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Ski Alpin : Stephan Eberharter: König von Kitzbühel in historischer Überform

  • Aktualisiert am

Abgehoben: Stephan Eberharter Bild: dpa

Altmeister Stephan Eberharter hat sich zum „König von Kitz“ gekrönt und im Mekka des alpinen Skisports ein Stück Skigeschichte geschrieben.

          Stephan Eberharter hat sich zum „König von Kitz“ gekrönt und im Mekka des alpinen Skisports ein Stück Skigeschichte geschrieben. 24 Stunden nach seinem Triumph im Super-G machte der 32 Jahre alte Österreicher bei der Abfahrt auf der berühmt-berüchtigten Streif das „Double“ perfekt und wiederholte damit das Kunststück, das zuvor nur Hermann Maier vor einem Jahr gelungen war.

          Zugleich gewann Eberharter nach Val d'Isere, Gröden und Wengen auch die vierte klassische Abfahrt des Winters und schaffte damit den zweiten alpinen „Grand Slam“ nach Franz Klammer 1975. 20.000 Zuschauer am Fuße des Hahnenkamms feierten das erhoffte Festival in Rot-Weiß-Rot, die Konkurrenz verneigte sich ehrfürchtig, der große Sieger aber gab sich bescheiden.

          Überlegene Bestzeit

          „Der Sieg in der Abfahrt ist noch mehr wert als der im Super-G. Es ist ein schönes Gefühl, so etwas passiert einem nicht jeden Tag“, stellte Eberharter nach seinem sechsten Saisonsieg eher nüchtern fest.

          Dafür lobte Österreichs Alpinchef Hans Pum seine Nummer eins in höchsten Tönen: „Sensationell. Er ist in einer Überform.“ Mit der Startnummer sieben raste Eberharter auf der schwersten Abfahrt der Welt zur überlegenen Bestzeit, in 1:54,21 Minuten verwies er Norwegens Altmeister Kjetil-Andre Aamodt (0,37 Sekunden zurück) und Österreichs Weltmeister Hannes Trinkl (0,40) auf die Plätze zwei und drei.

          "Er macht einfach keine Fehler"

          Wieder einmal setzten sich auf der Streif die Altmeister durch. Die ersten Drei sind alle schon über 30. Deutsche Rennläufer waren nach den Verletzungen von Max Rauffer und Stefan Stankalla in Kitzbühel nicht am Start. Obwohl Eberharter am Start mitbekam, dass Aamodt mit der Startnummer zwei eine glänzende Fahrt hingelegt hatte, blieb er vollkommen ruhig.

          „Ich war nicht nervös, ich wusste, dass ich schneller sein kann“, erzählte der Doppel-Weltmeister von 1991, dessen Karriere wie eine Achterbahn verlief. Seine Fahrt auf der 3. 312 Meter langen Strecke war nicht perfekt, aber gut genug für die Konkurrenz. Das gab auch Aamodt freimütig zu: „Er ist derzeit brutal gut, so stark habe ich ihn noch nie gesehen. Er macht einfach keine Fehler und ist nur sehr schwer zu schlagen.“

          Aus dem Schatten von Hermann Maier

          Drei Wochen vor den Olympischen Spielen in Salt Lake City (8. bis 24. Februar) ist Eberharter in der Form seines Lebens, mit dem zwölften Weltcupsieg seiner Karriere baute er Rang eins im Gesamt-Weltcup weiter aus. Mit 1032 Punkten führt er schon mit 322 Punkten Vorsprung vor Aamodt (710) und dem Amerikaner Bode Miller (660). Auch im Abfahrts-Weltcup liegt er mit 570 Punkten deutlich vor Landsmann Fritz Strobl (345) und Aamodt (302).

          Als zusätzlichen Lohn für das „Double von Kitz“ gab es insgesamt 90.000 Euro. Ausgerechnet Stephan Eberharter, der „ewige Zweite“, trat am Hahnenkamm in die Fußstapfen von Hermann Maier, der vor drei Tagen seine Olympia-Teilnahme endgültig abgesagt hatte. Mit seinen 1032 Punkten ist Eberharter sogar besser als der „Herminator“, der es vor einem Jahr zum selben Zeitpunkt „nur“ auf 993 Punkte brachte.

          Schon jetzt ist Eberharter die „große Kristallkugel“ kaum noch zu nehmen, in Abfahrt und Super-G gilt er als erster Anwärter auf Gold auf den anspruchsvollen Pisten in Snow Basin. So weit aber will der 32-Jährige noch nicht denken: „Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich alles ändern kann. Ich habe vieles durchgemacht. Vor sechs Jahren haben viele gesagt, der soll doch aufhören, der bringt es nicht mehr. Trotzdem ist es mir gelungen, zurückzukommen, weil ich immer hart und konsequent gearbeit habe.“

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