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Sportbusiness : ISL: Vermarkter der Fußball-WM 2002 und 2006 droht der Konkurs

  • Aktualisiert am

Leo Kirch: Vor dem Einstieg bei ISL? Bild: dpa

Die Schweizer Agentur ISL hat sich schwer verschuldet und einen Aufschub des drohenden Konkursverfahrens beantragt.

          Die Schweizer Agentur ISL hat am Freitag eine Überschuldung zugegeben und bei einem Gericht in Zug einen dreimonatigen Aufschub des drohenden Konkursverfahrens beantragt. Die Luzerner Muttergesellschaft ISMM will mit einem starken finanziellen Partner und einer umfassenden Umstrukturierung das Unternehmen, dass die Marketingrechte und die Fernsehrechte außerhalb Europas für die beiden nächsten WM-Turniere besitzt, retten.

          Der Fußball-Weltverband Fifa reagierte umgehend und erklärte, dass seine Aktivitäten, insbesondere im Hinblick auf die WM 2002 in Japan und Südkorea „durch die Schwierigkeiten der ISMM-Gruppe nicht beeinträchtigt“ würden. „Die Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft 2002 wie auch für die übrigen Turniere kommen planmäßig voran“, teilte die Fifa mit.

          Auch in Deutschland werden die Aktivitäten von ISL mit großem Interesse verfolgt. Momentan befinden sich Franz Beckenbauer und Fedor Radmann sowie das gesamte Organisationskomitee der WM 2006 in Deutschland mit der Fifa und ISL in Verhandlungen, wie hoch die Zuschüsse der ISL an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) für die Organisation der WM sein werden.

          ISL hat für die Fifa Sponsoren und Branchen exklusiv unter Vertrag genommen, für den Verzicht auf lokale Sponsorensuche in diesen Branchen steht dem DFB eine Ausgleichszahlung zu. Doch trotz der „meldepflichtigen Überschuldung“, die ISMM einräumen musste, versicherten die Schweizer: „Der Umfang der Dienstleistungen in den Kernbereichen läuft zurzeit uneingeschränkt weiter.“

          Blatter beruhigt, ISL hält noch Verträge ein

          Fifa-Präsident Sepp Blatter erklärte allerdings in einem Gespräch mit der Neuen Züricher Zeitung (NZZ): „Im Moment ist die ISL nicht in Verzug. Sie ist allen Verpflichtungen nachgekommen. Wir wissen, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten ist, aber wir haben keine Möglichkeit, etwas gegen einen Vertragspartner zu unternehmen, der die Vertragspunkte einhält.“

          Gerüchte über finanzielle Schwierigkeiten der Vermarkter-Gesellschaft, die einst von adidas-Chef Horst Dassler gegründet worden war und für die vor Jahren auch der heutige WM-OK-Vize Radmann tätig gewesen ist, hatte es seit Monaten gegeben. Sie waren noch vor einer Woche von der Firma vehement dementiert worden.

          Kirch oder Bertelsmann vor Einstieg bei ISL?

          Jetzt hat ISL nach eigener Aussage einen „strategischen Partner“ an der Hand, der die laufenden Verpflichtungen (Raten an die Geschäftspartner, Gehälter, Bürokosten etc.) begleichen und die Firma mehrheitlich übernehmen will. Branchen-Kenner rechnen dabei mit der Kirch-Gruppe nach dem gemeinsamen WM-TV-Deal oder aber auf den Kontrahenten Bertelsmann, der mit seinen Aktivitäten in Frankreich (Ufa sports, M6) in einer Allianz mit der Vivendi-Gruppe international verlorenes Terrain wieder gut machen könnte.

          Finanziell übernommen hat sich ISL vor allem durch einen Zehn-Jahres-Vertrag mit der ATP-Tennis-Tour und durch einen 15-Jahres-Kontrakt mit den beiden brasilianischen Fußballklubs Gremio Porto Alegre und Flamengo Rio de Janeiro. Die dafür gezahlten Summen sind nicht refinanzierbar. Schlecht verhandelt wurde in Luzern auch bei Verträgen im Basketball und im Motorsport. Die Supro-League der Fiba erhielt unerwartete Konkurrenz, und mit der Cart-Serie - dem amerikanischen Gegenstück zur Formel 1 - trifft sich ISL vor Gericht.

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