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Sport im Fernsehen : Hannawald hält auch den Quotenrekord

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Das Hochgefühl beim Fliegen: Moderator Jauch und Experte Thoma Bild: dpa

Hannawalds Siegessprung sahen nach RTL-Angaben 14,89 Millionen Zuschauer. Jetzt fordert der Sender Regeländerungen, um das Potenzial noch besser auszuschöpfen.

          Dank des historischen Triumphes von Sven Hannawald bei der Vierschanzentournee ist der Fernsehsender RTL in eine neue Quoten-Dimension für Skispringen vorgestoßen.

          Bei Hannawalds zweitem Sprung am Sonntag kurz vor 16 Uhr erreichte RTL nach eigenen Angaben einen Spitzenwert von 14,89 Millionen Zuschauern (Marktanteil: 57,9 Prozent). Selbst beim Fußball-Klassiker Deutschland - England (12,35 Millionen) sahen nicht so viele Menschen zu wie bei „Hannis“ Sieg in Bischofshofen.

          Skispringen im Bereich von Formel 1 und Fußball

          „Diese Zahlen sind ein weiterer Triumph von Sven Hannawald. Damit ist Skispringen endgültig als eine der drei Quotenträchtigsten Sportarten etabliert“, sagte RTL-Informationsdirektor Hans Mahr. Mit durchschnittlich 13,33 Millionen Zuschauern im Finaldurchgang verbesserte der TV-Sender den bisherigen Haus-Rekord um mehr als drei Millionen (Neujahrsspringen 2001: 9,92 Millionen Zuseher).

          Der Durchschnittswert bei allen vier Stationen stieg im Vergleich zum Vorjahr um fast 40 Prozent von 6,85 auf 9,55 Millionen. Damit sprang Skispringen in einen Bereich vor, der bisher Fußball und Formel 1 vorbehalten war.

          RTL fordert künstliche Verknappung

          Gestärkt durch die Traumsprünge will Mahr nun Veränderungen am Reglement durchsetzen. Er sieht das Potenzial noch nicht ausgereizt und fordert statt des Weltcups mit insgesamt 23 Springen eine WM-Serie mit 15 Stationen.

          Mit der künstlichen Verknappung und regelmäßigen Terminen wie in der Formel 1 will er das Interesse weiter steigern. Auch möchte Mahr das Abschlussspringen der Vierschanzentournee immer auf einen Sonntag legen. Er habe in Bischofshofen schon Gespräche geführt und positive Signale empfangen.

          Verbände sperren sich gegen Regeländerungen

          Unzufrieden zeigte Mahr sich außerdem darüber, dass die deutschen Asse Sven Hannawald und Martin Schmitt mehrfach die Qualifikation ausgelassen haben. Das sei weder im Interesse der Zuschauer an den Schanzen noch vor den Bildschirmen: „Der Weltverband muss sich etwas einfallen lassen, damit Stars auch bei der Qualifikation antreten.“

          Die FIS sperrt sich indes gegen Veränderungen von außen. Für Walter Hofer, Skisprung-Renndirektor, ist schon jetzt klar: „Für Regeländerungen ist noch immer das Fis-Sprungkomitee zuständig, das wird hoffentlich auch so bleiben.“ Das Reglement sei transparent, flexibel und von sportlichem Wert: „Wenn es Einflüsse von außen gibt, werden wir dem Druck standhalten. Nach zehn Jahren des Fortschritts bin ich für das konservative Element.“

          Der Sport wird vom Sport gemacht

          Auch Bundestrainer Reinhard Heß sieht das Thema mit gemischten Gefühlen. „Ich war ziemlich sauer, dass darüber schon in einer Mannschaftsführersitzung während der Tournee diskutiert wurde. Fis-Sprunglaufchef Yggeseth muss doch wissen, dass man sowas nicht während der Saison diskutieren darf“, ärgerte sich Heß.

          Markus Schick, Sprecher des deutschen Skiverbandes (DSV), sagte: „Der Sport und das Reglement werden vom Sport gemacht.“ Mahrs Vorschläge bezeichnete Schick lediglich als „interessanten Diskussionsbeitrag". Eine Verlegung des Dreikönigs-Springens im kommenden Jahr lehnte er ab: „Traditionsveranstaltungen leben auch von traditionellen Regularien und Terminen.“

          RTL schreibt rote Zahlen mit Skispringen

          „Wir fordern nichts, geben nur Anregungen", sagte Mahr: „Davon profitieren alle Beteiligten." Generell sieht Mahr seine Strategie bestätigt: „Beim Rechtekauf 1997 haben viele gedacht, das ist die spleenige Idee eines österreichischen Auswanderers.“ RTL hat den Vertrag mit dem Deutschen Skiverband erst kürzlich für rund 76 Millionen Euro bis zum Winter 2006/07 verlängert.

          Der Sender schreibt trotz des wachsenden Interesses bei Werbepartnern und steigender Einschaltquoten mit den Skisprung-Übertragungen aber noch keine schwarzen Zahlen. Das sei nach dem Einstieg in die Formel 1 vor einigen Jahren auch so gewesen, erklärte Mahr.

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