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Skistar Shiffrin macht Pause : Krise, welche Krise?

Star im Schnee: Mikaela Shiffrin kann auch verlieren Bild: AP

Drei Ausfälle binnen acht Tagen. Die sonst unfehlbar scheinende Skifahrerin zeigt kurz vor Olympia ungewohnte Schwächen. Doch Mikaela Shiffrin hat einen Plan B.

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          Von einer Krise wollte Kilian Albrecht nicht sprechen. Und verletzt oder krank sei Skistar Shiffrin zum Glück auch nicht. „Mikaela ist nur ein bisschen müde“, meinte ihr Manager auf Nachfrage, „und dann passieren eben solche Fehler.“ Selbst bei einer Hochbegabten wie der 23-Jährigen aus Vail in Colorado ist eben nicht ausgeschlossen, dass sie mal ein paar Rennen nacheinander nicht gewinnt – möglicherweise sogar ausscheidet.

          Doch die Häufung in den vergangenen acht Tagen war schon bemerkenswert: Erst kam Mikaela Shiffrin beim Super G in Cortina d' Ampezzo nicht ins Ziel – das wurde zunächst nicht weiter beachtet, denn der halbschnelle Speed-Wettbewerb ist die einzige Disziplin, bei der sie nicht zu den Sieganwärterinnen gehört. Dann unterlief ihr aber beim Riesenslalom am Kronplatz ein banaler Innenskifehler schon im oberen Teil des ersten Durchgangs. Und schließlich rauschte sie beim Slalom in Lenzerheide zwar wie gewohnt mit großem Vorsprung dem erwarteten Sieg entgegen, geriet aber vier Tore vor der Ziellinie in Rücklage und rutschte an einer Vertikalen vorbei. In ihrer Not versuchte sie sogar noch hochzusteigen wie ein Ski-Exot, um ein paar Pünktchen statt der gewohnten 100 zu retten, verharkte sich aber an der Stange und wurde letztlich doch als „DNF“ gewertet: „Did not finish“.

          Rang sieben beim Riesenslalom in Lenzerheide dazwischen war noch das einzig zählbare Resultat in einer Woche, wie sie die sieggewohnte Amerikanerin in ihrer Ski-Karriere nicht erlebt hatte, seit sie 2011 im Weltcup aufgetaucht war. So kurz vor den Olympischen Spielen hegten die Konkurrentinnen schon die Hoffnung, dass die meisten Goldmedaillen in Südkorea wohl doch nicht für Shiffrin reserviert sind. Doch so schnell lässt sich eine echte Amerikanerin keine Krise einreden. Stattdessen hatte sie schnell Plan B zur Hand: sie verzichtet auf den für Dienstag angesetzten Parallel-Slalom in Stockholm und die beiden Abfahrten am kommenden Wochenende in Garmisch-Partenkirchen. Stattdessen fliegt sie schon am Mittwoch nach Südkorea, um sich ausgiebig auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten.

          Was hilft gegen schlechte Resultate? Gar nicht erst mitfahren.
          Was hilft gegen schlechte Resultate? Gar nicht erst mitfahren. : Bild: EPA

          „Ein paar Tage Pause, ein paar Tage konzentriertes Training, dann ist alles wieder gut“, versprach Kilian Albrecht, Shiffrins 44 Jahre alter Manager, der zu seiner aktiven Zeit selbst beinahe eine Olympia-Medaille im Slalom gewonnen hätte, doch in Salt Lake City 2002 knapp geschlagen Vierter wurde. Albrecht ist ungewöhnlichen Lösungen nicht abgeneigt: als er für den österreichischen Kader einst zu schwach wurde, nahm er 2006 die Staatsbürgerschaft Bulgarien an, und startete für seine Wahlheimat sogar bei den Olympischen Spielen von Vancouver 2010.

          Zu dieser Zeit war Shiffrin erst 15, doch kurz danach enterte sie den Weltcup und seit 2013 dominiert sie die Slalom-Szene fast nach Belieben. Sie gewann nicht nur 30 Weltcup-Slaloms, sondern auch drei WM-Titel nacheinander und wurde zur Krönung schon mit 19 Olympiasiegerin in Sotschi. Im Bestreben, eine „komplette Skifahrerin“ zu werden, hat sie ihren Fokus zuletzt aber zunehmend auch auf die Speed-Disziplinen verlagert – und gewann prompt Anfang Dezember in Lake Louise bei ihrem erst vierten Start schon zum ersten Mal eine Weltcup-Abfahrt.

          Im aktuellen Gesamt-Weltcup hat Mikaela Shiffrin nach 28 von 39 Rennen mit 1513 Punkten fast genau doppelt so viele gesammelt wie die Zweitplazierte Wendy Holdener (762) aus der Schweiz. Die große Kristallkugel wie auch der Sieg im Slalom-Weltcup sind ihr kaum noch zu nehmen. Auch in Riesenslalom und Abfahrt liegt sie jeweils aussichtsreich auf Rang drei. Nur im Super-G hängt sie als 25. etwas hinterher.

          Ob sie aber in ihrem Bestreben, der Unsterblichkeit in den Ski-Geschichtsbüchern näher zu kommen, bei den Olympischen Spielen tatsächlich alle fünf Disziplinen inklusive Kombination angehen wird, das wollte Albrecht an diesem Montag noch nicht bestätigen. „Das sehen wir dann“, war seine vielsagende Antwort. Eine gut gesetzte Pause hilft ja manchmal mehr als allzu viel Beschäftigung.

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