Nur Frodeno hat für einen anderen Beruf keine Zeit. Er ist die gesamte Woche mit Laufen, Schwimmen oder Radfahren beschäftigt. Selbst über die Weihnachtstage. „Training macht mich glücklich, und das brauche ich auch. Täglich“, sagte der Ausnahmeathlet.

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          Christina Schwanitz wird mit ihrem Sport wohl nie viel verdienen. „Es ist schon schade, dass man in der heutigen Zeit, wenn man Weltniveau bietet, nicht davon leben kann. In der Leichtathletik geht es noch um Leidenschaft und nicht darum, dass man damit viel Geld verdienen kann“, sagte sie. „Nach meiner Karriere interessiert es dann auch keinen mehr, dass ich Weltmeister geworden bin“, sagte die 29-Jährige, die an Heiligabend ihren 30. Geburtstag feiert.

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