https://www.faz.net/-gtl-44f1

Skispringen : „Wir werden die richtige Antwort geben“

  • Aktualisiert am

Tatendurstig nach der Pleite: Sven Hannawald Bild: dpa

Kurz vor Saisonende hat Sven Hannawald seine Führung im Gesamt-Weltcup verloren. Bei den Holmenkollen-Spielen in Oslo stoppte ihn vor allem die Jury - sagt zumindest Bundestrainer Heß.

          2 Min.

          Sven Hannawald beschuldigte wütend die Jury, Reinhard Heß fühlte sich veralbert - der umstrittene Abbruch des Nebelspringens von Oslo hat den deutschen Vorflieger vorerst die Gesamtweltcup-Spitze gekostet.

          Vor den letzten vier Fliegern des zweiten Durchgangs brach die Rennleitung das Holmenkollen-Springen „aus Sicherheitsgründen“ ab. So kam für den bis dahin führenden Hannawald der 14. Platz des ersten Durchgangs in die Wertung. Gut eine Woche nach dem medaillenlosen WM-Desaster büßte der immerhin im Teamspringen auf Rang drei gesegelte Hannawald damit vor den letzten vier Springen das gelbe Trikot an Sieger Adam Malysz aus Polen ein.

          Hannawald von der Jury gestoppt

          „Die haben abgebrochen, weil ein Norweger auf Platz zwei war. Ich hätte vielleicht noch einen Platz auf dem Treppchen holen können, aber es hat nicht sollen sein“, meinte Hannawald frustriert: „Ich habe vergeblich zu Gott gebetet. Immerhin nehme ich das gute Gefühl des zweiten Sprungs mit und greife in Lahti voll an. Wär schon schön, wenn es am Ende mit dem Gesamtweltcup-Sieg klappt.“

          111,7 Punkte für 114 Meter hatte Hannawald im ersten Durchgang für seinen mit wild rudernden Armen gelandeten Sprung erhalten. Von Platz 14 startete der Kämpfer in der immer dichter werdenden Nebelsuppe mit einer „Rakete“ auf 122,5 Meter die große Aufholjagd, ehe die Jury den schon auf Rang fünf vorgesprungenen Deutschen stoppte.

          „Die Sicht ist immer schlechter geworden. Zu allem Überfluss hat die Feuchtigkeit noch die Brillen beschlagen. Es war einfach zu gefährlich“, begründete Jurychef Walter Hofer die von 50.000 Fans mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierte Entscheidung. Chefcoach Heß konnte die Welt nicht mehr begreifen: „Unglaublich. Da hätte der gesamte zweite Durchgang nicht durchgezogen werden dürfen. Die Bedingungen waren von Beginn an schlecht.“

          Das deutsche Team verzichtete trotz des unverständlichen Abbruchs auf einen Protest - laut Heimtrainer Wolfgang Steiert ist dieser Vorfall genau die richtige Motivation für Sven Hannawald: „Wir werden bei den nächsten Weltcups in Lahti die richtige Antwort geben.“

          „Ich beschäftige mich nicht mit Rechnereien“

          Doppel-Weltmeister Adam Malysz konnte sich mit 133,6 Punkten für einen 124,5-Meter-Flug über seinen ersten Saisonsieg vor den mit 118,8 Punkten gemeinsam auf Rang zwei gelandeten Florian Liegl (Österreich) und Roar Ljoekelsoy (Norwegen) freuen. Im Gesamtweltcup wandelte er einen 74-Punkte-Rückstand auf Hannawald vor Oslo mit nunmehr 1027 Zählern in einen Vorsprung von acht Punkten um. Vier Einzelspringen stehen noch aus, pro Sieg gibt es 100 Zähler. Hannawald: „Ich beschäftige mich nicht mit Rechnereien. Ich bin in der sechsten Klasse von der Schule abgegangen und hatte eine sechs in Mathe.“

          Das schwache deutsche Abschneiden komplettierten Michael Uhrmann (Rastbüchl) auf Platz 16 und Martin Schmitt (Furtwangen) als 27. Hannawald hatte schon im Teamspringen am Vortag mit 120 und 107 Metern nicht gänzlich überzeugen können. „Da war ein bisschen zu viel Gewalt im Spiel“ erklärte Hannawald. Mit 867,5 Punkten reichte es im Gegensatz zur WM aber immerhin zu dem mit 10.000 Schweizer Franken belohnten Bronzeplatz hinter Österreich (908,5) und Weltmeister Finnland (887,6).

          Die Zukunft von Chefcoach Heß als Bundestrainer bleibt indes auch nach Oslo weiter offen. „Ich bin gespalten. Da gibt es eine Verbandsspitze, und die muss im Frühjahr entscheiden, ob sie mit mir weitermachen will“, sagte Heß. DSV-Sportdirektor Thomas Pfüller erklärte, dass er mit Heß bis Olympia 2006 weitermachen wolle, „wenn das Feuer in ihm brennt“.

          Weitere Themen

          Den Bayern versagen die Nerven im Topspiel

          1:2 in Mönchengladbach : Den Bayern versagen die Nerven im Topspiel

          Die Münchner sind hoch überlegen, nutzen aber nur eine der zahlreichen Chancen. Spitzenreiter Gladbach gleicht schnell aus – und gewinnen kurz vor Schluss sogar noch, als ein Münchner vom Platz fliegt und die Borussia per Elfmeter trifft.

          Topmeldungen

          Auch der Münchner Thomas Müller vergab Chancen in Gladbach.

          1:2 in Mönchengladbach : Den Bayern versagen die Nerven im Topspiel

          Die Münchner sind hoch überlegen, nutzen aber nur eine der zahlreichen Chancen. Spitzenreiter Gladbach gleicht schnell aus – und gewinnen kurz vor Schluss sogar noch, als ein Münchner vom Platz fliegt und die Borussia per Elfmeter trifft.
          In eine neue Zukunft? Das neue SPD-Führungsduo Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans

          Neue SPD-Spitze : Zwei Neulinge, viele Helfer

          Die SPD hat eine koalitionskritische Hinterbänklerin und einen Polit-Pensionär an die Spitze gewählt. Aber der Rest der Führung besteht aus Parteiprofis, die überwiegend regieren wollen. Wer sind sie? Eine Analyse.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.