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Skispringen : Uhrmann gefeiert - Hannawald gelähmt

  • Aktualisiert am

Fingerzeig aus Zakopane: Michael Uhrmann Bild: REUTERS

Michael Uhrmann hat in Zakopane einen Tag nach seinem ersten Weltcup-Triumph den 16. Platz belegt. Beim Sieg von Martin Höllwarth wurde Georg Späth Vierter. Sven Hannawald trat am Sonntag nicht mehr an.

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          Erst flog Michael Uhrmann zum ersten Weltcupsieg seiner Karriere, dann Sven Hannawald vorzeitig in die Heimat. Im „Hexenkessel“ von Zakopane durchlebten die deutschen Skispringer am Wochenende Himmel und Hölle. Mit seinem Erfolg am Samstag sorgte Uhrmann für den lang ersehnten ersten Saisonsieg der DSV-Adler, deren Vorflieger Hannawald erneut abstürzte und am Sonntagvormittag völlig entnervt abreiste.

          Im dichten Schneetreiben am Sonntag behielt der Österreicher Martin Höllwarth den Durchblick und landete seinen ersten Weltcupsieg seit dem 15. Dezember 2002. Uhrmann landete 24 Stunden nach seinem Höhenflug nur auf Rang 16 und damit wieder auf dem Boden der Tatsachen. Für ihn sprang Georg Späth (Oberstdorf) in die Bresche, der als Vierter nur knapp seinen zweiten Podestplatz in diesem Winter verpaßte. „Es macht derzeit Spaß, den beiden zuzuschauen. Mal ist der Uhri vorn, mal der Georg“, bilanzierte Bundestrainer Wolfgang Steiert zufrieden.

          „Im Moment lähmt der Kopf die Füße“

          Überschattet wurde der erfolgreiche Auftritt allerdings von Hannawalds Krise. „Wir haben in der Nacht ein längeres Gespräch geführt und entschieden, daß Sven eine Pause einlegt. Im Moment lähmt der Kopf die Füße“, begründete Steiert die vorzeitige Abreise des Hinterzarteners, der erst Anfang Februar beim Skifliegen in Oberstdorf in den Weltcup zurückkehren soll. Gedanken an einen endgültigen Abschied des 29jährigen wies Steiert zurück. „Wir haben über das Thema Karriereende gesprochen. Sven hat mir versichert, daß er seinen Sport liebt und noch zwei Jahre springen will“, erklärte der Coach.

          Michael Uhrmann siegt in Zakopane

          Der hatte sich nach dem Sieg von Uhrmann mit einem Freudenschrei seiner ganzen Anspannung entledigt. „Ich habe immer gesagt, daß wir ein gutes Team haben. Nur hat es kaum noch jemand geglaubt. Endlich wurde unsere Arbeit belohnt“, sagte Steiert. Zum dritten Mal in seiner Karriere saß Uhrmann im Finale als Letzter auf dem Balken, zum ersten Mal behielt er die Nerven. „Diesem Sieg bin ich lange hinterher gelaufen. Es ist ein absolut gewaltiges Gefühl, ihn endlich geschafft zu haben“, erklärte der Bayer, der seine Ski jubelnd in den Nachthimmel von Zakopane schwenkte.

          „Adam in Polen zu schlagen, ist nicht schlecht“

          Vor 33.000 Zuschauern hatte sich der BGS-Angestellte aus Rastbüchl einen packenden Zweikampf mit Lokalmatador Adam Malysz geliefert. Der Pole feierte mit zwei zweiten Plätzen ein glanzvolles Comeback und gehörte zu den ersten Gratulanten. „Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, vor dieser Kulisse zu springen. Die Fans waren total fair. Den Adam vor voller Hütte in Polen zu schlagen, ist nicht schlecht“, meinte Uhrmann schmunzelnd.

          Der 25jährige verwies mit 270,9 Punkten Malysz (267,2) und den Norweger Björn Einar Romören (251,6) auf die Podestplätze. Am Sonntag fehlte Malysz die Winzigkeit von 0,3 Zählern zum Sieg. Dritter wurde der Norweger Roar Ljökelsöy. Uhrmann, der nach dem ersten Durchgang aussichtsreich auf Rang vier lag, fiel bei 110,5 m vom Himmel und damit weit zurück. „Es war trotzdem ein tolles Wochenende“, meinte der Bayer, der mit dem ersten Karrieresieg seinem Vater das schönste Geburtstagsgeschenk bereitet hatte.

          „Ich habe irgendetwas verschlafen“

          Uhrmanns Aufstieg ging einher mit dem tiefen Fall von Sven Hannawald. Der Doppelsieger des Vorjahres präsentierte sich am Samstag völlig von der Rolle und fiel nach einem Hüpfer auf 105 m im Finale vom 11. auf den 30. Platz zurück. Schon im ersten Durchgang war der Hinterzartener trotz annähernd gleicher Bedingungen gleich 13 m hinter Uhrmanns Weite zurück geblieben. „Mir fehlt die Grundform, die sich die anderen erarbeitet haben. Ich habe irgendetwas verschlafen“, haderte der Schwarzwälder mit sich.

          Während der DSV-Tross am Montag nach Japan weiterfliegt, soll Hannawald in der Heimat zu seiner Form und vor allem sich selbst finden. „Er soll sich in Ruhe auf die Höhepunkte im Februar vorbereiten“, sagte Steiert, der für Hannawald den jungen Ferdinand Bader nachnominierte.

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