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Anschlag auf BVB-Bus : Warum der Sport zum Terrorziel wurde

Der Dortmunder Bus mit der Mannschaft wurde Opfer eines Anschlags. Bild: dpa

Vor allem der Fußball war schon öfter Zielscheibe. Seit den Attentaten in Paris 2015 hat sich das trügerische Gefühl der Sicherheit aufgelöst. Es gibt Gründe, warum Sportveranstaltungen im Fokus der Täter stehen.

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          Eine Nacht im November 2015 hat alles verändert. Während des Fußball-Freundschaftsspiels zwischen Frankreich und Deutschland im Stade de France von Paris erschütterten Detonationen die Luft – der Terror hatte nach einer langen Zeit der vermeintlichen Sicherheit den Sport mitten ins Herz getroffen. Draußen hatte ein islamistischer Selbstmordattentäter versucht, mit einer Eintrittskarte ins Stadion zu kommen, im letzten Moment wurde er gestoppt, ergriff die Flucht und jagte sich selbst in die Luft. Er hatte vorgehabt, während des Länderspiels im Namen des Dschihads ein Blutbad anzurichten.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.
          Jan Ehrhardt
          Sportredakteur.

          Nach dem Spiel verschanzte sich die deutsche Mannschaft in den Katakomben des Stadions, die französischen Mitspieler blieben aus Solidarität bei ihren Kollegen, während immer mehr Nachrichten über die Anschläge von Paris mit am Ende 130 Todesopfern kursierten. Die Schwester des französischen Stürmerstars Antoine Griezmann war den Kugeln und Handgranaten in der Konzerthalle Bataclan nur mit Glück entkommen. Und die Cousine von Mittelfeldspieler Lassana Diarra wurde Opfer einer Schießerei auf der Straße.

          Plötzlich wurde deutlich, was die Akteure gerne verdrängen: Was für ein ideales Anschlagsziel große Sportveranstaltungen vor allem für politisch motivierte Täter sind. Die großen Menschenansammlungen. Die Medienpräsenz. Die weltweite Anteilnahme. Die ungeheure emotionale Wirkung. Die Symbolkraft. Bis zu diesem 13. November hatte der Sport sich – trotz aller auch deutlich spürbaren Sicherheitsmaßnahmen durch die Behörden – vergleichsweise sicher gefühlt vor der weltweiten Terrorbedrohung dieser Epoche. Doch heute ist der Reflex auf die Politik sofort da.

          Zum Beispiel nach den Explosionen am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am Dienstagabend. Unabhängig davon, welche Motive hinter dem Anschlag, der nach Behördenansicht die Mannschaft als Ziel hatte, stecken. Am Mittwoch wurde ein Islamist festgenommen. Ein Bekennerschreiben, das auf den IS hinweisen soll, wird allerdings als untypisch angesehen. In jedem Fall aber ist auch dieses Attentat als Angriff auf die freie Lebensweise des aufgeklärten Europas zu werten. Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer des BVB, hatte genau dies im Blick: „Ich habe gerade in der Kabine an die Mannschaft appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken.“

          Dortmund : Festgenommener offenbar nicht an BVB-Anschlag beteiligt

          Die Sicherheit war trügerisch, aber die Erfahrung überzeugend. Wenige Monate nach den Anschlägen des 11. September 2001 zum Beispiel wurden in den Vereinigten Staaten – in Salt Lake City – unbehelligte Olympische Winterspiele abgehalten – wenn auch unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Gewaltakte im Sport wurden weiter als Ausnahme gesehen, die Geiselnahme am 5. September 1972 bei den Olympischen Spielen in München blieb für lange Zeit das finsterste Kapitel der sportpolitischen Historie.

          Damals brachten palästinensische Terroristen elf Mitglieder der israelischen Mannschaft in deren Quartier im Athletendorf in ihre Gewalt – sie wollten Gefangene in Israel und deutsche Terroristen freipressen. Zwei Sportler, die Widerstand leisteten, wurden bereits in den ersten Stunden erschossen. Die Befreiungsaktion auf dem Luftwaffenstützpunkt Fürstenfeldbruck misslang katastrophal, alle Israeli, ein deutscher Polizist und fünf der acht Geiselnehmer starben. Trotzdem gingen die Spiele weiter.

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