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Snowboard : Flashback des Kaunertal Opening 2001

  • -Aktualisiert am

Party- und Brettspaß im Kaunertal Bild: AP

Zehntausend Snowboardbegeisterte pilgerten am Wochenende zum 16. Snowboarder Opening ins Kaunertal und FAZ.NET war dabei.

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          Nach sieben Stunden Autofahrt sind sich die Opening-Pilger aus dem Rhein-Main-Gebiet einig: „Wir sind wahnsinnig.“ Die zusammengedrückten Pobacken schmerzen, sämtliche Cola-Flaschen sind leer und die deutsche Hip Hop CD kann keiner mehr hören. Doch beim ersten Schild „Kaunertal“ bricht Jubel aus. Ab ins „Kiwi“, denn dort treffen sich die Snowboarder zum „Avant“ des Opening 2001.

          Gutgelaunt nach ein paar Bierchen fährt man mit dem Auto zur Pension - direkt in die Arme der österreichischen Alkoholkontrolle. Auch die Polizei will schließlich etwas verdienen an den Wilden, die drei Tage lang in dem kleinen Ort Feichten unterhalb des Gletschers den Ton angeben. Selbst fürs Skateboardfahren auf der Straße haben sie sich eine Buße einfallen lassen: „300 Schilling, wenn wir euch noch mal erwischen.“

          Kostenlos neues Material testen

          Sonne, blauer Himmel und Hardrock-Musik: Ein perfekter Samstag für eine Saisoneröffnung. An den Verleihstationen auf dem Gletscher wird eifrig geschraubt. Wer an diesem Tag mit seinem eigenem Brett fährt, ist selbst schuld. Über 20 Anbieter stellen ihr brandneues Material kostenlos zur Verfügung. Die Renner sind Snowdecks, Skateboards ohne Rollen. Aber auch die Snowboards, die aussehen wie Snakeboards mit beweglichen Mittelteilen, werden gerne getestet. Ein Aussteller bietet seine Erfindung an: kleine Fingerboards, die mit Wäscheklammern zu einer Bank umgebaut als Handyhalter funktionieren. Leider nicht zum Ausleihen.

          Um die Mittagszeit ist die Bergstation gefüllt mit Snowboardern, aber auch der Bürgermeister vom Kaunertal sitzt dabei und isst seine Suppe. Früher habe es im Ort immer Probleme gegeben, wenn die Snowboarder eingefallen sind. Seitdem das Partyzelt aber von allen Betrieben bewirtschaftet wird und so alle etwas an den Wilden verdienen können, beißen die Kaunertaler die Zähne zusammen.

          Wahnsinn lohnt sich manchmal

          Der Schnee auf der Piste wird sulzig, beim Cola-Wodka an der Liftstation wird die Anstehzeit noch sinnvoll genutzt. Um 16 Uhr ist Feierabend. Bei der Abfahrt ins Tal zeigen sich die wahren Helden des Openings: unverfrorene Camper, die ihr Zelt aufgeschlagen haben und die Nacht outdoor verbringen. Komfortabler ausgerüstet sind die kleinen Busse, die kreuz und quer um das Partyzelt herumparken, und als vergrößerte Stereoanlage dienen.

          Die Party beginnt um 20 Uhr - um 21 Uhr ist das Zelt schon zur Hälfte gefüllt. Die Snowboardfans kaufen brav ihr Bier bei den Gemeindemitgliedern, um es beim Hüpfen vor der Bühne wieder zu verschütten. Einige entsorgen ihre Becher, in dem sie sie ihren Stars auf der Bühne zuwarfen. Die waren davon allerdings weniger begeistert. „No disrespect“ forderte Rapper Mc Torch und feuerte sein Mikro in die Ecke. Das Publikum feierte trotzdem bis Sonnenaufgang.

          Schweizer Joel Strecker gewinnt den Wettbewerb

          Wer konnte, erlebte am Sonntag das Finale des Jump Contests: Gesetzte Spitzen-Snowboarder mischten sich mit den 16 Besten der Qualifikation aus insgesamt 90 Fahrern. Erstmals war eine Kombination aus Straight Jump und Corner gefordert, die Rider mussten zwei Sprünge absolvieren.

          Mit einem Cap 900 beeindruckte der ungesetzte Schweizer Joel Strecker und bekam als Sieger die begehrte Wildcard für den Wiener "Soul City" zu Sylvester. Der amtierende Schweizer Freestylemeister Reto Kestenholz kam auf den 2. Rang, gefolgt von Christoph Schmidt aus Schliersee. Die 10.000 Mark Preisgeld teilten sich die Finalisten untereinander.

          Glücklich waren auch die Snowboardfans, die ein Autogramm von dem zweifachen Air & Style-Sieger Stefan Gimpl und Halfpipe-Idol Xaver Hofffmann ergattern konnten, die zwar beim Opening dabei waren, aber lieber Unterschriften als Sprünge leisteten. Die siebenstündige Rückfahrt konnte mit der Gewissheit angetreten werden: „Wir sind zwar wahnsinnig, aber es hat sich gelohnt.“

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