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Spielabbruch : Krawalle in Turin

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Bild: AP

Der italienische Profifußball wird von einem neuen Skandal erschüttert. Nach schweren Zuschauerausschreitungen mußte das Spiel zwischen dem AC Turin und dem AC Mailand abgebrochen werden.

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          Der italienische Profifußball wird von einem neuen Skandal erschüttert. Nach schweren Zuschauerausschreitungen mußte am Samstag abend das Spiel der ersten italienischen Fußball-Liga zwischen dem AC Turin und dem AC Mailand beim Stande von 0:3 abgebrochen werden. Die Polizei setzte Tränengas ein, als zu Beginn der zweiten Halbzeit gewalttätige Fans im Stadion Delle Alpi Stühle abbrachen und aufs Spielfeld schleuderten.

          Einsatzkräfte wehrten sich mit Schutzschilden gegen die auf das Spielfeld stürmenden "Anhänger". Schiedsrichter Luca Palanca brach die Begegnung in der 63. Minute ab, als das eingesetzte Tränengas eine Fortsetzung unmöglich machte. Der Schiedsrichter hatte die beiden Mannschaften zunächst in den schützenden Stadiontunnel beordert. Auslöser der Krawalle waren die berüchtigten "Ultras", teilten die Sicherheitskräfte mit. Nach dem Spielabbruch kam es im Umfeld des Stadions zu weiteren Schlägereien.

          Liga-Chef Adriano Galliani zeigte sich tief getroffen. "In keinem anderen europäischen Land ist die Situation in den Stadien so besorgniserregend. Das Problem der gewalttätigen Fans ist zu einer echten Plage geworden, die die Zukunft des italienischen Fußballs gefährdet." Galliani begrüßte den sogenannten "Anti-Gewalt-Erlaß", der von der Regierung am Freitag verabschiedet worden war. Mit dem Dekret können Gewalttätige, die innerhalb von 36 Stunden nach dem Spiel festgenommen werden, dank eines Schnellverfahrens sofort vor Gericht gebracht werden. Zugleich wurden die Sicherheitsmaßnahmen rund um die Stadien wesentlich verschärft. "Nach der Regierung müssen auch die Klubs ihre Verantwortung für diese erschreckende Gewaltwelle übernehmen. Wir müssen alles Mögliche unternehmen, um die Hooligans zu isolieren", sagte Galliani.

          Der Präsident der Spielergewerkschaft AIC, Sergio Campana, forderte strengere Sicherheitsmaßnahmen auch zum Schutz der Spieler, die in Italien immer häufiger Aggressionen seitens der Tifosi zum Opfer fallen. Aktionen gegen Spieler seien in den letzten Monaten vor allem in der Serie B und C fast an der Tagesordnung gewesen. "Die Spieler sind müde, in diesem gewalttätigen Klima leben zu müssen. Der Sport ist ein Opfer dieses unerträglichen Zustands", sagte Campana.

          Vergangene Woche hatte der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu außerdem vor dem Parlament berichtet, daß sich seit Meisterschaftsbeginn die Zahl von verletzten Fußballfans bei Spielen der Profivereine verdoppelt habe. 562 Polizeibeamte mußten seit September ärztlich behandelt werden, im Vergleichszeitraum 2001/02 waren es noch 171 gewesen. In 42,9 Prozent der Fälle mußte die Polizei wegen Krawallen zwischen Anhängern zweier rivalisierender Klubs eingreifen. In 42,9 Prozent der Fälle wurden die Polizeibeamten selbst von den Hooligans attackiert.

          Hooligans stürmen den Innenraum
          Hooligans stürmen den Innenraum : Bild: dpa

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