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Skispringen : In der „Hölle" fehlen Hannawald nur Zentimeter

  • Aktualisiert am

In Polen nicht weit genug geflogen: Sven Hannawald Bild: dpa

Sven Hannawald zeigte beim chaotischen Weltcup-Springen in Polen Nerven: Am Sonntag wie am Samstag fehlten Zentimeter zum Sieg.

          2 Min.

          "Ich habe keinen verhauen, ich kann auch gar kein Polnisch. Ich fand das ziemlich unfair.“ Der knapp geschlagene Sven Hannawald zeigte Nerven im gellenden Pfeifkonzert von 150.000 Fans bei der Olympia-Generalprobe in Zakopane/Polen.

          Nachdem der 27-Jährige aus Hinterzarten den Sieg-Weltrekord mit 0,4 Punkten (22 Zentimeter) Rückstand auf Matti Hautamäki verpasst hatte, kosteten ihn am Tag darauf 0,6 Zähler (33 Zentimeter) gegen den von den Haltungsrichtern besser bewerteten Lokalmatadoren Adam Malysz den verdienten Triumph.

          Martin Schmitt meldete sich mit den Plätzen vier und fünf rechtzeitig vor Salt Lake City zurück. Negativ: Beim Chaos-Weltcup gab es mindestens sechs Verletzte. „Das war die absolute Hölle hier, ich habe mich bedrängt gefühlt. Es war schon enttäuschend, dass ich hier ausgepfiffen wurde. So gesehen kann ich mit zwei zweiten Plätzen sehr zufrieden sein“, sagte der mit 40.000 Euro belohnte Hannawald.

          In Polen nicht ganz oben angekommen: Sven Hannawald

          Reinhard Heß: "Brachiale Gewalt"

          Auch am Sonntag trotzte er dem Ohren betäubenden Pfeifkonzert von insgesamt 150.000 Zuschauern und belegte erneut Platz zwei. „Ich wusste, dass die Serie nicht lange hält, weil die anderen nicht schlafen“, meinte der Gewinner der Vierschanzentournee, der sich den Rekord von fünf Siegen in Serie weiter mit Andreas Goldberger (Österreich) und Malysz teilen muss.

          „Sven hat vielleicht versucht, das Ding mit brachialer Gewalt zu gewinnen, und hatte nicht die nötige Lockerheit“, sagte Reinhard Heß. Gleichzeitig bedauerte der Bundestrainer das Pfeifkonzert der polnischen Fans. „Man trifft damit vielleicht seine Schwachstelle, weil er sich darüber unheimlich ärgert.“

          Umstrittene Noten für den Lokalmatador

          Um die Situation nicht eskalieren zu lassen, wurde Hannawald nur gemeinsam mit seinem Hauptkonkurrenten Malysz durch die Massen geschleust. Nicht ganz einverstanden war Bundestrainer Heß am Sonntag mit der knappen Entscheidung zu Gunsten von Adam Malysz. „Von den Noten her war das nicht ganz regulär“, meinte Heß.

          Der Pole gewann nach einem Monat wieder einen Weltcup, obwohl Hannawald in der Summe der Sprünge weiter geflogen war. Der Weltcup in der Hohen Tatra war begleitet von teilweise chaotischen Zuständen.

          Chaos und Angst

          Am Samstag drängten sich nach Angaben des Veranstalters 80.000 statt der zugelassenen 40.000 Zuschauer an der Schanze und vor den Toren. Eintrittskarten sollen im großen Stil gefälscht worden sein. „Es war an der Grenze des Erträglichen“, sagte FIS-Renndirektor Walter Hofer, der den Probedurchgang unterbrechen musste, weil sich die Zuschauer am Samstag sogar am Schanzentisch und im Springerlager drängten.

          „Das Stadion war so gefüllt, dass man Angst haben musste“, meinte Bundestrainer Heß. Nach verschärften Kontrollen und einer Aufstockung der 800 Sicherheitskräfte entspannte sich die Lage am Sonntag.

          Im Gesamt-Weltcup holt Hannawald nach 16 von 23 Wettbewerben mit 1059 Punkten den Rückstand auf den vor Monatsfrist bereits enteilten Malysz (1210) immer mehr auf. Allerdings kann Malysz bei den Springen in Hakuba und Sapporo weiter Punkte sammeln, während Hannawald wie auch die anderen für Salt Lake City qualifizierten deutschen Skispringer die anstrengende Japan-Reise auslässt und statt dessen ein Trainingslager absolviert.

          Ansteigende Form bei Martin Schmitt

          Seine ansteigende Form stellte der viermalige Weltmeister Martin Schmitt mit den Plätzen vier und fünf unter Beweis. Die lange Suche nach dem besten Material scheint endlich Früchte zu tragen: In der Anlaufspur zählte Schmitt zu den Schnellsten, auch der neue Schuh passt. „Ich habe wieder ein gutes Gefühl, und von Sprung zu Sprung werde ich besser“, sagte der 23-Jährige, der sich bei den polnischen Fans im Gegensatz zu Hannawald großer Beliebtheit erfreute.

          Das sechste und letzte noch zu vergebende Olympia-Ticket hat sich wohl Michael Uhrmann (Rastbüchl) gesichert. Er setzte sich im Duell der Mannschafts-Weltmeister von Lahti gegen Alexander Herr (Schonach- Rohrhardsberg) durch und erfüllte mit Platz 15 am Samstag die interne Olympia-Norm. Herr schaffte am Sonntag zum vierten Mal in dieser Saison Platz 16.

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