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Sperre für Russen und andere : „Absolutes Neuland“

Biathlontrainer Pichler: Gegen die Nicht-Akkreditierung steht ihm kein Beschwerdeweg offen Bild: dpa

Der schwedische Biathlon-Trainer Pichler darf nicht nach Pyeongchang, weil in er in Sotschi noch die Russen betreute. Doch die Olympia-Sperren des IOC stehen auf unsicherem Grund.

          4 Min.

          Wolfgang Pichler muss zu Hause bleiben. Keine Olympischen Winterspiele für den Biathlontrainer aus Ruhpolding in schwedischen Diensten, keine Reise nach Pyeongchang. „Wir akzeptieren und verstehen die Haltung des IOC, dass Mannschaftsführer, die mit russischen Athleten gearbeitet haben, die im Zusammenhang mit den Spielen in Sotschi Doping-Verstöße begangen haben, in Pyeongchang nicht teilnehmen dürfen“, heißt es in einer Mitteilung des schwedischen Biathlon-Verbandes.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Pichler war von 2011 bis zu den Spielen in Sotschi Trainer der russischen Biathleten, zunächst sogar Chef-Trainer. Und in Punkt 6b der Entscheidung des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) vom 5. Dezember heißt es: „Kein Trainer oder Arzt eines Athleten, der eines Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln schuldig befunden worden ist, kann auf die Einladungsliste aufgenommen werden.“ In Pichlers Trainingsgruppe trainierten Olga Saizewa und Jana Romanowa, zwei der drei durch das IOC lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossenen Biathletinnen.

          Noch Ende 2014 hatte Pichler gesagt, er könne für seine Sportlerinnen „die Hand ins Feuer“ legen. Die für die individuellen Strafen zuständige IOC-Kommission hat Saizewa und Romanowa wie Olga Wiluchina als Profiteure des staatlich koordinierten Doping-Programms gesperrt – unter Verweis auf die Beweismittel, die inzwischen zu mittlerweile insgesamt 43 lebenslangen Olympia-Ausschlüssen russischer Sportler geführt haben: die Analyse von Kratzspuren an den Probenflaschen und die Darstellung des großen Betrugs von Sotschi in der mehr als 50 Seiten umfassenden Versicherung an Eides statt durch den heutigen Kronzeugen Grigorij Rodtschenkow, den früheren Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, und dessen olympischer Außenstelle am Schwarzen Meer. Pichler beklagt in der schwedischen Tageszeitung „Dagens Nyheter“, dass seine demokratischen Rechte durch das IOC verletzt werden – gegen die Nicht-Akkreditierung steht ihm kein Beschwerdeweg offen.

          Die Chancen seiner ehemaligen Sportlerinnen und mutmaßlichen Profiteurinnen des ministeriell aufgezogenen Betrugs auf einen Auftritt in Pyeongchang stehen dagegen nicht ganz so aussichtslos. Erst recht nicht, seit das Doping-Panel des Internationalen Bob- und Skeletonverbands (IBSF) am Mittwoch entschied, Alexander Tretjakow (Skeleton) und Alexander Subkow (Bob) für den Weltcup nicht wieder vorläufig zu sperren – obwohl ihm in diesen Fällen die Begründung für den Olympia-Ausschluss des IOC vorlag. So verstößt der Verzicht, Rodtschenkow persönlich anzuhören, nicht nur gegen den Kodex der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, sondern vermutlich auch gegen Schweizer Prozessrecht und Artikel 6 der Europäischen Menschenrechtskonvention, in der das Recht auf ein faires Verfahren niedergeschrieben ist. Für diese Entscheidung wird das Doping-Panel des Verbandes nun von der eigenen Exekutive vor dem Sportschiedsgericht Cas verklagt, und das IOC teilt mit, es könne die Entscheidung „weder verstehen noch akzeptieren“. Das Panel „hat eindeutig nicht verstanden, dass (. . .) zivilrechtliche Maßstäbe gelten“.

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