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Sportbusiness : Boris Becker: Breaks gegen den Business-Mann

  • -Aktualisiert am

Boris Becker mit Helmut Thoma: Flop Sportgate Bild: AP

Der Weg vom gefeierten Sportstar zum Geschäftsmann ist nicht einfach. Schmerzvoll erfährt das auch Boris Becker: Mit Fehlinvestitionen und Vermarktungspleiten.

          3 Min.

          Der Weg vom gefeierten Sportstar zum erfolgreichen Geschäftsmann ist nicht einfach. Denn im Business reicht der berühmte Tunnelblick bisweilen nicht aus und auch der Nadelstreifenanzug garantiert noch keine gelungenen Investments.

          Boris Becker muss das derzeit schmerzvoll erfahren. Privat laut Ex-RTL-Chef Helmut Thoma dabei, „ seine verlorene Jugend nachzuholen“ nach der Scheidung von Ex-Ehefrau Barbara, ist der Glanz des Unternehmers Becker im Moment verblichen. Vor diesem Hintergrund wird sein kleines sportliches Comeback verständlich.

          „Börsengang wäre Selbstmord“

          Zwar hatte das Tennis-Idol schon vom Börsengang geträumt, aber die Realität hat ihn eingeholt. „Im Moment wäre es Selbstmord, mit einer Firma an die Börse zu gehen. Meine Sportvermarktungsagenturen BBI und BBM bieten leider nicht ausreichend genug Content“, sagte Becker im März kurz bevor das Internetportal Sportgate online ging.

          Drei Monate musste Sportgate, an dem Becker 55 Prozent der Anteile hielt, Insolvenz beantragen. Die Anteilseigner Paulus Neef (Pixelpark), Becker und der Deutsche Sportbund sind verstritten. Nichts mehr zu sehen von der Harmonie, mit der sie im August 2000 großspurig ihr joint venture ankündigten. Verbittert klagte Neef bei „Spiegel online“: „Mein geschäftliches Verhältnis zu Boris Becker bei Sportgate und bei allen zukünftigen Geschäften werde ich beeenden.“

          Fest steht: Nach seinem Karriereende hat der einstige „17jährige Leimener“ bisher nur eine Person erfolgreich vermarktet: Boris Becker. Seinen Namen hat er beim Patentamt unter der Nummer 39961882.1/28 als Marke schützen lassen. Zumindest als alltagsuntauglicher Single in seinem vierten Werbespot für AOL wirkt der frühere Tennis-Star glaubwürdig.

          Werbefigur Becker verliert an Popularität

          Ob der 33-Jährige aber nach Scheidungs-Schlammschlacht, Affären und unehelichem Kind ein erfolgreicher Testimonial bleibt, bezweifelt auch der renommierte Werbefachmann Holger Matt, Mitinhaber der Agentur Jung von Matt.

          Noch entlasten Beckers Promotion-Auftritte locker seine fehlgeschlagenen Investments: AOL entlohnt ihn mit einem Aktienpaket, der Sportbekleidungs-Hersteller Lotto zahlt 20 Millionen Mark für drei Jahre und der Automobilhersteller Mercedes zehn Millionen Mark in fünf Jahren für Werbung.

          Sein Engagement in diversen Unternehmen läuft dagegen bis auf seine drei Autohäuser in Mecklenburg-Vorpommern wenig erfolgreich. Die sollen angeblich einen Jahresumsatz von 100 Millionen Mark erwirtschaften. Doch die Boris Becker Marketing BBM und Boris Becker Sportmarketing BBI, die Events und Sportler vermarkten sollen, haben noch keine großen Erfolge zu vermelden. Die BBM wird derzeit gar abgewickelt.

          Nur wenige Sportler lassen sich von Becker vermarkten

          Sein Vermarktungskonzept für die ATP-Turnierserie der Tennis-Profis wurde abgelehnt. Und nur wenige echte Sportstars finden den Weg zu dem einstigen Wimbledon-Helden. Der bekannteste Tennisspieler, den er betreut, ist der deutsche Mitläufer David Prinosil.

          Auf dem Fußball-Sektor hat seine Agentur zwar Andrej Schewtschenko (AC Mailand) unter Vertrag, aber der Ukrainer gehört in Sachen Werbung und Popularität nicht zu den bekannten Größen. Bisweilen wirkt es bizarr: Da inszeniert er im Münchner Olympiastadion mit vielen Stars wie zum Beispiel Verona Feldbusch ein Fußballspiel, um stolz zu verkünden, er habe für Schewtschenko einen Werbevertrag mit der Computer-Reparaturkette Home Jumper abgeschlossen.

          Becker kooperiert mit Telegate-Chef Harisch

          Doch auch an dieser Firma ist Becker beteiligt, wie der Mehrheitsaktionär Klaus Harisch offenlegte. Telegate-Chef Harisch hatte mit dem Leimener auch die New Food AG gegründet, die im Sommer mit dem Vertrieb biologisch hochwertiger Lebensmittel beginnen sollte. Für Harisch war Becker ein gern gesehener Partner.

          Schließlich zahlte der für seine zehn Prozent eine Million Mark ein und diente als ein gutes Zugpferd für die Öffentlichkeitsarbeit. Aber auch die „New Food“-Vermarktung erwies sich als Reinfall.

          Weiterhin hält er auch noch ein 75 Prozent-Anteil an der ISR Hotel- und Sportmanagement GmbH. Alle Unternehmen und Beteiligungen sollen nun mit Hilfe von Hans-Dieter Cleven, dem Vize-Generaldirektor des Metro-Konzerns, in einer Holding gebündelt werden. Becker ist mit Cleven seit Jahren als 50-prozentiger Anteilseigner der Metro-Tochter Völkl Tennis verbunden.

          Drei Berater in einem halben Jahr

          Seit dem Tod seines Managers Axel Meyer-Wölden, der clever an der Vermarktung des Produkts „Becker“ arbeitete, und der für den Tennis-Crack durchaus eine respektierte Vertrauensperson war, verschleißt Becker seine Geschäftspartner.

          Nach dem früheren EM-TV-Aufsichtsrat-Vorsitzende Nickolaus Becker und dem ehemaligen Eurosport-Chef Thomas Deissenberger ist Cleven der dritte Berater im letzten halben Jahr, der alles richten soll. Beckers Problem: Er liebt Ja-Sager und keine Kritiker, wie ehemalige Geschäftspartner und Mitarbeiter selbst einräumen.

          Selbst der Metro-Manager wirkt sichtlich stolz, wenn er gemeinsam mit dem Tennis-Star abgelichtet wird. Aber er könnte es vielleicht schaffen, denn über ihn sagte Becker: „Von Leuten wie meinem Völkl-Partner Hans-Dieter Cleven kann ich noch viel lernen. Da halte ich auch mal den Mund und höre zu."

          Nach den vielen geschäftlichen Flops wird klar, warum sich Becker wieder auf seine eigentlichen Stärken besinnt und ein kleines sportliches Comeback anstrebt: In Sachen Selbstvermarktung und auf dem Tennis-Court war er in der Vergangenheit nur von wenigen zu schlagen.

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