https://www.faz.net/-gtl-43qo

Sportfernsehen : Sport, Sex und Sägen: Zehn Jahre DSF

  • Aktualisiert am

10 Jahre DSF: Die Fußball-Prominenz gratuliert Chefmoderator Brückner Bild: DSF

Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) ist seit zehn Jahren auf Sendung, doch der Sender ist „mittendrin statt nur dabei“ im Kampf, sich finanziell zu retten.

          Die große Geburtstagsfeier fiel aus, ab Sonntag aber werden die Highlights eines Sendejahrzehnts noch einmal aufleben. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) ist seit zehn Jahren auf Sendung, doch der Sender ist „mittendrin statt nur dabei“, sich finanziell zu retten. Der seit der Gründung defizitäre Spartenkanal ist Teil der Insolvenzmasse der gescheiterten KirchMedia und sucht in diesen Jubiläums-Tagen neue Investoren.

          Auch die Fußball-Bundesliga will bis Ende des Monats über eine 25,1-Prozent-Beteiligung entscheiden. Diese Option sicherte sich die DFL bei den Verhandlungen im Sommer mit der KirchSport AG.

          Radikaler Sparkurs

          Das DSF hat harte Zeiten hinter sich. Seit Leo Kirch 1993 aus Tele 5 einen Sportkanal machte, schreibt der Sender rote Zahlen. Die hochgesteckten Erwartungen haben sich weder für das DSF noch für die vielen Sportverbände erfüllt, die auf das große Geld für TV-Rechte hofften. Der Marktanteil des Programms, das zwar auch neben Erst-, Zweitliga- und internationalem Fußball,sowie Motorsport, Basketball, Handball, Eishockey auch Sägewettbewerbe und Reifenweitwurf bis zu „Sexy Sportclips“ bietet, lag im Jahresdurchschnitt zuletzt nur bei 0,9 Prozent.

          Seit sechs Monaten gibt es wieder leise Hoffnung. Dafür muss Geschäftsführer Stefan Ziffzer, der einst ein enger Vertrauter von Leo Kirch war, allerdings einen radikalen Sparkurs fahren. Ziffzer hat teure Sendungen gestrichen, um Produktions- und Studiokosten zu sparen. Der Traum, Synergieeffekte gewinnträchtig zu nutzen, als Sportdienstleistungszentrum (SDZ) in der Kirch -Gruppe, ist Vergangenheit. Der Sender muss aus eigener Kraft überleben, noch diktiert und abhäüngig von der Gnade der Kirch-Insolvenzverwalter und Gläubiger.

          Operatives Minus

          Premiere und Sat.1 haben die bisherigen Dienstleister-Verträge gekündigt, Ziffzer musste die Hälfte der Mitarbeiter entlassen. Dabei verlangt Sport im Fernsehen eine personalintensivere Produktion und Vermarktung, als das Programmieren von Sendekonserven in Abspielkanälen wir Kabel 1.

          Eigentlich sollte schon vor Jahren beim DSF der break even erreicht sein, im abgelaufenen Jahr beträgt das Minus aus dem operativen Geschäft laut Ziffzer „nur noch 15 Millionen Euro. Dieses Jahr rechnen wir erstmals mit einem ausgeglichenen Ergebnis“.

          Neue Interessenten

          Das DSF ist zumindest so attraktiv, dass sich vier Interessenten gefunden haben, die den Sender von der insolventen KirchMedia übernehmen möchten. Dazu kommt jetzt das Angebot von Ziffzer und seinem neuen Kollegen Marcus Meyer, der den Onlinedienst Sport1 maßgebend aufbaute, mit einem US-Investor als Finanzier den Sender mit einem so genannten Management-buy-out selbst zu übernehmen. Zum DSF-Paket gehören auch Sport1 und der Statistik-Dienst IMP (“Ran-Datenbank“)

          „Es wird auf alle Fälle weitergehen“, sagt Ziffzer, der für sein Modell keinen Wettbewerbsvorteil sieht: „Die Kaufsumme entscheidet.“ Mit der Fußball-Bundesliga steht ein Minderheitsgesellschafter bereit. „Wir wollen bis Ende des Monats entscheiden“, sagt Michael Pfad aus der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL).

          Geldverdienen mit Baumstammwerfen

          Die DFL besitzt durch den vergangenes Jahr abgeschlossenen TV-Vertrag eine Option für eine 25,1 Prozent-Beteiligung. Hoffnungen, mit dem Partner DFL auch in die Erstliga- Berichterstattung einsteigen zu können, macht sich das als Zweitliga- Sender geltende DSF nicht. „Ich glaube nicht, dass der Preis so weit fällt, dass wir es uns leisten können“, sagt Ziffzer.

          Der Sender Sat.1, der derzeit geschätzte 80 Millionen pro Saison zahlt, besitzt ein Vorkaufsrecht. Ziffzer gibt sich lieber bescheiden. „Der Versuch, mit den Großen mitzuspielen, ist gescheitert“, sagt der DSF-Geschäftsführer. Mit teuren Übertragungen, etwa Europapokalspielen, sei bei einem Spartensender zu wenig Quote zu erreichen.

          Stattdessen wird mit bis zu 20 Wiederholungen am Tag gespart und mit „Sexy Sport Clips“ und den entsprechenden Werbespots in der Nacht Geld verdient. „Es gibt nicht ansatzweise etwas, mit dem wir zu diesem Zeitpunkt so viel Geld verdienen können“, kommentiert Ziffzer das DSF- Nachtprogramm. Ähnlich sieht er das übrige Programm: „Wir müssen akzeptieren, dass mehr Menschen Baumstammwerfen sehen wollen als einige klassische Sportarten.“

          Kooperation mit dem DSB

          Allerdings hofft Ziffzer auch, den Deutschen Sportbund davon zu überzeugen, lieber Programmfläche beim DSF zu mieten, als darauf zu setzen, dank der Politik einen eigenen Sportspartensender zu gründen.

          Doch bis zum Deutschen Sportschützenfernsehen ist es noch ein weiter Weg, vorerst bleibt Fußball dominierend im Programmm. Und der wird auch im Mittelpunkt der ersten von drei Sondersendungen zum zehnjährigen Jubiläum am Sonntag um 11.00 Uhr stehen, die von Chefmoderator Rudi Brückner moderiert werden.

          Weitere Themen

          Finnland schafft das Eishockey-Wunder

          Eishockey-WM : Finnland schafft das Eishockey-Wunder

          Als schlechtester Kader der WM-Geschichte wurde das finnische Eishockey-Team in der Heimat zunächst verspottet – nun stehen sie ganz oben: Der Außenseiter besiegt ohne NHL-Stars Kanada im Finale 3:1.

          Topmeldungen

          Ministerpräsident Alexis Tsipras

          Schon Ende Juni : Neuwahl in Griechenland

          Weil seine Regierungspartei Syriza bei der Europawahl schlecht abgeschnitten hat, geht Ministerpräsident Alexis Tsipras in die Offensive: Im Juni soll ein neues Parlament bestimmt werden.

          Trauer und Jubel in Berlin : Den Grünen gehen die Superlative aus

          Während bei den Grünen die Freude über die Wahlergebnisse in Europa und in Bremen „wahnwitzig“ groß ist, ist die Stimmung bei der Union schon vor der Verkündung der Prognosen auf dem Tiefpunkt. Und bei der SPD wackelt die Parteichefin nach dem Doppeltiefschlag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.