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Snooker-Star O’Sullivan : „Ich lebe nach meinen eigenen Regeln“

Ich habe in meinem Leben kein Gefühl erlebt, das dem vergleichbar ist, bei einem großen Turnier zu spielen, auf der großen Bühne zu stehen, an einem Tag, an dem ich auf dem Gipfel meines Könnens bin. Nichts kommt dem nahe. Es fällt mir sehr schwer, zu beschreiben, wie das ist. Das Einzige, was ich sagen kann: Es ist das beste Gefühl der Welt.

Wie oft passiert das?

Es gibt vielleicht drei oder vier Turniere in einer Saison, wo das passiert, wo alles leicht und mühelos wird. Wenn man richtig Lust auf den Wettkampf hat und es gar nicht abwarten kann, wieder an den Tisch zu kommen.

Eine von zahlreichen Trophäen. Ronnie O’Sullivan hat schon alles erreicht was man erreichen kann.
Eine von zahlreichen Trophäen. Ronnie O’Sullivan hat schon alles erreicht was man erreichen kann. : Bild: AP

Wie sehr brauchen Sie das Publikum?

Ich zeige den Leuten natürlich gern, was ich kann. Ich weiß, dass sie es lieben. Und dass sie noch keinen anderen gesehen haben, der so spielt wie ich. Ich bin der wahrscheinlich einzige Mensch auf dem Planeten, der ihnen das zeigen kann. Aber ich brauche die Zuschauer nicht, um den Antrieb zu spüren, mein Bestes zu bringen. Ich mag es, gut zu spielen, ob jemand zuschaut oder nicht.

Suchen Sie in jedem Stoß die Perfektion? Oder wählen Sie manchmal eine Aktion, die nur psychologisch wirken, Ihren Gegner verunsichern soll?

Früher dachte ich, dass es den perfekten Stoß gebe - aber es gibt keine Perfektion. An manchen Tagen scheint es so, wenn alles leichtfällt. Aber man macht immer noch Fehler. Heute ist mir das egal, denn ich weiß, ich bekomme immer noch eine Chance, die Partie zu dominieren.

Und die Psycho-Spiele?

Ich spiele nie psychologische Spiele. Mir reicht die psychologische Wirkung, die entsteht, wenn ich einfach nur mein bestes Snooker spiele. Das setzt meinem Gegner zu, das reicht.

Nervt es Sie, wenn Gegner solche Spielchen mit Ihnen versuchen?

Manche tun es, nehmen das Tempo aus dem Spiel. Dann kommt keine Intensität in die Partie, das ist langweilig und manchmal schwierig für mich. Ich habe das nie so versucht. Als Stephen Hendry der Beste der Welt war und ich neu in die Szene kam, hatte ich nur einen Plan: mein Spiel zu verbessern, bis es besser ist als seins. Ich wollte, dass er sein bestes Spiel zeigt und ich ihn trotzdem besiege. Den Gegner zu nerven, damit er schlechter spielt, das war nie meine Philosophie.

Im April wollen Sie zum sechsten Mal Weltmeister werden. Das Turnier im Crucible Theatre in Sheffield dauert 17 Tage, manches Match länger als zehn Stunden. Wie kann man sich so lang konzentrieren?

Du kannst nicht 17 Tage lang gut spielen. Um die WM zu gewinnen, brauchst du neben guter Form die richtige mentale Einstellung und musst hochprofessionell sein. Wenn ich zur WM gehe und sage: mal sehen, was so geht, dann werde ich sie wahrscheinlich nicht gewinnen.

Wie sehr interessieren Sie historische Rekorde? Sie haben schon 13 „Maximum Breaks“ (je 147 Punkte) und 786 „Centuries“ (Aufnahmen von über 100), beides Bestmarken.

Beides ist großartig. Aber ich glaube nicht, dass ich Hendrys Rekord von sieben WM-Titeln brechen werde. Steve Davis gewann die UK Championship sechs Mal, ich fünf Mal, Hendry gewann sechs Masters, ich fünf. Ich habe einige ihrer Rekorde gebrochen, aber weißt du was? Ich lasse ihnen einige. Ich kann nicht alle haben.

Reizt es Sie, Olympiasieger zu werden, falls Snooker 2020 in Tokio ins Programm aufgenommen wird?

Nein. Ich finde nicht, dass Snooker ein olympischer Sport ist, so wie Rudern oder Leichtathletik, wo Sportler vier Jahre ihres Lebens opfern, um eine Goldmedaille zu gewinnen.

Sie sind in England ein Star weit über Snooker hinaus, auch im Rest der Welt wächst Ihre Bekanntheit. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin eine öffentliche Figur, viele Menschen erkennen mich, jubeln mir zu, dafür bin ich dankbar. Aber ich verteidige mein Privatleben. Ich kann nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche Ronnie O’Sullivan, der Snookerspieler sein. Da würde ich verrückt.

Sie wirkten früher manchmal wie ein Getriebener. Fühlen Sie sich heute wie ein freier Mann?

Ich liebe es. Freiheit ist großartig. Nichts ist besser. Das Beste, das Gott und dieser Planet mir gaben. Ich mache nur das, was ich will, und ich mache einen guten Job. Ich lebe nach meinen eigenen Regeln. Solange du deinem Herzen, deiner Leidenschaft folgen kannst, hast du ein gutes Leben.

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