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Skifliegen : Heß und Hannawald fürchten nur das Publikum

  • Aktualisiert am

Zwei Gold-Favoriten: Malysz (l) und Schmitt Bild: dpa

Titelverteidiger Sven Hannawald ist Favorit bei der Skiflug-WM in Harrachov. Das erste Training am Donnerstag ist allerdings wegen zu starker Windböen ausgefallen.

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          Sven Hannawald und Co. fürchten bei der Skiflug-WM am kommenden Wochenende in Harrachov 100.000 Polen mit Adam Malysz an der Spitze. „Ich hoffe, dass das Publikum nicht so chauvinistisch wie beim Weltcup in Zakopane ist“, sagt Bundestrainer Reinhard Heß.

          Das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben, denn die polnische Grenze ist gerade mal drei Kilometer entfernt. An den beiden Wettkampftagen am Wochenende werden jeweils mindestens 50.000 Fans des Mitfavoriten Malysz erwartet. Beim Weltcup im Januar in Zakopane hatte eine ähnliche Menschenmenge den deutschen Vorflieger Sven Hannawald gnadenlos ausgepfiffen und bedrängt.

          „Das war gesteuert, schließlich haben die Polen keine anderen Helden als Malysz und den Papst“, meint Heß. Hannawald empfand die „oberhässliche Situation“ als „die schlimmste meiner Karriere“ - und blieb als doppelter Zweiter nur moralischer Sieger.

          „Zweieinhalb“ deutsche Titelkandidaten

          Diesmal will Hannawald als erster Sportler der Geschichte den Skiflugtitel erfolgreich verteidigen. Die Veranstalter haben nicht nur zu seiner Sicherheit einige Vorkehrungen getroffen. Neben den von der deutschen Mannschaft angeforderten speziellen Bodyguards sind weitere 100 Polizisten, 80 Soldaten und 30 private Sicherheitsleute im Einsatz.

          Bei einem offiziellen Fassungsvermögen von 55.000 Zuschauern an den Gigantenbakken mutet das extrem wenig an, aber Hannawald und Co. versuchen trotzdem, sich auf den Sport zu konzentrieren. „Die Jungs brennen auch nach Olympia vor Ehrgeiz. Wir würden gern den Weltmeister behalten, und dafür haben wir zweieinhalb Kandidaten“, sagt Heß selbstbewusst.

          Topfavorit ist Titelverteidiger Hannawald, der nach einem Blitz-Trainingslager in Lillehammer in Glanzform und ohne weitere Probleme an seinem lädierten Schienenbeinmuskel anreist. Dazu kommt der spätestens nach seinem ersten Weltcupsieg der Saison wieder erstarkte Martin Schmitt, der auf seinen neuen „Tigerski“ baut und dem nur noch der Skiflugtitel noch in seiner Sammlung fehlt. Zudem traut Heß auch Team-Olympiasieger Michael Uhrmann und speziell dem deutschen „Flugrekordler“ Christof Duffner (219,5 Meter) „eine große Überraschung“ zu.

          Certak-Schanze ist extrem wetteranfällig

          Allerdings könnte die Flug-WM wie die Titelkämpfe 2000 im norwegischen Vikersund zur großen Nervenprobe werden. Damals verhinderte zu viel Wind am Wochenende jeglichen Wettkampfflug, so dass Hannawald erst am Montag nachträglich zum Champion gekrönt wurde.

          Und auch die Certak-Schanze im Riesengebirge gilt trotz eines Windnetzes ebenfalls als extrem wetteranfällig. „Wenn das Wetter gut ist, ist es eine der besten Schanzen der Welt. Wenn nicht, müssen wir rumhocken, und das kostet die meisten Nerven“, sagt Heß.

          Malysz unter Erwartungsdruck

          Andreas Goldbergers Weltrekord von 225 Metern scheint auch bei Topwetter ungefährdet, da die Anlage nach dem Umbau höchstens Weiten um die 215 Meter zulässt (Schanzenrekord hält Risto Jussilainen mit 212,5 Metern).

          Neben den Finnen gelten Doppel-Olympiasieger Simon Ammann (Schweiz) bei seinen ersten „richtigen“ Flugversuchen und natürlich Polens Volksheld Adam Malysz als größte Konkurrenten der Deutschen. Heß: „Mal sehen, wie Adam den riesigen Erwartungsdruck seiner Landsleute wegsteckt.“

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