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Skispringen : Sven Hannawald fehlen 22 Zentimeter zum Sieg-Weltrekord

  • Aktualisiert am

Mal nicht Sieger: Sven Hannawald Bild: AP

Beim chaotischen Weltcup-Springen im polnischen Zakopane hat Skispringer Sven Hannawald hauchdünn seinen sechsten Sieg in Serie verfehlt.

          Sven Hannawald ist im Pfeifkonzert von 80.000 Fans um 22 Zentimeter am Sieg-Weltrekord vorbeigesegelt. Beim chaotischen Weltcup im polnischen Zakopane verhinderte der Finne Matti Hautamäki mit einem Vorsprung von 0,4 Punkten den sechsten Sieg des diesmal zweitplatzierten Deutschen in Folge.

          Martin Schmitt schaffte mit einem vierten Platz pünktlich drei Wochen vor der Olympia-Entscheidung die Rückkehr in die Weltelite. „Ich bin optimal zufrieden, zumal heute wettermäßig ziemlich schwierige Bedingungen geherrscht haben. Ich wusste, dass die Serie nicht ewig halten wird. Die anderen sind immer näher gekommen und ich kann mich halt nicht ausruhen“, erklärte Hannawald.

          In Polen böse beschimpft

          Im völlig überfüllten Zielraum riss er nach seinen mit 259,2 Punkten belohnten Flügen auf 124 und 130 Meter die Arme hoch, aber wenig später jubelten die Fans des auf Platz sieben abgestürzten Lokalmatadoren Adam Malysz frenetisch. Matti Hautamäki (259,6/123,5+131 Meter) war minimal besser und Hannawald hält damit weiter „nur“ gemeinsam mit Malysz (2001) sowie Andreas Goldberger (1995) den Weltrekord von fünf Weltcup-Siegen in Folge.

          Deutliche Botschaften

          Der böse beschimpfte Hannawald durfte aus Sicherheitsgründen nur von Bodyguards begleitet durch das durch die Absperrungen gebrochene Spalier der Fans gehen und fuhr nur gemeinsam mit Malysz im Lift in Richtung Anlaufturm. Der mit neuen Sprungschuhen angetretene Schmitt wurde freundlicher aufgenommen und segelte mit 247,9 Punkten für 122 und 128,5 Meter direkt hinter dem Österreicher Andreas Widhölzl auf Rang vier.

          Martin Schmitt erleichtert

          „Ich habe wieder ein gutes Gefühl. Das ist doch vor Olympia ein Ergebnis, auf dem man aufbauen kann“, freute sich Schmitt. Bundestrainer Reinhard Heß war zufrieden mit einem „aufstrebenden“ Martin Schmitt und nahm Hannawald in Schutz: „Er wollte den Sieg heute mit brachialer Gewalt erzwingen. Aber so ein Publikum geht auch an ihm nicht spurlos vorüber.“ Das Pfeifkonzert der Fans störte „Hanni“ offiziell nicht, „da hatte ich wenigstens Aufwind“.

          Im Gesamtweltcup verkürzte er den Rückstand auf Malysz (1110) zudem auf nur noch 131 Zähler. Michael Uhrmann (Rastbüchl) dürfte sich derweil mit einem 15. Platz im Duell der Team-Weltmeister gegen Alexander Herr (Rohrhardsberg) das letzte Olympia-Ticket gesichert haben. Das gute Abschneiden des nervenstarken deutschen Teams komplettierten Dirk Else (Oberwiesenthal/12.) und Stephan Hocke (Oberhof/20.).

          Gefälschte Tickets im Überfluss

          Trotzdem war die Bilanz von Hannawalds Heimtrainer Wolfgang Steiert zwiespältig: „Ist schon blöd, wenn wir nur noch mit Security und Bodyguards rumgehen können. Die zu große Zahl der Fans war gefährlich.“ Der chaotische Weltcup in der Hohen Tatra sprengte mit über 80. 000 Zuschauern in und um das nur für die Hälfte vorgesehene Stadion alle bekannten Dimensionen.

          Tausende Malysz-Fans versuchten ohne oder mit gefälschten Tickets an die große Krokiwschanze zu gelangen und drängten sich bis unmittelbar an den Aufsprunghang. Dabei bestand trotz 870 Sicherheitskräften zwischenzeitlich die Gefahr einer Massenpanik. Walter Hofer, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes FIS, erwog wegen des Andrangs zwischenzeitlich sogar einen Abbruch: „Die sportliche Abwicklung hatten wir im Griff, aber ich hatte Bedenken für die Zuschauer. Wenn es gefährlich geworden wäre, wären wir kein Risiko eingegangen und hätten abgebrochen.“

          Für das Springen am Sonntag forderte Hofer, die Gegend um Zakopane weiträumig abzusperren und nur Zuschauer mit Tickets einzulassen.

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