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Skispringen : Hannawald hat Gold gewagt und alles verloren

  • -Aktualisiert am

Der Moment, als die Gold-Träume endeten - Hannawald gestürzt Bild: dpa

Ein Sturz im zweiten Durchgang kostete Hannawald eine Medaille von der Großschanze. Olympiasieger wurde erneut Simon Ammann.

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          Wenn die Spannung am Prickelndsten ist, schmeckt die Ernüchterung besonders schal. Sven Hannawald hatte beim olympischen Finale von der 120-Meter-Schanze als letzter Springer die Goldmedaille vor Augen.

          Doch er strauchelte bei der Landung, griff in den Schnee und kassierte hohe Abzüge in den Haltungsnoten. Zurück blieb er als geknickter Vierter hinter dem Schweizer Doppel-Olympiasieger Simon Ammann, dem Polen Adam Malysz und Matti Hautamäki aus Finnland.

          Hannawald und Ammann zunächst punktgleich

          Ammann, Überraschungssieger schon von der kleinen Schanze, hatte im ersten Durchgang den Schanzenrekord von Wolfgang Loitzl mit 132,5 Meter egalisiert. Sven Hannawald konterte und zog nach Weite und Noten exakt gleich. „Das war eine richtige Bombe. Genau so hatte ich mir das vorgestellt“, jubelte er zu diesem Zeitpunkt noch. „Spannender könnte es nicht sein.“ Er unkte aber auch: „Noch einen Sprung durchstehen, dann haben wir wieder Ruhe.“

          Enttäuscht: Sven Hannwald

          Als vorletzter Springer des zweiten Durchgangs steigerte sich Ammann dann auf einen neuen Schanzenrekord: 133 Meter. Alle Augen auf Sven, wie schon so oft in dieser Saison: „Ich habe Simon gesehen, ich wusste es geht, ich wollte einen guten Sprung machen.“

          Überwältigt vom Flug, ernüchtert bei der Landung

          Hannawald flog weit, landete bei 131 Metern. „Ich war ganz überwältigt von meinem Flug“, sagte er. „Gold oder Silber“, dachte Bundestrainer Reinhard Heß. Doch dann rutschte Hannawald aus. „Ich kann noch gar nicht begreifen, was passiert ist“, flüsterte der Vierschanzentourneesieger. „Ich habe es in der Euphorie gar nicht gesehen“, gab der Bundestrainer zu, der erst von Co-Trainer Wolfgang Steiert „stotternd auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurde“.

          „Es ist ziemlich glatt im Auslauf“ versuchte Hannawald sein Missgeschick beim Telemark zu erklären. Teamkollege Martin Schmitt, der mit Sprüngen auf 126 und 119,5 m Zehnter wurde und angesichts seiner Knieprobleme damit ganz zufrieden war, analysierte: „Sven ist auf den Hinterfuß gekommen. Dann wird´s schwierig bei solchen Weiten. Simon Ammann tut sich leichter mit der Landung, weil er selbst leichter ist.“

          Protest erwogen, aber nicht eingereicht

          Das deutsche Team erwog nach dem erste Schrecken zunächst einen Protest gegen die Haltungsnoten, „denn sie dachten, Sven sei nur gerodelt“, wie Renndirektor Walter Hofer gegenüber FAZ.NET erklärte: „Ich habe ihnen die Chance gegeben, sich den Sprung noch mal auf Video anzusehen, da haben sie auf einen Protest verzichtet.“ Rodeln wird es genannt, wenn der Springer mit dem Po auf den Skienden sitzt - dafür gäbe es nur fünf Punkte Abzug. Für Hannawalds Schneekontakt mit Händen und Rücken aber sieben.

          So war die Seifenblase mit der zweiten Olympiamedaille für Sven Hannawald in Bruchteilen von Sekunden geplatzt. Ganze 0,7 Punkte fehlten am Ende auf Matti Hautamäki, der sagte: „Ich hatte Glück, weil Sven Unglück hatte.“

          Für Simon Ammann war es „ein verrückter Tag in einer verrückten Woche. Ich wusste, dass ich gut bin, aber hätte nie geglaubt, dass ich noch mal gewinnen könnte.“ Adam Malysz gab sich „extrem glücklich. Ich wollte eine Medaille, und nun habe ich zwei.“

          Gute Teamleistung

          Auch Sven Hannawald hätte sein zweites Edelmetall gewinnen können, wäre er nur etwas mehr auf Sicherheit gegangen. Doch davon wollte er nichts wissen: „Ich bin keiner, der spekuliert.“ Martin Schmitt unterstützte ihn: „Silber hatte er schon, er musste Gold riskieren, sonst wäre er kein Sportler.“

          Bis zum Mannschaftsspringen von der Großschanze liegt es nun an Reinhard Heß und seinem Betreuerteam, den unglücklichen Tourneesieger wieder aufzubauen, der sagte: „Enttäuscht bin ich nicht. Der Sprung war ja gut. Aber ich bin geknickt, weil mir das Missgeschick passiert ist.“

          Auch wenn sich das Resultat aus dem Einzel nicht eins zu eins auf die Mannschaft übertragen lässt, so können die deutschen Springer doch zuversichtlich sein. Neben Hannawald und Schmitt sprangen auch Stephan Hocke als Zwölfter und Michael Uhrmann als 16. ins Vorderfeld. Nach dem ersten Durchgang hatte es freilich mit den Plätzen eins, sechs, neun und zwölf noch besser für das Quartett ausgesehen.

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