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Skifliegen : Zielscheibe Hannawald: Schneeballschlacht in Harrachov

  • Aktualisiert am

Überflieger: Sven Hannawald Bild: AP

Ein wütender Sven Hannawald hat bei der Skiflug-WM am Teufelsberg im tschechischen Harrachov die Konkurrenz deklassiert.

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          Sven Hannawald nimmt am Sonntag beruhigende 28,0 Punkte oder gut 23 Meter Vorsprung auf den zweitplatzierten Martin Schmitt mit in die „zweite Halbzeit“ des Championats (10.30 Uhr/live auf RTL).

          „Ich bin schon mit Wut im Bauch gesprungen und freue mich umso mehr über das Ergebnis. Es ist doch schlimm, wenn Du vor einer Liftauffahrt mehr Angst als vor dem Skifliegen hast. Diese Unfairness war schon phänomenal“, sagte ein sichtlich erregter Hannawald.

          „Ich habe mir nichts vorzuwerfen, die Polen sollen endlich mal meine Leistung akzeptieren.“ Nach der Landung seines zweiten Fluges riss der 27-Jährige die Arme in den Himmel und winkte den etwa 40.000 polnischen Anhängern siegessicher zu.

          Absturz: Adam Malysz

          Schmitt auf Platz zwei

          Er hat sich auch durch die Schneeball-Würfe polnischer Fans nicht stoppen lassen. Der 27 Jahre alte Mannschafts-Olympiasieger aus Hinterzarten führt nach dem ersten Tag der 17. Skiflug-Weltmeisterschaft im tschechischen Harrachov nach Flügen von jeweils 202 Meter mit 396,3 Punkten ganz überlegen vor seinem Schwarzwälder Team-Kollegen Martin Schmitt (Furtwangen).

          Hannawald hat beste Chancen, am Sonntag als erster Skiflieger den Weltmeistertitel zu verteidigen. Mit 202 m im zweiten Flug katapultierte sich Schmitt vom sechsten Platz nach 182 m im ersten Durchgang nach vorn, hat aber bereits 28 Punkte Rückstand. Dritter ist der Finne Matti Hautamäki mit 363,4 Zählern für die Tagesbestweite von von 202,5 m und 182 m.

          Auch Dufner überraschend stark

          Auch Christof Duffner (Schönwald) liegt nach dem ersten Tag vor 40 000 Zuschauern als Achter (321,6/161,5 + 191,5) noch sehr gut im Rennen. „Die so genannten polnischen Fans habe ich abgehakt. Dass sie so aggressiv gegen mich sind, kann ich nicht verstehen. Das war noch eine Steigerung gegenüber Zakopane, ist extrem nervig und muss nicht sein“, schimpfte Titelverteidiger Hannawald nach der Schneeball- Kanonade während seiner Fahrt mit dem Sessellift zum Schanzenturm.

          „Morgen werden wir mit dem Auto nach oben fahren. Dann hat sich das auch erledigt“, fügte er an. Er sei glücklich über die zwei sehr guten Flüge. „Ich bin froh, dass meine Konzentration nicht nachgelassen hat. Das Fliegen kostet schon Nerven, doch ich habe derzeit einfach ein gutes Gefühl“, freute sich der deutsche Überflieger und fiel seinem Vater im Auslauf um den Hals.

          Malysz entschuldigt sich für „seine Fans“

          Während Hannawald beide Male bei Windstille sprang, drückte Rückenwind den polnischen Weltcup-Spitzenreiter Adam Malysz im zweiten Flug nach 184 m im ersten Versuch bereits bei 142 m nach unten. „Die Jury hat mich zu lange warten lassen. Allerdings war mein Sprung auch nicht gut. Eine Medaille ist nun nicht mehr drin“, bemerkte der Pole und entschuldigte sich für die Schneeballwerfer bei Hannawald.

          „Das schmerzt mich sehr, dass einige so eine Aggressivität gegen Sven entwickeln. Das sind Fußball-Fans, aber keine Freunde des Skispringens. Vielleicht haben sie zu viel Wodka getrunken, ehe sie an die Schanze gekommen sind. Sven ist ein fantastischer Springer und hat aus meiner Sicht den Titel bereits gewonnen“, sagte Malysz, der nur auf Platz 18 rangiert.

          Auftrieb durch Olympia-Gold

          Auch Martin Schmitt ist vom Sieg Hannawalds überzeugt. „Hannis Vorsprung ist einfach zu groß. Allerdings hat man heute auch gesehen, wie schnell es beim Fliegen gehen kann“, fügte der viermalige Weltmeister mit Blick auf Malysz an.

          „Der Sven fliegt derzeit super. Trotzdem will ich morgen noch Mal angreifen. Mein erster Sprung heute war nicht optimal. Es geht besser. Das Mannschafts-Gold bei Olympia hat Auftrieb gegeben. Das war der Erfolg, dem ich die ganze Saison hinterher gerannt bin. Nun geht alles leichter“, sagte Schmitt.

          Respekt vor der riesigen Schanze

          Angreifen wollen am Sonntag auch Christof Duffner und Michael Uhrmann (Rastbüchl). „Unter die ersten Zehn will ich noch kommen“, legte sich der Bayer fest. Im Probedurchgang hatte er nur mit großer Mühe einen Sturz vermieden. „Eine Windböe drückte mir die Skispitzen nach unten. Da ist mir fast das Herz stehen geblieben“, erzählte der Mannschafts-Olympiasieger.

          Deshalb sei er im ersten Wertungsflug zu verhalten gesprungen. „Da war der Respekt vor der Schanze noch groß. Doch dann wurde es besser“, meinte Uhrmann.

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