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Skispringen : Alles für einen: Der Siegerflieger Sven Hannawald

Skisprung-Trainer Heß: "Immer noch verbesserungsfähig" Bild:

Er hat in zehn Wochen mehr erreicht, als er sich für seine gesamte Karriere vorgenommen hatte. Doch nach dem Sieg ist vor dem Sieg. Sven Hannawald springt weiter.

          Nach dem Sieg ist vor dem Sieg: Kaum ist Sven Hannawald Skiflugweltmeister geworden, warten schon die nächsten Aufgaben auf den schmalen Schwarzwälder. Der Gesamt-Weltcup ist noch zu vergeben, und auch der Sieg in der Nationenwertung mit dem Team wäre doch schön.

          Und so sind die deutschen Weitenjäger schon wieder im Landeanflug auf die nächste Trophäe. Am Montag um 12.40 Uhr bestiegen Hannawald und Co. in Prag leicht übernächtigt das Flugzeug Richtung Schweden, wo am Mittwoch der Weltcup in Falun ansteht. Danach stehen noch Trondheim, Oslo und Planica auf dem Flugplan.

          Keine Zeit zum Feiern

          Die Hetzerei über die Flugschanzen dieser Welt kennt keine Ruhezonen. Während das staunende Publikum auf dem Wunsch nach Entschleunigung noch von den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City schwärmt, haben die Helden der bemannten Luftfahrt in der Zwischenzeit schon Weltcup-Punkte in Lathi und eine Weltmeisterschaft im Skifliegen in Harrachow ausgesprungen.

          Es ist fast wie beim FC Bayern, die Jagd nach Siegen und Sensationen lässt dem Athleten keine Luft zum Durchatmen. Es bleibt noch nicht mal Zeit zur Party: „Für ausgiebiges Feiern gibt es einen Termin, den 31. März. Bis dahin stehen die Wettkämpfe im Vordergrund“, sagt Sven Hannawald unerbittlich zu sich selbst.

          Historische Erfolgsbilanz

          Dabei hat er schon jetzt alle Erwartungen innerhalb einer Saison übertroffen: Hannawald schaffte einen einzigartigen Grand-Slam mit vier Siegen bei der Vierschanzentournee. Er gewann Gold und Silber bei den Olympischen Spielen. Und er verteidigte als erster Springer der Geschichte seinen Titel als Skiflug-Weltmeister.

          Finanziell kann sich der Sprung-Millionär längst zurücklehnen. „Man kann das schwer in Zahlen umsetzen, aber es gibt jede Menge Angebote und wir haben eine glänzende Ausgangsposition“, sagte Manager Werner Heinz. Schon die TV-Spots mit seinem Kopfsponsor und einer Milchproduktefirma flogen ihm nach der Vierschanzentournee regelrecht zu. Und für den Fernsehsender RTL schaffte Hannawald einen Quotensprung in Fußball- und Formel 1-Dimensionen.

          Alles für einen

          The winner takes it all - aber oft nur ein Jahr lang. Das weiß der sensible Mann aus Hinterzarten: „Ich will jetzt alle Wettkämpfe genießen, denn ich werde nicht immer so erfolgreich sein. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen. Zum Sport gehört auch die andere Seite, die Niederlagen.“

          Skispringen ist mehr als alle anderen Disziplinen eine Sportart, die geprägt ist vom richtigen Augenblick. Alles muss stimmen: Kopf und Körper; Ski, Schnee und Schanze; Mensch, Material und der Moment. Offensichtlich öffnet sich jedem Skispringer in seiner Karriere nur zu bestimmten Zeiten der Slot, die Erlaubnis zum Abheben. Dann trägt das Luftpolster den jeweiligen Herrn der Lüfte auch bei sub-optimalen Bedingungen zum Sieg.

          Vor unserer Zeitrechnung gewann Malysz

          Simon Ammann erlebte diesen Aufwind bei den Olympischen Spielen, der ihn bis auf die Coach von „Wetten dass...“ wehte. Stimmt jedoch nicht jede Stellschraube auf den Millimeter genau, kommt sich der Springer vor wie ein Treppensteiger, der auf der vermeintlich letzten Stufe ins Leere tritt: Er taumelt, und glaubt zu stürzen.

          Diese Erfahrung musste zuletzt Adam Malysz machen, der beim jüngsten Skifliegen nur 18. wurde, aber immer noch im Gesamtweltcup führt. Zu Beginn dieses Winters gewann er sechs von neun Springen. Das war in den Wettkämpfen „vor Hannis Geburt“, dem Beginn unserer aktuellen Skisprung-Zeitrechnung.

          Vom Körper in die Knie gezwungen

          Sven Hannawald, der mit seinem begnadeten Flugkörper stets am Rande des Abgrunds steht, hat vor den letzten Wettkämpfen 231 Punkte Rückstand. Das liegt unter anderem auch daran, dass er sich immer mal wieder eine Auszeit gönnte, weil ihn sein Körper in die Knie zwang: „Der Akku ist alle“, hörte man von „Hanni“ ebenso oft wie „Ich mach' mein Zeug.“

          Offiziell will er deshalb gar nicht mehr nach Höherem oder Weiterem streben: „Ich schaue, dass ich die Form halten kann, auch wenn die körperliche Müdigkeit immer größer wird. Adam ist ein verdienter Weltcup-Gewinner.“ Doch Heimtrainer Steiert stichelt weiter: „Wenn Adam schwächelt, schlägt Hanni zu.“ Der hat schon längst ein Problem mit den Trophäen wie dem Kristall-Siegerpokal fürs Skifliegen: „In meiner jetzigen Wohnung kann ich ihn nicht aufstellen. Da würde die Tür nicht mehr auf gehen.“

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