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Skispringen : Schmitt vom Winde verweht

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Überflieger Bild:

Adam Malysz hat souverän das dritte Springen der Vierschanzentournee gewonnen und die Führung in der Gesamtwertung übernommen. Martin Schmitt wurde Neunter und hat keine Chance mehr auf den Gesamtsieg.

          2 Min.

          Martin Schmitt hat auf der abrissreifen Innsbrucker Bergisel-Schanze seine Hoffnungen auf den Gesamtsieg der Vierschanzentournee begraben müssen. Der Weltcupsieger belegte beim letzten Springen vor dem geplanten Totalumbau mit Sprüngen von 96 und 101,5 m (Note 192,2) nur Rang neun. Er büßte damit entscheidenden Boden auf den neuen Gesamtführenden Adam Malysz ein, dem der erste Einzel-Sieg eines Polen gelang.

          Der nur 1,69 Meter große Überraschungsmann der Tournee setzte sich vor 10 000 Zuschauern mit Tagesbestweiten von 111,5 und 118,5 m (259,2) mit dem zweitgrößten Vorsprung in der Tournee-Geschichte überlegen vor Janne Ahonen (Finnland/214,3) und dem Russen Dimitri Wassiljew (213,0) durch. Sven Hannawald (Hinterzarten/189,9) wurde Elfter. Nach drei von vier Tournee-Stationen führt Malysz (771,2 Punkte) mit riesigem Vorsprung vor Noriaki Kasai (Japan/732,2). Die Favoriten Ahonen (698,6) und Schmitt (694,8) folgen mit deutlichem Abstand. Sven Hannawald ist Fünfter (690,0).

          Lob für Malysz, Kritik für Organisation

          „Gesamtsieg ade. Ich habe mich schwer getan mit der feuchten Spur und hatte auch nicht optimale Verhältnisse. Das darf aber keine Entschuldigung sein, denn dem Malysz hat es auch nichts ausgemacht. Der springt derzeit einfach in einer anderen Liga“, erklärte der auch bei seinem dritten Griff nach dem Gesamtsieg gescheiterte Schmitt. „Es spricht alles für ihn, seine gute Technik ist in jedem Sprung gleich.“ Statt des ersten deutschen Gesamtsieges seit Jens Weißflog 1996 wird nun wohl „Weißflog-Kopie“ Malysz den ersten Triumph für Polen klarmachen.

          Tourneesieg abgehakt: Martin Schmitt

          „Der Vorsprung ist uneinholbar, die Tournee-Wertung ist fast abgeschrieben“, gratulierte Co-Trainer Wolfgang Steiert dem Polen vorab. „Die Tournee ist entschieden, das wissen wir, und das tut weh“, sagte Bundestrainer Reinhard Heß. „Da kann man nur neidlos den Hut ziehen“, lobte Sven Hannawald, der in der Gesamtwertung auf Platz fünf (690,0) rangiert.

          Schmitts Kritik

          Der nach wie vor im Weltcup führende Schmitt übte heftige Kritik an den Innsbrucker Organisatoren: „Hier hat es niemand für nötig gehalten, trotz der Feuchtigkeit in der Anlaufspur bereits vor dem ersten Durchgang mit Schneezement zu arbeiten. Rundherum geht hier jeder mit der Einstellung heran, es ist ja eh das letzte Springen“, schimpfte Schmitt und setzte noch einen drauf: „Wenn sich so etwas ein anderer Veranstalter leistet, wird er für zehn Jahre gesperrt.“

          Die aus Sicherheitsgründen auf 13.000 Zuschauer beschränkte Kulisse erlebte wegen dem warmen Fönwind einen turbulenten Wettkampf. Wegen des Appells von Bundestrainer Reinhard Heß gegen die Rekordjagd an den beiden ersten Tourneeschanzen („Manche nennen mich den Meckerer der Nation“) wählte die Jury eine extrem niedrige Anfahrtgeschwindigkeit. Nach neun Springern wurde erstmals abgebrochen und der Anlauf verlängert.

          Akrobat Löffler

          Eine knappe halbe Stunde später stürzte Frank Löffler (Oberstdorf) schwer, nachdem er in der nassen Anlaufspur den Absprung völlig verpasst hatte. Der Junioren-Weltmeister vermied nur mit Glück und Akrobatik eine Verletzung. „Ich war viel zu aggressiv am Tisch. Es hat dort gestockt, daher bin ich auf die Zehenspitzen geraten und nach vorne weggerutscht“, sagte der 20-Jährige, der trotz einer schmerzhaften Hüft-Prellungwieder lachen konnte. „Das schaut ein bisschen aus, wie sie früher gesprungen sind“, kommentierte er bei RTL seinen Sturzflug. „Was Frank daraus gemacht hat, davor muss man den Hut ziehen“, sagte Reinhard Heß.

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